Finanzen

Investor Felix: Das neue Projekt der DWN

Ich möchte Ihnen die faszinierende Geschichte von Investor Toomas vorstellen, die mich dazu inspiriert hat, selbst in die Welt der Börse einzutauchen. Es ist beeidruckend, denn er hat es geschafft, in mehr als 20 Jahren aus 64.000 Euro fast eine Million zu machen.
11.10.2026 14:47
Lesezeit: 13 min
Investor Felix: Das neue Projekt der DWN
Investor Toomas und Projektleiter Juhan Lang. (Bild: Äripäev)

Vorbild Investor Toomas: So schlug ein Amateur-Depot den S&P 500

Im Jahr 2002 beschloss er, 64.000 Euro aktiv an den Aktienmärkten zu verwalten. Auf seiner 20-jährigen Börsenreise mit allen Höhen und Tiefen, die er im Folgenden mit uns teilt, wuchs sein Portfolio bis August dieses Jahres auf 808.000 Euro.

Toomas ist allerdings kein gewöhnlicher Anleger.

Toomas existiert in Wirklichkeit überhaupt nicht.

Er ist eine Figur, in deren Namen eine Gruppe von Amateurinvestoren zeigt, wie Geld verwaltet werden kann. Das Geld selbst ist jedoch real. Nach allen Steuern und Kosten haben die Verwalter, die stolz darauf hinweisen, Börsenamateure zu sein, das eingesetzte Kapital beinahe verzehnfacht.

Wie alles begann

Vor zwei Jahrzehnten wagte man im Norden Europas einen ungewöhnlichen Schritt.

Die Redaktion der Finanzzeitung Äripäev erfand die Figur des fiktiven Investors Toomas, der echtes Geld investiert.

Anfang 2002 stellte das Schwesterunternehmen der DWN, das zum schwedischen Familienkonzern Bonnier AB gehört, dem imaginären Toomas eine Million estnische Kronen zur Verfügung, umgerechnet 64.000 Euro.

Heute gehört Toomas zu den bekanntesten und erfolgreichsten Anlegern Estlands. Auch in Skandinavien genießt das Projekt große Sympathien.

Nicht nur Worte, sondern echtes Geld

Journalisten von Finanzmedien wie Bloomberg, Financial Times, Wall Street Journal oder Finance werden häufig dafür kritisiert, über Finanzthemen zu schreiben, ohne selbst echte Verantwortung zu tragen. „Das Projekt Investor Toomas war ein ideales Experiment, um herauszufinden, was mit einem Investment passiert, wenn Journalisten ihren eigenen Prognosen folgen“, erklärte mir Juhan Lang, Redakteur und Leiter des Projekts Investor Toomas, bei einem Besuch in Estland.

Wie er sagt, erkannten seine Vorgänger bereits vor Jahrzehnten, dass sie sich auf eine gute staatliche Rente nicht verlassen konnten.

„Wir wussten, dass trotz der ersten und zweiten Säule auch eine dritte notwendig ist.“ – Juhan Lang, Redakteur und Leiter des Projekts Investor Toomas

Deshalb setzte man sich ein ehrgeiziges Ziel: Das Portfolio von Toomas soll bei seinem Eintritt in den Ruhestand zwei Millionen Euro wert sein. Dafür wäre über einen Zeitraum von 30 Jahren eine jährliche Rendite von zwölf Prozent nötig.

Zur Einordnung: Ein alleinstehender Durchschnittsverdiener kam in Estland 2025 nach OECD-Berechnungen auf rund 1.640 Euro netto im Monat. In Deutschland waren es rund 3.410 Euro. Allerdings bleibt estnischen Arbeitnehmern ein größerer Anteil ihres Bruttolohns: Das Land erhebt einen einheitlichen Einkommensteuersatz von 22 Prozent.

Der Weg zur finanziellen Freiheit

„Am Beispiel von Investor Toomas haben wir gezeigt, dass sich jeder mit Geldanlage und Vermögensverwaltung beschäftigen kann. Unsere Ergebnisse zeigen, dass praktisch jeder das mindestens so gut wie ein durchschnittlicher Investor machen kann, wenn nicht sogar besser“, erklärt Lang.

Damit bestätigten sie die These des legendären Investors Peter Lynch, wonach jeder durchschnittliche Anleger Aktien genauso gut oder sogar besser auswählen könne als ein Investor an der Wall Street.

