Liebe Leserinnen und Leser,
wie legen wir unser Kapital an, das wir mit jahrelanger Arbeit, viel Verantwortung und einer Menge Verzicht mühsam aufgebaut haben? Es geht um mehr als Zahlen auf dem Kontoauszug, die Frage nach der richtigen Geldanlage berührt uns alle ganz unmittelbar.
Um die richtige Entscheidung beim Vermögensaufbau oder für die Altersvorsorge treffen zu können, brauchen Sparer und Anleger einen klaren Blick auf ihre Ziele, auf verfügbare Möglichkeiten und auf deren Risiken. Gerade in Zeiten wie diesen ist ein stabiles Fundament so wichtig, das zeigt die aktuelle Entwicklung an den Finanzmärkten: Wegen der hohen Inflation erhöhte die Europäische Zentralbank EZB im September die Leitzinsen für den Euroraum um 0,25 Prozent. Damit liegt der wichtige Einlagenzins nun bei 2,5 Prozent. Höhere Zinsen können eine hohe Inflation eindämmen, können aber zugleich Investitionen und Wachstum erschweren.
Anleihemärkte unter Druck: Höhere Kreditkosten belasten Staaten und Wirtschaft
An den Anleihemärkten verschärft sich diese Spannung. Für neue Käufer entstehen durch die sinkenden Anleihekurse zwar neue Möglichkeiten, Besitzer bestehender Papiere müssen jedoch Kursverluste hinnehmen. Zuletzt standen vor allem Staatsanleihen von Frankreich und Italien unter Druck, die Einschätzungen zur Kreditwürdigkeit der beiden Staaten stehen im Fokus.
Das Problem daran ist: Wenn hoch verschuldete Staaten für neue Kredite mehr bezahlen müssen, wächst der Druck auf Haushalte, Reformen und politische Mehrheiten. Damit betrifft die Entwicklung mehr als staatliche Kassen. Banken halten Anleihen, Unternehmen benötigen Kredite, Immobilienkäufer verlässliche Finanzierungen – die US-Bauzinsen sind gerade erst auf den höchsten Stand seit drei Jahren gestiegen. Steigende Kosten im Bausektor können Investitionen bremsen und die Wirtschaft schwächen, möglicherweise müssen zahlreiche Marktteilnehmer gleichzeitig verkaufen oder zumindest Investitionen stoppen.
Warnsignale an den Märkten: Was Privatanleger jetzt beachten sollten
Eine neue Finanzkrise ist deshalb keineswegs unausweichlich, die Warnsignale sind bereits da. Auch die Aktienmärkte können sich dieser Lage nicht entziehen. Auf Rekorde folgten zuletzt leichte Rückschläge und europäische Börsen gerieten zeitweise unter Druck. Die Volatilität nimmt zu, weil höhere Anleiherenditen Anlegern Alternativen zur Aktie bieten.
Für Privatanleger folgt daraus kein pauschaler Rückzug von der Börse. Wohl aber die Pflicht, Anlageversprechen genauer zu prüfen. Wer Verluste begrenzen möchte, sollte wissen, welchen Teil möglicher Gewinne er dafür aufgibt und für welche Schutzmechanismen er sich entscheidet.
Die richtige Geldanlage beginnt mit Verstehen
Wie also können Sie in Zeiten steigender Zinsen, hoher Anleiherenditen und volatiler Aktienmärkte Ihr Kapital erfolgreich investieren? Sollten Sie vielleicht Gold kaufen, in Bitcoin investieren oder auf Investmentfonds setzen? Bei steigenden Zinsen kann es auch sinnvoll sein, das Geld auf einem Tagesgeldkonto anzulegen. Dieses DWN-Magazin möchte auf der Suche nach der richtigen Geldanlage Ihnen zur Seite stehen, etwas Orientierung geben und Chancen aufzeigen.
Verstehen Sie, bevor Sie investieren. Prüfen Sie, bevor Sie vertrauen. Und richten Sie Ihr Depot an Ihrem Leben aus. Besonnenheit bedeutet auch, Möglichkeiten wahrzunehmen, deren Risiken Sie tragen können. Ihr Geld soll Ihnen Rückhalt geben: heute, in schwierigen Phasen und in den Jahren, für die Sie vorsorgen.
Ich wünsche Ihnen viel Erfolg bei Ihren Investments, bewahren Sie einen kühlen Kopf!
Ihr Markus Gentner
(DWN-Chefredakteur)

