Finanzen

BMW-Aktie: Münchener Autobauer setzt auf KI – jede fünfte Führungsposition soll wegfallen

Der deutsche Automobilkonzern BMW plant, mithilfe künstlicher Intelligenz (KI) bis Mitte kommenden Jahres jede fünfte Führungsposition zu streichen. BMW-Stellenabbau ist Teil eines abgestimmten Programms zum freiwilligen Ausscheiden von Mitarbeitern gegen Abfindung. Was das für Anleger und die BMW-Aktie bedeutet.
05.10.2026 12:20
Lesezeit: 7 min
BMW-Aktie: Münchener Autobauer setzt auf KI – jede fünfte Führungsposition soll wegfallen
BMW-Aktie im Fokus: Der i3 glänzt mit kantigem Design, innovativer Elektronik und einem neuen Bediensystem. (Bild: dpa)

BMW setzt auf KI: Jede fünfte Führungsposition soll wegfallen

Der BMW-Stellenabbau soll die Kosten senken und die Profitabilität steigern, berichtet Bloomberg. „Bis Mitte kommenden Jahres wird die BMW Group die Zahl ihrer Abteilungen und der damit verbundenen Führungspositionen um 20 Prozent reduzieren. Ein Abbau in vergleichbarer Größenordnung ist auch auf den darunterliegenden Ebenen vorgesehen“, heißt es in einer Mitteilung des Konzerns an die Medien, über die auch das litauische DWN-Partnerportal Verslo Zinios berichtet.

BMW-Vorstandschef Milan Nedeljković erklärte gegenüber Journalisten, dass die meisten betroffenen Stellen in der Münchner Konzernzentrale angesiedelt seien. Die Veränderungen würden auch die darunterliegenden Organisationsebenen erfassen. Durch den „effizienten Einsatz künstlicher Intelligenz“ solle die Organisation flexibler werden.

Rund 100 Führungspositionen bei BMW vor dem Aus

Im Unternehmen sind rund 65 Senior Vice Presidents tätig, die direkt an den Vorstand berichten. Auf der nächsttieferen Hierarchieebene gibt es etwa 400 weitere hochrangige Führungskräfte, sagte eine mit der Unternehmensstruktur vertraute Person gegenüber Bloomberg. Demnach dürften rund 100 Stellen im oberen Management wegfallen.

„Der konsequente Einsatz von KI-Agenten in allen Unternehmensbereichen wird unsere Möglichkeiten grundlegend verändern, Produkte flexibler und effizienter zu entwickeln, Strukturen zu vereinfachen und Entscheidungen schneller zu treffen“, sagte BMW-Finanzvorstand Walter Mertl.

BMW-Stellenabbau setzt auf freiwilliges Ausscheiden

Bereits im Juli dieses Jahres hatte BMW Pläne zum Abbau von 8.000 Stellen angekündigt. Bis Ende 2027 soll die Belegschaft durch natürliche Fluktuation und ein freiwilliges Abfindungsprogramm verkleinert werden.

Das Abfindungsprogramm in Deutschland soll den Quellen zufolge allen Mitarbeitern offenstehen, die nicht unmittelbar in der Produktion tätig sind. Insgesamt beschäftigt der Konzern knapp 154.000 Menschen, davon rund 84.000 in Deutschland.

BMW-Aktie verliert seit Jahresbeginn mehr als 40 Prozent

Die BMW-Aktie hat seit Jahresbeginn mehr als 40 Prozent an Wert verloren. Im ersten Halbjahr sank der Umsatz um acht Prozent, während der Gewinn vor Steuern um 29 Prozent zurückging, berichtet die Financial Times. Zum Start in die neue Handelswoche an der Frankfurter Börse legte die BMW-Aktie in einer ersten Reaktion auf den Stellenabbau leicht zu. Im XETRA-Handel kletterte das Papier des Autobauers am Montag um die Mittagszeit mehr als 0,5 Prozent auf 54,60 Euro.

Die aktuellsten Analysteneinschätzungen stammen vom 1. Oktober und zeigen unterschiedliche Erwartungen an die BMW-Aktie. JPMorgan und Deutsche Bank Research bleiben positiv, während UBS neutral urteilt. Gemeinsam richten die Experten den Blick auf den Kapitalmarkttag, die strategische Neuausrichtung und die Herausforderungen des schwierigen Branchenumfelds für den Münchner Automobilhersteller.

JPMorgan bestätigte die Einstufung „Overweight“ und das Kursziel von 82 Euro. Jose Asumendi betonte, dass BMW in den kommenden Jahren Agilität und Durchsetzungsfähigkeit brauche, um seine Finanzziele zu erreichen. Der Konzern bearbeite die richtigen strategischen Themen für eine bessere Geschäftsentwicklung. Die Ziele für 2028 verdienten Beifall. Andere Hersteller könnten angesichts des schwierigen Branchenumfelds ebenfalls stärker auf kurzfristigere Ziele setzen. Deutsche Bank Research senkte das Kursziel für die BMW-Aktie von 78 auf 71 Euro, hielt aber an „Buy“ fest. Tim Rokossa zeigte sich nach dem Kapitalmarkttag zuversichtlicher hinsichtlich der Selbsthilfemaßnahmen. Zugleich habe seine Hoffnung auf eine Erholung der Branche abgenommen. UBS beließ die Einstufung bei „Neutral“ und das Kursziel bei 70 Euro. Patrick Hummel beschrieb BMW zwischen Problemlösung und Transformation. In seinem am Mittwoch verfassten Resümee bezeichnete er die Betonung der Chancen künstlicher Intelligenz durch Konzernchef Milan Nedeljkovic als größte Überraschung. Diese Chancen reichten auch über die Fahrzeuge hinaus.