Der beste Beweis dafür ist heute das Portfolio von Toomas, das über 20 Jahre hinweg eine jährliche Rendite von rund zehn Prozent erzielte.

Einer der Grundgedanken des Projekts ist zudem der Weg zur finanziellen Freiheit.

„Wir wollen unserem Publikum zeigen, dass man durch Eigenverantwortung und einen klugen Umgang mit Geld eine gute Rendite sowie einen frühen oder komfortablen Ruhestand erreichen kann“, beschreibt Lang den Reiz ihrer Arbeit.

So beeindruckend die Renditen von Toomas auch sind, er schlug vergleichbare globale Aktienindizes, von seinem Ziel ist er derzeit noch ein gutes Stück entfernt.

Zwischen 2002 und 2022 erzielte Toomas eine Rendite von 635 Prozent und übertraf damit den S&P 500 deutlich, der in diesem Zeitraum auf 324 Prozent kam.

Gemessen am ursprünglichen Ziel einer durchschnittlichen Jahresrendite von zwölf Prozent, das zumindest mir etwas ehrgeizig erscheint, müsste Toomas in den kommenden knapp acht Jahren im Schnitt etwa 20 Prozent Rendite pro Jahr erzielen.

Wer trifft die Entscheidungen des fiktiven Investors?

Toomas verfolgt lokale und internationale Wirtschaftsentwicklungen und kommentiert regelmäßig das Börsengeschehen. Wenn er sich entscheidet, eine Aktie zu kaufen oder zu verkaufen, kündigt er dies vorher an. Auf diese Weise sind seine Bewegungen an den Märkten transparent.

„Eine unserer grundlegenden Überzeugungen ist, dass eine gute Dokumentation das Wichtigste für den Erfolg ist.“ – Juhan Lang, Redakteur und Leiter des Projekts Investor Toomas

Hinter seinem Namen und seinen Anlageentscheidungen steht ein Investmentausschuss. Er besteht aus vier Journalisten mit unterschiedlichen Ausbildungshintergründen. „Keiner von uns ist Profi, und man muss auch kein Profi sein, um Profis zu schlagen“, betont Lang.

In den mehr als 20 Jahren seit Bestehen von Investor Toomas waren bereits zahlreiche Journalisten an dem Projekt beteiligt und trugen auf unterschiedliche Weise zu dessen Erfolg bei. „Heftige Diskussionen über Käufe und Verkäufe finden direkt in der Redaktion statt“, sagt er und ergänzt, dass nur wenige im Team eine wirtschaftswissenschaftliche Ausbildung besitzen.

Alle haben sich die Fähigkeiten des Investierens selbst angeeignet. Was sie verbindet, ist die Leidenschaft für Vermögensverwaltung.

Wie Toomas seine Investments auswählt

Toomas führt eine Liste von Unternehmen aus unterschiedlichen Branchen und Regionen. Diese Liste interessanter und aktueller Anlageideen überprüft er normalerweise einmal pro Quartal, nachdem die Unternehmen ihre Quartalszahlen veröffentlicht haben.

Er versucht, Aktien nicht aus emotionalen Gründen zu kaufen oder zu verkaufen und gibt Wertpapiere nicht sofort auf, wenn deren Kurs zu fallen beginnt. Wenn Toomas erkennt, dass er eine schlechte Entscheidung getroffen hat, gibt er dies zu und verkauft die Aktie.

Über einen Verkauf denkt er ebenfalls nach, wenn er der Ansicht ist, dass der Aktienkurs bereits zu hoch und das Unternehmen überbewertet ist.

Wertpapiere kauft er langsam, ruhig und überlegt.

Mindestens zwölf Transaktionen führt er pro Jahr durch.

Jede Entscheidung von Toomas wird in seinen Kommentaren erklärt und basiert auf einer Aktienanalyse.

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Die Anlagestrategie von Toomas

Toomas investiert in Unternehmen, von denen er glaubt, dass sie langfristiges Wachstumspotenzial besitzen und sich in der Vergangenheit bereits als erfolgreich erwiesen haben.

Neues Geld zahlt er nicht in das Portfolio ein. Dividenden und Zinsen aus den Investments des ursprünglichen Portfolios von 64.000 Euro werden jedoch wieder angelegt.

Er nimmt stabile Unternehmen in sein Portfolio auf, die sich bereits in einer reifen Phase ihres Unternehmenszyklus befinden.

„Bei der Analyse reifer Unternehmen fühlen wir uns am sichersten. Weniger sicher sind wir dagegen bei jungen Start-ups und stark wachsenden Unternehmen“, erklärt Lang.

