BMW setzt auf KI: Jede fünfte Führungsposition soll wegfallen
Der BMW-Stellenabbau soll die Kosten senken und die Profitabilität steigern, berichtet Bloomberg. „Bis Mitte kommenden Jahres wird die BMW Group die Zahl ihrer Abteilungen und der damit verbundenen Führungspositionen um 20 Prozent reduzieren. Ein Abbau in vergleichbarer Größenordnung ist auch auf den darunterliegenden Ebenen vorgesehen“, heißt es in einer Mitteilung des Konzerns an die Medien, über die auch das litauische DWN-Partnerportal Verslo Zinios berichtet.
BMW-Vorstandschef Milan Nedeljković erklärte gegenüber Journalisten, dass die meisten betroffenen Stellen in der Münchner Konzernzentrale angesiedelt seien. Die Veränderungen würden auch die darunterliegenden Organisationsebenen erfassen. Durch den „effizienten Einsatz künstlicher Intelligenz“ solle die Organisation flexibler werden.
Rund 100 Führungspositionen bei BMW vor dem Aus
Im Unternehmen sind rund 65 Senior Vice Presidents tätig, die direkt an den Vorstand berichten. Auf der nächsttieferen Hierarchieebene gibt es etwa 400 weitere hochrangige Führungskräfte, sagte eine mit der Unternehmensstruktur vertraute Person gegenüber Bloomberg. Demnach dürften rund 100 Stellen im oberen Management wegfallen.
„Der konsequente Einsatz von KI-Agenten in allen Unternehmensbereichen wird unsere Möglichkeiten grundlegend verändern, Produkte flexibler und effizienter zu entwickeln, Strukturen zu vereinfachen und Entscheidungen schneller zu treffen“, sagte BMW-Finanzvorstand Walter Mertl.
BMW-Stellenabbau setzt auf freiwilliges Ausscheiden
Bereits im Juli dieses Jahres hatte BMW Pläne zum Abbau von 8.000 Stellen angekündigt. Bis Ende 2027 soll die Belegschaft durch natürliche Fluktuation und ein freiwilliges Abfindungsprogramm verkleinert werden.
Das Abfindungsprogramm in Deutschland soll den Quellen zufolge allen Mitarbeitern offenstehen, die nicht unmittelbar in der Produktion tätig sind. Insgesamt beschäftigt der Konzern knapp 154.000 Menschen, davon rund 84.000 in Deutschland.
BMW-Aktie verliert seit Jahresbeginn mehr als 40 Prozent
Die BMW-Aktie hat seit Jahresbeginn mehr als 40 Prozent an Wert verloren. Im ersten Halbjahr sank der Umsatz um acht Prozent, während der Gewinn vor Steuern um 29 Prozent zurückging, berichtet die Financial Times. Zum Start in die neue Handelswoche an der Frankfurter Börse legte die BMW-Aktie in einer ersten Reaktion auf den Stellenabbau leicht zu. Im XETRA-Handel kletterte das Papier des Autobauers am Montag um die Mittagszeit mehr als 0,5 Prozent auf 54,60 Euro.
Die aktuellsten Analysteneinschätzungen stammen vom 1. Oktober und zeigen unterschiedliche Erwartungen an die BMW-Aktie. JPMorgan und Deutsche Bank Research bleiben positiv, während UBS neutral urteilt. Gemeinsam richten die Experten den Blick auf den Kapitalmarkttag, die strategische Neuausrichtung und die Herausforderungen des schwierigen Branchenumfelds für den Münchner Automobilhersteller.
JPMorgan bestätigte die Einstufung „Overweight“ und das Kursziel von 82 Euro. Jose Asumendi betonte, dass BMW in den kommenden Jahren Agilität und Durchsetzungsfähigkeit brauche, um seine Finanzziele zu erreichen. Der Konzern bearbeite die richtigen strategischen Themen für eine bessere Geschäftsentwicklung. Die Ziele für 2028 verdienten Beifall. Andere Hersteller könnten angesichts des schwierigen Branchenumfelds ebenfalls stärker auf kurzfristigere Ziele setzen. Deutsche Bank Research senkte das Kursziel für die BMW-Aktie von 78 auf 71 Euro, hielt aber an „Buy“ fest. Tim Rokossa zeigte sich nach dem Kapitalmarkttag zuversichtlicher hinsichtlich der Selbsthilfemaßnahmen. Zugleich habe seine Hoffnung auf eine Erholung der Branche abgenommen. UBS beließ die Einstufung bei „Neutral“ und das Kursziel bei 70 Euro. Patrick Hummel beschrieb BMW zwischen Problemlösung und Transformation. In seinem am Mittwoch verfassten Resümee bezeichnete er die Betonung der Chancen künstlicher Intelligenz durch Konzernchef Milan Nedeljkovic als größte Überraschung. Diese Chancen reichten auch über die Fahrzeuge hinaus.
Für die BMW-Aktie ergibt sich damit ein abgestuftes Meinungsbild: JPMorgan würdigt Strategie und Finanzziele, Deutsche Bank Research verbindet Zuversicht bei internen Maßnahmen mit geringerer Hoffnung auf Branchenerholung. UBS betont das Spannungsfeld zwischen Problemlösung und Transformation. Die Kursziele reichen dabei von 70 bis insgesamt 82 Euro.
BMW verschont Fahrzeugmontage vom Stellenabbau
Nach Angaben von Nedeljković wird die operative Gewinnmarge des Konzerns in den kommenden zwei Jahren lediglich auf drei bis fünf Prozent steigen. Ein solches Niveau ist üblicherweise eher bei Herstellern für den Massenmarkt als bei Premiumherstellern anzutreffen.
Anders als der größere Wettbewerber Volkswagen, der in den kommenden Jahren bis zu 100.000 Stellen in Deutschland abbauen will, reduziert BMW die Zahl der Beschäftigten an seinen deutschen Fahrzeugmontagelinien nicht. Der Konzern hat zwei Milliarden Euro in seine Produktionsinfrastruktur in Deutschland investiert. Dazu zählen die Werke in München und Dingolfing sowie ein neues Batteriewerk in Bayern.
BMW produzierte im vergangenen Jahr 2,5 Millionen Fahrzeuge und erzielte einen Umsatz von 133,5 Milliarden Euro.




