Wirtschaft

BYD Dolphin G DM-i im Test: Ist das der Kleinwagen der Zukunft?

100 Kilometer elektrisch, mehr als 1.000 Kilometer Gesamtreichweite und 212 PS: Der BYD Dolphin G DM-i bringt Werte in die Kleinwagenklasse, die dort bislang ungewöhnlich sind. Der chinesische Hersteller kombiniert große Batterie, Benzinmotor und überraschend viel Platz zu einem Konzept, das dem Renault Clio und anderen europäischen Bestsellern gefährlich werden könnte. Entscheidend dürfte jedoch sein, ob BYD auch beim Preis überzeugen kann.
17.10.2026 11:00
Lesezeit: 11 min
BYD Dolphin G DM-i im Test: Ist das der Kleinwagen der Zukunft?
BYD greift mit dem Dolphin G DM-i den Renault Clio an. (Bild: Matej Štakul)

BYD Dolphin G DM-i fordert den Renault Clio heraus

Der chinesische Konkurrent des äußerst erfolgreichen Renault Clio soll im Herbst auf die europäischen Straßen kommen. Der Preis des Plug-in-Hybrids steht noch nicht fest. Das berichten unsere Kollegen von Finance.si.

Es wirkt, als sei es gestern gewesen, dabei liegt die Geschichte bereits 36 Jahre zurück. Noch bevor die erste Generation des Renault Clio 1990 auf die Straße kam, liefen die Verantwortlichen sinnbildlich wie Professor Balthazar aus der kroatischen Kult-Zeichentrickserie auf und ab und überlegten, mit welchem Slogan sie das neue Modell auf seine Verkaufsreise schicken sollten. Schließlich kam die zündende Idee:

„Alles, was die Großen haben.“

Auch wenn dieser Satz heute vielleicht ungewöhnlich klingt, war die Botschaft damals eindeutig. Der Clio sollte zwar ein kleines Stadtauto sein, zugleich aber Komfort, Sicherheit und Ausstattung bieten, die zu jener Zeit vor allem größeren Fahrzeugen vorbehalten waren. In Slowenien entwickelte sich der Slogan zu einem der bekanntesten Werbesprüche überhaupt.

Doch nun springen wir ins Jahr 2026. Zum Vergleich: Der Clio ist über die Jahrzehnte immer länger geworden. Heute misst er 4,12 Meter, während es 1990 lediglich 3,71 Meter waren. Von einem ausgesprochen kleinen Auto kann also kaum noch die Rede sein. In Slowenien gehört der Clio dennoch weiterhin zu den drei meistverkauften Modellen. Die Konkurrenz in diesem Segment ist hart. Nun taucht ein neuer Name auf der Liste seiner Rivalen auf: der BYD Dolphin G DM-i.

Was sich hinter dem Zusatz DM-i im Namen des BYD Dolphin G verbirgt, lässt sich schnell erklären. Es handelt sich um einen Plug-in-Hybrid. In der Klasse kleiner Fahrzeuge ist diese Kombination noch immer ungewöhnlich. Der Wagen kann rein elektrisch gefahren werden oder wie ein klassischer Hybrid. Besonders auffällig ist dabei die theoretische Gesamtreichweite von mehr als 1.000 Kilometern.

Ob dieser Wert im Alltag tatsächlich erreicht wird, hängt vor allem davon ab, wie energisch der Fahrer das Gaspedal nutzt. Ebenso entscheidend ist, welche Batterie gewählt wird.

Die kleinere Batterie mit einer Kapazität von 7,4 Kilowattstunden mag durch ihren niedrigeren Preis verlockend erscheinen. Empfehlenswerter wirkt jedoch die größere Variante mit 18,3 Kilowattstunden. Sie ermöglicht unter realistischen Bedingungen eine elektrische Reichweite von rund 100 Kilometern.

Das ist deutlich mehr als die Strecke, die ein durchschnittlicher Slowene täglich mit dem Auto zurücklegt. Wer zu Hause laden kann, könnte seine alltäglichen Fahrten unter der Woche deshalb besonders günstig bewältigen. Rund 100 Kilometer rein elektrischer Fahrt kosten nach den im Test zugrunde gelegten Strompreisen etwa vier Euro.

Die größere Batterie bietet noch einen weiteren Vorteil. Die Ladeleistung mit Wechselstrom steigt von 3,3 auf 6,6 Kilowatt. An einer Schnellladestation sind bis zu 39 Kilowatt möglich. Damit lässt sich der Akku innerhalb von 26 Minuten von zehn auf 80 Prozent laden. An einer öffentlichen Wechselstrom-Ladesäule dauert eine vollständige Ladung knapp drei Stunden.

Ob der BYD Dolphin G DM-i elektrisch oder im Hybridmodus fährt, kann der Fahrer hinter dem Lenkrad selbst bestimmen. Positiv fiel im Test zudem der Kraftstoffverbrauch auf. Im Hybridbetrieb benötigte der Dolphin G lediglich etwas mehr als vier Liter Benzin.

Die größere Batterie geht außerdem mit einer höheren Systemleistung einher. Der 1,5-Liter-Benzinmotor arbeitet gemeinsam mit einem Elektromotor und erreicht in der stärkeren Variante beachtliche 212 PS beziehungsweise 156 Kilowatt. Die Basisversion kommt auf 176 PS beziehungsweise 129 Kilowatt.