Nach mehr als einem Jahrzehnt als Anleger entschied sich Toomas, etwas weniger konservativ zu werden. Deshalb reservierte er zehn Prozent seines Portfolios für riskantere Investments mit kürzerem Anlagehorizont.

Heute basiert sein diversifiziertes Portfolio vor allem auf Wachstumsaktien. Hinzu kommen Unternehmensanleihen und Crowdfunding.

Aktien wählt er auf Grundlage der Fundamentalanalyse aus und hält seine Investments zwischen drei und 15 Jahren.

„Wir versuchen, die Konzepte Value und Growth zu verbinden, also Investitionen in attraktiv bewertete Aktien mit solchen, die großes Gewinnwachstumspotenzial besitzen“, erklärt Lang.

Diese Fragen stellt sich Toomas bei der Auswahl:

  • Sind die Produkte und Dienstleistungen unersetzlich?
  • Besitzt das Unternehmen einen großen Wettbewerbsvorteil?
  • Befindet sich das Unternehmen in einer Wachstumsphase?
  • Steht das Unternehmen am Beginn eines neuen Wachstumszyklus?

Was Toomas heute im Portfolio hat

Zum 1. September 2026 war das Portfolio von Toomas 810.053,30 Euro wert.

Wertpapiere machen insgesamt 88,8 Prozent des Portfolios aus. Größte Position ist Microsoft mit 23,0 Prozent. Dahinter folgen Apple mit 12,7 Prozent, Nvidia mit 11,8 Prozent und die estnische LHV Group mit 10,3 Prozent.

Weitere größere Positionen sind Mikron Technologie mit 7,1 Prozent, Alphabet mit 7,2 Prozent und Berkshire Hathaway mit 6,7 Prozent. Hinzu kommen Swedbank mit 3,2 Prozent und Novo Nordisk mit 2,6 Prozent.

Kleinere Positionen sind Artea und IREN mit jeweils 1,0 Prozent, der EfTEN United Property Fund mit 0,9 Prozent, EfTEN Immobilienfonds III mit 0,8 Prozent sowie Ignitis mit 0,7 Prozent.

Vier Prozent des Gesamtportfolios liegen als freie liquide Mittel vor.

Weitere 5,4 Prozent entfallen auf das Portfolio des lettischen Kollegen Andris. Unternehmensanleihen machen 0,9 Prozent des Gesamtportfolios aus. Ebenfalls 0,9 Prozent entfallen auf Crowdfunding-Anlagen. Davon liegen 0,6 Prozent in Eigenkapital beziehungsweise „eigenem Geld“, jeweils 0,1 Prozent bei Mintos, Nachlassguru und Crowdestate.

Das Portfolio wuchs mit Microsoft

Das Zugpferd im Portfolio von Toomas ist der Softwarekönig Microsoft.

Bereits 2008 sah er sich das Unternehmen erstmals genauer an. Die Quartalszahlen waren damals sehr gut, das Unternehmen war nicht übermäßig von amerikanischen Verbrauchern abhängig und 60 Prozent der Umsätze kamen außerhalb Nordamerikas zustande.

Trotzdem zögerte er mit dem Kauf.

Das Unternehmen wirkte wie ein Riese, der kaum noch Wachstumsmöglichkeiten hatte. Gleichzeitig war die Aktie vergleichsweise teuer. Erst ein Jahr später fasste er Mut und zahlte knapp 20 Dollar je Aktie.

In den Krisenjahren war das Interesse an Wachstumsaktien gering, weshalb er in den folgenden Jahren mit Microsoft gut verdiente. Seinen letzten Kauf tätigte er zu 46 Dollar, aktuell notiert die Aktie bei rund 516 US-Dollar.

Das bestätigt erneut die These, dass Aktien dann gekauft werden sollten, wenn sich sonst kaum jemand für sie interessiert. Toomas sieht sein Microsoft-Investment als Beweis dafür, dass sich Durchhaltevermögen an der Börse auszahlt.

Der Aktienkurs schwankte lange, bis irgendwann ein kräftiger Anstieg begann. Hätte er sich zu stark auf kurzfristige Ausschläge konzentriert, hätte er die Aktien womöglich früh verkauft und den späteren Anstieg verpasst. Außerdem lernte er, dass Investitionen in wachsende und stabile Unternehmen sehr lukrativ sein können, auch wenn ein zunächst hoher Preis abschreckt.

