Lexus ES setzt auf japanische Handwerkskunst und maximalen Komfort
Schon einmal den Begriff „Takumi“ gehört? Das japanische Wort bezeichnet einen Meister beziehungsweise einen herausragenden Handwerker. Lexus verwendet den Begriff für besonders erfahrene Mitarbeiter, die bei der Fertigung und abschließenden Qualitätskontrolle auf kleinste Details achten.
Ein Takumi muss mindestens 25 Jahre Erfahrung in der Automobilproduktion mitbringen. Neben technischem Wissen verlangt Lexus außergewöhnliche Präzision und die Fähigkeit, jüngere Kollegen auszubilden. Eine bekannte Anekdote betrifft den sogenannten Motor-Hörtest: Ein Takumi soll Unregelmäßigkeiten anhand von Geräuschen oder Vibrationen erkennen können, die automatisierte Kontrollsysteme nicht erfassen.
Beim neuen Lexus ES wird schnell deutlich, warum der Hersteller solche Spezialisten hervorhebt, berichten unsere Kollegen von Finance.si. Die inzwischen achte Generation der repräsentativen Limousine vermittelt sowohl bei Materialwahl und Verarbeitung als auch beim Fahrkomfort den Anspruch, im Premiumsegment ganz oben mitzuspielen.
Der Lexus ES richtet sich an Käufer, die vor allem Komfort, moderne Technik und eine umfangreiche Serienausstattung erwarten. Gleichzeitig macht die Marke keinen Hehl aus ihrem Anspruch, eine Alternative zur großen deutschen Premiumkonkurrenz zu bieten. Entscheidend ist deshalb die Frage, wie sich der Japaner gegenüber Audi A6, BMW 5er und Mercedes E-Klasse behauptet.
Mit jedem Kilometer spricht mehr dafür, den Lexus zumindest in die engere Auswahl einzubeziehen. Die Limousine misst beachtliche 5,14 Meter und ist je nach Version auch mit Allradantrieb erhältlich.
Besonders die Sitze überzeugen mit hohem Komfort. Dazu kommen weiches, hochwertig wirkendes Leder, eine stimmige Ambientebeleuchtung, ein aktiver Tempomat und ein Navigationssystem. Die Ausstattungsliste bietet zahlreiche weitere Extras. Hervorzuheben ist das Audiosystem von Mark Levinson mit bis zu 17 Lautsprechern.
Auch im Fond macht der Lexus ES seinem Anspruch als Reiselimousine alle Ehre. Zwei erwachsene Passagiere finden reichlich Platz für Kopf und Knie.
Noch luxuriöser wird es mit der optionalen Rücksitzkonfiguration. Lexus bietet dort einen weit verstellbaren Sitz, der beinahe an ein Bett erinnert und sich am Komfort der Business Class im Flugzeug orientiert. Je nach Ausstattung lässt sich der Sitz heizen und kühlen und verfügt zusätzlich über eine Massagefunktion.
Damit positioniert Lexus den ES ausdrücklich nicht nur als Fahrerauto. Gerade Käufer, die häufig chauffiert werden oder auf langen Strecken großen Wert auf Komfort legen, gehören zur Zielgruppe der Limousine.
Elektroantrieb überrascht beim Verbrauch und simuliert sogar Gangwechsel
Neben Komfort und Ausstattung soll vor allem die breite Auswahl der Antriebe Käufer überzeugen. Die erste Generation des Lexus ES erschien 1989. Insgesamt wurden bislang rund drei Millionen Exemplare verkauft. Die achte Generation ist sowohl als Hybrid als auch erstmals mit rein elektrischem Antrieb erhältlich. Für beide Antriebsarten gibt es jeweils zwei Leistungsvarianten.
Besonders interessant ist der stärkere vollelektrische Lexus ES 500e. Seine Systemleistung beträgt 343 PS beziehungsweise 252 Kilowatt. Damit beschleunigt die große Limousine in 5,5 Sekunden aus dem Stand auf 100 Kilometer pro Stunde. Die Batterie verfügt über eine Nettokapazität von 71 Kilowattstunden.
Lexus nennt für diese Version eine Reichweite von mindestens 465 Kilometern. Angesichts von Größe und Leistung des Fahrzeugs wirkt dieser Wert zunächst ambitioniert. Im Fahrbetrieb erwies er sich jedoch als durchaus realistisch.
Der Verbrauch lag im Test bei etwa 15 Kilowattstunden je 100 Kilometer. Selbst auf der Autobahn wurden 17 Kilowattstunden je 100 Kilometer nicht überschritten. Damit erscheint eine reale Reichweite von mehr als 400 Kilometern erreichbar.
