Finanzen

VW kündigt Tarifvertrag: Was jetzt auf 100.000 Beschäftigte zukommt – und auf die VW-Aktie

Volkswagen verschärft seinen Sparkurs und kündigt einen Großteil seiner Haustarifverträge. Nach Angaben der IG Metall sind zehn Vereinbarungen betroffen, darunter der Manteltarifvertrag. Für die Beschäftigten könnten sich ab 2027 Arbeitsbedingungen, Zulagen und weitere tarifliche Leistungen ändern. Die Beschäftigungssicherung bis Ende 2030 bleibt nach Angaben der Arbeitnehmerseite bestehen.
05.10.2026 00:06
Lesezeit: 5 min
VW kündigt Tarifvertrag: Was jetzt auf 100.000 Beschäftigte zukommt – und auf die VW-Aktie
VW kündigt Tarifvertrag: Die VW-Aktie profitiert noch nicht davon. (Symbolbild: ChatGPT)

VW kündigt fast alle Tarifverträge: Volkswagen eröffnet neue Tarifrunde unter verschärftem Kostendruck

Volkswagen zieht im Streit um weitere Einsparungen die nächste Konsequenz: Der Autobauer hat mehrere Haustarifverträge fristgerecht zum 31. Dezember 2026 gekündigt. Nach Angaben der IG Metall handelt es sich um zehn Vereinbarungen, berichtet unter anderem Marketscreener. Betroffen ist unter anderem der Manteltarifvertrag, der zentrale Regelungen zu Arbeitsbedingungen, Arbeitszeit und Zulagen umfasst.

Der Konzern begründet den Schritt mit dem deutlich gestiegenen Kosten- und Wettbewerbsdruck. Volkswagen-Personalvorstand Arne Meiswinkel verweist auf tiefgreifende strukturelle Veränderungen in der Autoindustrie und auf den zunehmenden Preisdruck durch chinesische Hersteller in Europa. Aus Sicht des Unternehmens reichen die bisherigen Einsparungen nicht mehr aus; bestehende tarifliche Regelungen sollen deshalb neu verhandelt werden.

Für die mehr als 100.000 Beschäftigten im VW-Haustarif bedeutet die Kündigung zunächst nicht, dass Leistungen sofort entfallen. Nach Angaben von IG Metall und Betriebsrat können erste konkrete Auswirkungen frühestens ab Januar 2027 eintreten. Bis dahin steht eine weitere harte Verhandlungsrunde bevor.

Diese tariflichen Leistungen stehen im Fokus

Welche Regelungen Volkswagen im Einzelnen verändern will, hat das Unternehmen bislang nicht vollständig offengelegt. Die Arbeitnehmerseite nennt jedoch mehrere Bereiche, die von den Kündigungen betroffen sein könnten.

Dazu zählt die tarifliche Zusatzvergütung. Sie kann Beschäftigten je nach Ausgestaltung zusätzliche freie Tage oder eine Sonderzahlung bringen. Nach Angaben der IG Metall könnten außerdem tarifliche Zulagen, Tarif-Plus-Regelungen, Bestimmungen des Manteltarifvertrags und Ausbildungsbedingungen betroffen sein.

Damit geht es nicht nur um klassische Lohnerhöhungen. Arbeitszeit, Zuschläge, Sonderzahlungen und weitere Bestandteile der Beschäftigungsbedingungen dürften in den kommenden Verhandlungen eine wichtige Rolle spielen.

Parallel fordert die IG Metall für die VW-Tarifrunde fünf Prozent mehr Entgelt bei einer Laufzeit von zwölf Monaten. Volkswagen weist diese Forderung zurück und argumentiert, der Konzern müsse seine Kosten weiter senken und auf ein wettbewerbsfähiges Niveau bringen.

Beschäftigungssicherung bis 2030 bleibt bestehen

Ein zentraler Punkt ist die Abgrenzung zum Zukunftstarifvertrag aus dem Jahr 2024. Nach Angaben der IG Metall bleibt die darin vereinbarte Beschäftigungssicherung bis Ende 2030 unangetastet. Die aktuellen Kündigungen sollen diese Vereinbarung nicht erfassen. IG Metall Wolfsburg

Der damalige Tarifkompromiss war nach langen Verhandlungen und Warnstreiks zustande gekommen. Volkswagen und Arbeitnehmerseite hatten sich unter anderem auf einen erheblichen Stellenabbau verständigt. Bei der Kernmarke sollen bis 2030 rund 35.000 Stellen in Deutschland wegfallen. Gleichzeitig wurden Entgeltsteigerungen ausgesetzt sowie Boni und Zulagen gekürzt.

Der Konzern hat seinen Umbau seither weiter vorangetrieben. Anfang September billigte der Aufsichtsrat einen umfassenden Zukunftsplan, mit dem Volkswagen seine Wettbewerbsfähigkeit und Kostenstruktur verbessern will.

Konflikt mit IG Metall dürfte sich zuspitzen

Die Arbeitnehmervertreter reagieren scharf auf die Kündigung der Tarifverträge. IG Metall und Betriebsrat kündigten Widerstand an und rechnen mit einer harten Auseinandersetzung zum Jahreswechsel.

Damit steigt das Risiko von Arbeitskämpfen ab Anfang 2027. Für Volkswagen ist der Konflikt besonders heikel: Einerseits will der Konzern Personalkosten reduzieren und die Produktivität erhöhen. Andererseits muss ein großer Teil der tiefgreifenden Veränderungen mit einer einflussreichen Arbeitnehmerseite ausgehandelt werden.

VW steht vor einem schwierigen Balanceakt

Die Kündigung der Tarifverträge zeigt, dass Volkswagen den bisherigen Sparkurs nicht für ausreichend hält. Der Konzern will zusätzlichen Spielraum bei Kosten und Arbeitsbedingungen gewinnen. Für die Beschäftigten geht es gleichzeitig um zentrale Bestandteile ihrer bisherigen tariflichen Absicherung.

Ob daraus tatsächlich dauerhafte Leistungskürzungen entstehen, entscheidet sich erst in den kommenden Verhandlungen. Fest steht bereits: Mit der Kündigung von zehn Tarifverträgen hat Volkswagen die Ausgangslage für die Tarifrunde 2026/2027 erheblich verschärft.

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Markus Gentner

Markus Gentner ist seit 1. Januar 2024 Chefredakteur bei den Deutschen Wirtschaftsnachrichten. Zuvor war er zwölf Jahre lang für Deutschlands größtes Börsenportal finanzen.net tätig, unter anderem als Redaktionsleiter des Ratgeber-Bereichs sowie als Online-Redakteur in der News-Redaktion. Er arbeitete außerdem für das Deutsche Anlegerfernsehen (DAF), für die Tageszeitung Rheinpfalz und für die Burda-Tochter Stegenwaller, bei der er auch volontierte. Markus Gentner ist studierter Journalist und besitzt einen Master-Abschluss in Germanistik.

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