Finanzen

EZB-Zinsentscheid: EZB erhöht Zinsen auf 2,5 Prozent

EZB-Zinsentscheid: Die EZB erhöht den Einlagenzins auf 2,5 Prozent – und rechnet trotzdem noch Jahre mit erhöhter Inflation. Während der Energiepreisschock die Teuerung antreibt, zeigt sich die Wirtschaft robuster als erwartet.
10.09.2026 14:55
Aktualisiert: 10.09.2026 14:55
Lesezeit: 10 min
EZB-Zinsentscheid: EZB erhöht Zinsen auf 2,5 Prozent
EZB-Zinsentscheid: Die EZB erhöht die Zinsen wegen des anhaltenden Preisdrucks. Zugleich hebt sie ihre Wachstumsprognosen für den Euroraum an. (Bild: dpa)

EZB-Zinsentscheid: EZB erwartet länger erhöhte Inflation

Die Europäische Zentralbank (EZB) stemmt sich mit einer weiteren Zinserhöhung gegen die infolge des Iran-Kriegs gestiegene Inflation. Beim heutigen EZB-Zinsentscheid steigt der für Banken und Sparer wichtige Einlagenzins von 2,25 auf 2,5 Prozent, wie die EZB nach einer auswärtigen Sitzung in Berlin mitteilte.

Der Energiepreisschock ist noch nicht verdaut: Die Inflation im Euroraum dürfte so schnell nicht wieder sinken, glaubt die EZB. Zugleich blickt die Notenbank zuversichtlicher auf die Konjunktur.

Für das laufende Jahr erwartet die Notenbank weiterhin 3,0 Prozent Inflation, wie sie auf Basis jüngster Prognosen mitteilte. Der Wert liegt deutlich über der mittelfristig angepeilten Marke von 2,0 Prozent. Bei dieser Marke sieht die EZB ihr wichtigstes Ziel gewahrt: für einen stabilen Euro zu sorgen und damit die Kaufkraft der Menschen zu erhalten.

"Der Konflikt im Nahen Osten erzeugt weiterhin Inflationsdruck, und die Inflation dürfte für einen längeren Zeitraum deutlich über unserem Zielwert bleiben", erklärte die Notenbank. Der Ausblick sei "nach wie vor mit hoher Unsicherheit behaftet", wobei eine höhere Inflation und weniger Wirtschaftswachstum drohe.

Höhere Leitzinsen verteuern Kredite für Verbraucher und Firmen, was die Nachfrage bremsen und so die Inflation dämpfen kann. Sparer können profitieren, wenn Banken die besseren Konditionen weitergeben. Zugleich jedoch sind steigende Zinsen eine Belastung für alle, die investieren wollen - von Privathaushalten bis Unternehmen. Hebt die EZB die Zinsen zu stark an, kann das die Konjunktur abwürgen.

EZB-Zinsentscheid: Iran-Krieg heizt Inflation an

Wichtigstes Ziel der Notenbank ist es, die Inflation im Zaum zu halten und für einen stabilen Euro zu sorgen. Der seit Ende Februar schwelende Krieg zwischen den USA und dem Iran hat die Teuerung kräftig nach oben getrieben.

Im August waren die Verbraucherpreise im Euroraum nach einer ersten Schätzung der Statistikbehörde Eurostat 3,3 Prozent höher als im Vorjahresmonat. Das ist die höchste Teuerungsrate seit September 2023 und liegt weit über dem Ziel der EZB, die mittelfristig Preisstabilität bei 2,0 Prozent Inflation für die Eurozone anpeilt. Je höher die Inflationsrate, umso geringer die Kaufkraft der Menschen. Sie können sich dann für einen Euro weniger leisten.

In Europas größter Volkswirtschaft Deutschland hatten hohe Energiepreise die Inflation im August auf 2,9 Prozent getrieben. Auch andere große Euroländer wie Frankreich und Spanien meldeten erhöhte Teuerungsraten.

Auch 2027 mit 2,5 Prozent und 2028 mit 2,1 Prozent wird die Zielmarke bei der Inflation nach Einschätzung der EZB verfehlt werden. Im August lagen die Verbraucherpreise im Euroraum nach erster Schätzung der Statistikbehörde Eurostat 3,3 Prozent über dem Vorjahresmonat. Das ist die höchste Teuerungsrate seit September 2023.

Mit dem Iran-Krieg sind die Energiepreise im Euroraum stark gestiegen. Autofahrer spüren das beim Tanken, Hausbesitzer beim Heizen. Der Preis für Brent-Öl stieg zuletzt über die Marke von 100 Dollar je Barrel (159 Liter).

EZB-Zinsentscheid: Wirtschaft hält sich robuster als erwartet

Zugleich wird die EZB etwas optimistischer, was das Wirtschaftswachstum angeht: Für 2026 veranschlagt sie nun ein Plus von 0,9 Prozent. Bei der Prognose vor drei Monaten waren es noch 0,8 Prozent. Auch die Erwartungen für 2027 wurden etwas erhöht auf 1,4 Prozent Wachstum. 2028 rechnet die EZB dann mit einem Plus von 1,5 Prozent im Euroraum.

Trotz des Ölpreisschocks ist die Wirtschaft im Währungsraum im zweiten Quartal 2026 um 0,6 Prozent zum Vorquartal gewachsen. Auch Europas größte Volkswirtschaft Deutschland entwickelte sich mit drei Wachstumsquartalen in Folge besser als erwartet.

DIHK-Chefanalyst Volker Treier zum heutigen Zinsentscheid der EZB: Zinserhöhung nachvollziehbar, aber nur schwer zu verdauen

"Die Zinserhöhung der EZB ist angesichts des weiterhin bestehenden Preisdrucks zwar nachvollziehbar, sie ist für viele Unternehmen aber nur unter Schmerzen zu verdauen. Zuletzt ist die Inflation im Euroraum wieder über 3 Prozent geklettert. Die Preissteigerungen sind zu einem großen Teil auf den Schock in der Krise im Nahen und Mittleren Osten zurückzuführen und nicht etwa auf eine konjunkturelle Binnendynamik. Gleichwohl ist die Zinsanhebung der EZB ein notwendiges Übel, um Preis- und Kostensteigerungen rechtzeitig im Zaum zu halten." Höhere Zinsen könnten die Finanzierung notwendiger Investitionen verteuern. Das würde insbesondere mittelständischen Unternehmen treffen, die in neue Maschinen, Digitalisierung, KI-Nutzung, Energieeffizienz und grundlegend in die Transformation ihrer Geschäftsmodelle investieren wollen.

Treier weiter: "Umso dringlicher ist es jetzt, dass die Bundesregierung endlich Maßnahmen umsetzt, die die Investitionen und Wachstum hierzulande anregen. Das betrifft die überfällige marktwirtschaftliche Ausrichtung der Energiepolitik, eine schnellere Umsetzung einer international wettbewerbsfähigen Unternehmensbesteuerung und die konkrete Realisierung des vorgelegten Maßnahmenpakets zum Abbau von Bürokratie und zur Modernisierung unserer Verwaltungen. Die EZB kann Inflationstendenzen bekämpfen, für eine Überwindung der Wachstumsschwäche muss die Bundesregierung sorgen."

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