Für die BMW-Aktie ergibt sich damit ein abgestuftes Meinungsbild: JPMorgan würdigt Strategie und Finanzziele, Deutsche Bank Research verbindet Zuversicht bei internen Maßnahmen mit geringerer Hoffnung auf Branchenerholung. UBS betont das Spannungsfeld zwischen Problemlösung und Transformation. Die Kursziele reichen dabei von 70 bis insgesamt 82 Euro.

BMW verschont Fahrzeugmontage vom Stellenabbau

Nach Angaben von Nedeljković wird die operative Gewinnmarge des Konzerns in den kommenden zwei Jahren lediglich auf drei bis fünf Prozent steigen. Ein solches Niveau ist üblicherweise eher bei Herstellern für den Massenmarkt als bei Premiumherstellern anzutreffen.

Anders als der größere Wettbewerber Volkswagen, der in den kommenden Jahren bis zu 100.000 Stellen in Deutschland abbauen will, reduziert BMW die Zahl der Beschäftigten an seinen deutschen Fahrzeugmontagelinien nicht. Der Konzern hat zwei Milliarden Euro in seine Produktionsinfrastruktur in Deutschland investiert. Dazu zählen die Werke in München und Dingolfing sowie ein neues Batteriewerk in Bayern.

BMW produzierte im vergangenen Jahr 2,5 Millionen Fahrzeuge und erzielte einen Umsatz von 133,5 Milliarden Euro.

Mehr zum Thema
Bleiben Sie über das Thema dieses Artikels auf dem Laufenden Klicken Sie auf [+], um eine E-Mail zu erhalten, sobald wir einen neuen Artikel mit diesem Tag veröffentlichen
Anzeige
DWN
Finanzen
Finanzen Damit Sie sich auf Ihr Unternehmen konzentrieren können

Ein Unternehmen zu führen, bedeutet, täglich Verantwortung zu übernehmen und Entscheidungen zu treffen. Gleichzeitig soll möglichst...

 

Jede Anlage am Kapitalmarkt ist mit Chancen und Risiken behaftet. Der Wert der genannten Aktien, ETFs oder Investmentfonds unterliegt auf dem Markt Schwankungen. Der Kurs der Anlagen kann steigen oder fallen. Im äußersten Fall kann es zu einem vollständigen Verlust des angelegten Betrages kommen. Mehr Informationen finden Sie in den jeweiligen Unterlagen und insbesondere in den Prospekten der Kapitalverwaltungsgesellschaften.

avtor1
Arnas Barisauskas

***

Arnas Barisauskas ist Journalist bei Verslo žinios, dem litauischen Schwesterunternehmen der Deutschen Wirtschafts Nachrichten im Bonnier-Konzern. Er schreibt für die DWN einen Gastbeitrag mit litauischer Perspektive auf Wirtschaft, Unternehmen und aktuelle Marktentwicklungen.

DWN
Technologie
Technologie Adobe-Alternative kostenlos: Ein verärgerter Kunde fordert den Milliardenkonzern heraus
25.10.2026

Ein Kunde will sein Adobe-Abo kündigen und soll dafür auch noch bezahlen. Seine Rache könnte den Software-Riesen teuer zu stehen kommen....

DWN
Unternehmen
Unternehmen KI im Unternehmen: Warum ChatGPT allein noch keine Prozesse automatisiert
25.10.2026

ChatGPT schreibt Texte, fasst Informationen zusammen und spart Mitarbeitern Zeit. Doch wer KI wirklich zur Prozessautomatisierung nutzen...

DWN
Unternehmen
Unternehmen Robin Zeng: Der Chinese, von dem Deutschlands Autobauer abhängen
25.10.2026

Er baut keine Autos, doch ohne ihn hätten BMW, Volkswagen und Mercedes-Benz ein gewaltiges Problem. Der chinesische Milliardär Robin Zeng...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Pflege statt Arbeit: Immer mehr pflegende Erwerbstätige gehen Arbeitsmarkt verloren
25.10.2026

Die wachsende Zahl pflegender Angehöriger könnte den Arbeitsmarkt in den kommenden Jahren laut einer Prognose spürbar belasten: Bis 2045...

DWN
Unternehmen
Unternehmen Umsatzwarnungen: Lindt & Sprüngli entlässt Konzernchef Lechner
25.10.2026

Der Schokohasen-Hersteller leidet unter teuren Kakaopreisen und dem heißen Sommer. Nun soll ein alter Bekannter vorm Weihnachtsgeschäft...

DWN
Politik
Politik Frankreich führt Aufschläge für Medikamente ein. Was bedeutet das für die Preise in Deutschland und für Generika?
25.10.2026

In Frankreich wurde eine neue Vereinbarung mit der Pharmaindustrie über Arzneimittelpreise erzielt, die dazu führen könnte, dass einige...

DWN
Unternehmen
Unternehmen US-Rüstungsfirma Covenant: Protest gegen Marschflugkörper-Produktion ab 2027 in Leipzig
24.10.2026

Die US-Rüstungsfirma Covenant will in Leipzig Marschflugkörper herstellen. Der Standort soll weltweit die größte Basis für Europas...

DWN
Politik
Politik China macht seine Grenzen dicht: Ein neuer Eiserner Vorhang
24.10.2026

China macht seine Grenzen dicht, und längst trifft es nicht mehr nur politisch unbequeme Bürger. Lehrer, Ärzte und KI-Ingenieure dürfen...