Für ein Fahrzeug dieser Größe ist das viel Leistung. Schließlich misst der BYD Dolphin G DM-i gerade einmal 4,16 Meter in der Länge. Viele direkte Wettbewerber bieten in dieser Klasse deutlich weniger Leistung. Die Höchstgeschwindigkeit liegt bei respektablen 180 Kilometern pro Stunde. Für den Sprint von null auf 100 Kilometer pro Stunde benötigt der stärkere Dolphin G nur 8,3 Sekunden.

Plug-in-Hybrid mit überraschend viel Platz

Auch das Raumangebot auf der Rückbank überrascht. Erwachsene Passagiere finden sowohl für die Knie als auch über dem Kopf ausreichend Platz. Besonders bemerkenswert ist jedoch der Kofferraum, der für ein Fahrzeug dieser Klasse ausgesprochen großzügig dimensioniert ist.

Im Normalzustand bietet der Gepäckraum 425 Liter Volumen. Werden die Rücksitze umgeklappt, steigt das Fassungsvermögen auf 1.225 Liter. Das ist nicht nur viel, sondern auch im Alltag gut nutzbar. Selbst mit vier Personen an Bord bleibt ausreichend Platz für Gepäck.

Beim Antrieb nimmt der Plug-in-Hybrid BYD Dolphin G DM-i in seiner Fahrzeugklasse eine Sonderstellung ein. Die Entwickler orientierten sich offenbar an der Frage, wie ein kompakter Pkw in einigen Jahren aussehen könnte. Dieser Ansatz dürfte umso interessanter werden, je größer die Batteriekapazitäten werden und je weiter damit die elektrische Reichweite steigt.

Für ein Stadtauto zählt allerdings nicht nur die Reichweite. Mindestens ebenso wichtig ist die Wendigkeit. Genau hier spielt der Dolphin G DM-i seine Stärken aus. Parklücken bereiten ihm kaum Schwierigkeiten. Auch in Parkhäusern oder beim Rangieren durch enge Straßen lässt sich das Fahrzeug problemlos bewegen.

Damit die Karosserie bei solchen Manövern möglichst unversehrt bleibt, verfügt der Wagen über Parksensoren an Front und Heck sowie eine 360-Grad-Kamera.

„Das ist kein Auto, das ist ein BYD!“, erklärte Stella Li, Executive Vice President des chinesischen Herstellers, bei der Präsentation des Modells selbstbewusst. Dass der Viertürer aus dem Hause BYD stammt, lässt sich allerdings ohnehin kaum übersehen. Auf einer Leiste am Heck prangt gut sichtbar der Schriftzug BYD. Auch die Motorhaube trägt das Logo des Herstellers.

Der bereits betagte Renault-Slogan vom Beginn des Artikels scheint auch beim BYD Dolphin G DM-i erstaunlich gut zu passen. Besonders in den höheren Ausstattungslinien bietet der Wagen vieles, was Käufer sonst eher aus größeren Fahrzeugklassen kennen.

Dazu zählt ein Infotainmentsystem mit einem 26 Zentimeter beziehungsweise 10,1 Zoll großen Farb-Touchscreen. Hinzu kommen eine Klimaautomatik, ein sechsfach verstellbarer Fahrersitz, Sitzheizung sowie eine kabellose Lademöglichkeit für Smartphones.

Letztere arbeitet erstaunlich schnell. Im Test stieg der Akkustand eines Smartphones innerhalb von etwas mehr als einer halben Stunde von 20 auf 80 Prozent.

Für zusätzliche Atmosphäre im zweifarbigen Innenraum sorgt eine mehrfarbige Ambientebeleuchtung. Für diese Fahrzeugklasse ebenfalls bemerkenswert ist der adaptive Tempomat. Er beschleunigt und bremst selbstständig und hält einen festgelegten Sicherheitsabstand zum vorausfahrenden Fahrzeug. Dadurch soll er längere Fahrten komfortabler und vor allem sicherer machen.

BYD Dolphin G DM-i startet später in Europa

Obwohl bereits Testfahrten auf Berliner Straßen stattgefunden haben, ist der BYD Dolphin G DM-i noch nicht überall auf europäischen Straßen erhältlich. In Slowenien soll das Modell erst im Herbst auf den Markt kommen. Ein konkreter Preis für den dortigen Markt wurde deshalb bislang nicht genannt.

Einen Anhaltspunkt liefert Deutschland. Hier liegt der Einstiegspreis laut den im Rahmen der Fahrzeugvorstellung genannten Angaben bei 28.990 Euro. Mit der größeren Batterie und dem leistungsstärkeren Antrieb werden 31.990 Euro aufgerufen.

Damit zeigt sich zugleich, welche Rolle der deutsche Markt für den BYD Dolphin G DM-i spielen könnte. Gerade bei Plug-in-Hybriden entscheidet der Preis darüber, ob die Kombination aus größerer elektrischer Reichweite und Verbrennungsmotor für Käufer attraktiv genug ist. Der Dolphin G tritt in Deutschland in einem hart umkämpften Segment gegen etablierte europäische Klein- und Kompaktwagen an. Seine ungewöhnlich große Batterie und eine elektrische Reichweite von rund 100 Kilometern könnten dabei ein wichtiges Unterscheidungsmerkmal werden.

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