Die maximale Gleichstrom-Ladeleistung beträgt 150 Kilowatt. Für das Schnellladen der Batterie nennt Lexus rund 30 Minuten von zehn auf 80 Prozent. Damit liegt der ES auf einem Niveau, das auch längere Reisen mit überschaubaren Ladepausen ermöglicht.
Bemerkenswert ist außerdem, dass der elektrische Lexus ES nicht zwangsläufig vollkommen lautlos gefahren werden muss. Wer möchte, kann eine Funktion aktivieren, die künstliche Fahrgeräusche erzeugt. Beim stärkeren ES 500e lassen sich sogar virtuelle Gangwechsel simulieren.
Das sogenannte Interactive Manual Drive erzeugt die Wirkung eines Achtganggetriebes. Über Schaltwippen kann der Fahrer virtuelle Fahrstufen wählen. Für ein Elektroauto ist das ungewöhnlich, soll aber ein stärkeres Gefühl der Beteiligung am Fahrgeschehen vermitteln und die akustische Monotonie einer nahezu geräuschlosen Fahrt aufbrechen.
Daneben gibt es mit dem ES 350e eine schwächere Elektroversion mit Frontantrieb. Sie leistet 224 PS beziehungsweise 165 Kilowatt.
Auch bei den Hybridvarianten stehen unterschiedliche Leistungsstufen zur Verfügung. Der stärkere ES 350h kommt mit Allradantrieb auf eine Systemleistung von 247 PS beziehungsweise 182 Kilowatt. Im Test lag der durchschnittliche Kraftstoffverbrauch bei überraschend niedrigen 4,7 Litern je 100 Kilometer. Selbst auf der Autobahn überschritt er fünf Liter je 100 Kilometer nicht. Der schwächere ES 300h wurde bei dieser Gelegenheit nicht gefahren.
Lexus ES fordert deutsche Premiumlimousinen heraus
Der neue Lexus ES legt auch großen Wert auf Sicherheit und Fahrerassistenz. Zahlreiche Radarsensoren und Kameras überwachen das Umfeld des Fahrzeugs. Besonders der aktive Tempomat fällt auf, weil er mit dem Navigationssystem zusammenarbeitet.
Dadurch kann das System unter anderem Kreuzungen, Kreisverkehre, Mautstationen und Kurven früher erkennen und seine Regelung entsprechend anpassen. Das macht die Fahrt ruhiger und flüssiger. Zusammengenommen ermöglichen die verfügbaren Assistenzsysteme bereits ein hohes Maß an automatisierter Unterstützung, die Verantwortung bleibt jedoch beim Fahrer.
Das Gesamtpaket aus Komfort, Sicherheit, Leistung und Effizienz hat seinen Preis. In Slowenien kostet der Hybrid in der Basis 63.400 Euro, die elektrische Variante beginnt bei 64.400 Euro.
Ein weiteres Kaufargument könnte die Garantie sein. Für die Antriebsbatterie wird unter den entsprechenden Garantiebedingungen eine Absicherung über bis zu eine Million gefahrene Kilometer beziehungsweise zehn Jahre angeboten. Für das Fahrzeug gelten bis zu 200.000 Kilometer beziehungsweise zehn Jahre. Genaue Verkaufszahlen für Slowenien liegen noch nicht vor. Europaweit sollen jährlich rund 8.500 Exemplare verkauft werden.
Für deutsche Käufer ist allerdings eine Besonderheit wichtig: Lexus sieht für die westeuropäischen Märkte beim Hybrid den ES 300h vor, während der 247 PS starke ES 350h für osteuropäische Märkte bestimmt ist. Beim Elektroantrieb umfasst die europäische Baureihe grundsätzlich den frontgetriebenen ES 350e mit 224 PS und den allradgetriebenen ES 500e mit 343 PS.
Auf dem deutschen Markt wird der Lexus ES derzeit ab 59.600 Euro ausgewiesen. Lexus Deutschland nennt für den vollelektrischen ES 350e je nach Ausstattung einen kombinierten WLTP-Stromverbrauch von 14,6 bis 16,2 Kilowattstunden je 100 Kilometer und eine Reichweite von 525 bis 581 Kilometern. Damit zeigt sich auch für deutsche Käufer, worauf Lexus mit der neuen ES-Generation zielt: Die japanische Limousine will sich nicht über Sportlichkeit um jeden Preis profilieren, sondern mit Komfort, Effizienz und eigenständiger Technik eine Alternative zu Audi A6, BMW 5er und Mercedes E-Klasse bieten.