Ein saurer Biss in den süßen Apfel

Den zweiten großen Platz in seinem Portfolio nimmt Apple ein.

„Natürlich, Microsoft und Apple gehören zu den besten Unternehmen“, könnte man heute denken. Als Toomas vor mehr als einem Jahrzehnt in diese beiden Unternehmen investierte, war die Situation allerdings keineswegs so eindeutig.

Microsoft kämpfte damals mit Konkurrenten, während Apple sein Produktsortiment massiv ausweitete. Erst mit der Zeit stärkten beide Unternehmen sein Portfolio deutlich.

Apple geriet bereits 2005 in den Blick des estnischen Investors. Das war zwei Jahre vor der Präsentation des ersten iPhones und elf Jahre bevor Warren Buffett investierte. Heute macht Apple fast 40 Prozent des Portfolios von Berkshire Hathaway aus.

2005 gab der noch recht unerfahrene Toomas eine limitierte Kauforder ins Börsensystem ein, die nur wenige Cent unter dem Tagestief lag. Er erwartete, dass der Kurs im Tagesverlauf schwanken und sich ein Verkäufer finden würde, der seine Order akzeptierte.

Wäre der Kauf zustande gekommen, wäre es vermutlich das beste Investment seines Lebens gewesen. Stattdessen gewann er eine wertvolle Lektion darüber, wie sinnlos es sein kann, wegen weniger Cent zu feilschen, die langfristig kaum eine Rolle spielen.

Seinen ersten Biss in den Apfel wagte er schließlich erst 2012. Trotzdem erzielte er damit eine attraktive Rendite.

Günstiger Wind an der Heimatbörse

Toomas bewies sein Können nicht nur beim Kaufen, sondern auch beim Verkaufen. Einer seiner größten Erfolge gelang ihm mit dem estnischen Modeunternehmen Baltika.

Im Juni 2005 bemerkte er bei genauer Beobachtung, dass einige Aktien an der Tallinner Börse ohne erkennbaren Grund stiegen. Er sprang auf den Zug auf und kaufte 700 Baltika-Aktien.

Bis 2007 folgte ein steiler Kursanstieg, der die Entwicklung des Unternehmens nicht widerspiegelte. Gemessen an den wirtschaftlichen Kennzahlen war der Marktwert des Unternehmens völlig unrealistisch, entsprechend hoch war das Risiko.

Einfach gesagt: Die Blase blähte sich auf und platzte.

Toomas verkaufte seine Aktien nahe dem Höchststand zu 25,50 Euro und erzielte eine Rendite von 585 Prozent.

Was schiefging

Am meisten schmerzen oft die Käufe, die nie stattgefunden haben. Toomas dachte nach, beobachtete und analysierte den Markt, kaufte aber häufig Aktien nicht, die später enorme Renditen gebracht hätten.

Das passierte bei Tesla. Sechs Jahre lang betrachtete er den Autohersteller als mögliche Investmentchance, bevor er die Aktie schließlich doch in sein Portfolio aufnahm.

Ähnlich war es bei Apple. Hätte Toomas 2005 nicht versucht, einige Cent beim Kaufpreis zu sparen, wäre er seinem heutigen Ziel wahrscheinlich deutlich näher.

Die Finanzkrise überstand Toomas vergleichsweise gut. 2008 sank der Wert seines Portfolios um 11,9 Prozent, während der S&P 500 um 38,5 Prozent verlor. Trotzdem lässt das Verwalterteam der Gedanke nicht los, dass es während der Krise noch besser hätte reagieren können.

Sie fragen sich, ob Toomas 2009 nicht entschlossener an den Markt hätte zurückkehren und neue Investments tätigen sollen. Einer seiner größeren Fehler passierte bei seinem ersten Einstieg in den amerikanischen Markt.

Er kaufte Aktien der Fitnessstudiokette Bally Total Fitness, die von seinen Lesern empfohlen worden waren. Trotz eigener Analysen handelte er zu emotional und übersah entscheidende Fakten.

Da die Warnsignale damals nicht ernst genommen wurden, endete das Investment tief im Minus. Beim Verkauf realisierte Toomas einen Verlust von 71 Prozent.

Es war der größte Verlust seiner mehr als 20-jährigen Börsenreise.

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Investor Felix

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Offenlegung: Anlageentscheidungen des Anlegers Felix, Ansichten und sonstigen Informationen in diesem Artikel stellen keine Anlageberatung dar.

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