VW-Aktie steigt trotz Absatzrückgang: China belastet Volkswagen
Die VW-Aktie legt trotz deutlich gesunkener Auslieferungen zu. Europas größter Autobauer Volkswagen (ISIN: DE0007664039) verkaufte von Juli bis September weltweit 1,89 Millionen Fahrzeuge aller Konzernmarken. Das waren 14,3 Prozent weniger als ein Jahr zuvor, wie das Unternehmen am Montag in Wolfsburg mitteilte. Damit beschleunigte sich der Rückgang der VW-Verkäufe: Im zweiten Quartal hatte das Minus 8,6 Prozent betragen, zu Jahresbeginn 4,0 Prozent.
In den ersten neun Monaten erreichten die Volkswagen-Verkäufe gut 6 Millionen Fahrzeuge. Gegenüber dem Vorjahreszeitraum entspricht das einem Rückgang von 9,0 Prozent oder rund 600.000 Auslieferungen. Zuwächse in Europa und Südamerika reichten nicht aus, um insbesondere den Einbruch in China auszugleichen.
China bleibt die zentrale Belastung
Für die VW-Aktie liefern die Absatzzahlen ein regional unterschiedliches Bild. In China übergab der Konzern im dritten Quartal knapp 406.000 Fahrzeuge, 38,5 Prozent weniger als im Vorjahreszeitraum. Von Januar bis September sanken die Auslieferungen dort um 30,2 Prozent auf 1,38 Millionen. Ein schrumpfender Gesamtmarkt, hoher Preisdruck und zunehmende Konkurrenz chinesischer Hersteller belasten die VW-Verkäufe.
"Der deutlich rückläufige Gesamtmarkt in China bleibt eine branchenweite Herausforderung. Gleichzeitig beginnen unsere neuen, lokal entwickelten Elektromodelle ihre Wirkung zu entfalten", teilte Audi-Vertriebsvorstand Martin Sander mit, der das Ressort auch im Gesamtkonzern verantwortet.
Im dritten Quartal lieferte Volkswagen in China gegenüber dem Vorjahresquartal rund 30 Prozent mehr elektrifizierte Fahrzeuge aus. Diese Kategorie umfasst neben reinen Elektroautos auch Plug-in-Hybride und Fahrzeuge mit Range Extender.
Europas Elektrogeschäft setzt positive Akzente
Ein Lichtblick im Absatzbild hinter der VW-Aktie ist die europäische Nachfrage nach Elektroautos. "In unserem Heimatmarkt sehen wir einen deutlich beschleunigten Trend zu vollelektrischen Fahrzeugen. Hauptgründe dafür sind die derzeit hohen Kraftstoffpreise und das größere Angebot an Einstiegsmodellen", sagte Sander laut Mitteilung.
Für den ID. Polo sowie die Schwestermodelle VW ID. Cross, Skoda Epiq und Cupra Raval liegen inzwischen fast 150.000 Bestellungen vor. Sander bezeichnete dies als Erfolg: Mit den vier Modellen habe der Konzern den Zeitgeist getroffen.
Von Januar bis September war in Europa jedes fünfte ausgelieferte Fahrzeug ein reiner Stromer. Das entspricht gut 586.000 von rund 2,96 Millionen Fahrzeugen. Die Auftragseingänge für Elektroautos stiegen auf dem Heimatkontinent im dritten Quartal um mehr als die Hälfte. Am Auftragsbestand hatten E-Autos einen Anteil von rund 40 Prozent.
Die Volkswagen-Verkäufe vollelektrischer Fahrzeuge gingen weltweit jedoch zurück: Im dritten Quartal betrug das Minus 4,7 Prozent auf gut 240.000 Fahrzeuge. In China sanken diese Auslieferungen um 30,1 Prozent, in den USA um 86,4 Prozent. Über die ersten neun Monate lieferte der Konzern rund 679.000 Elektroautos aus, minus 5,4 Prozent.
Audi und Porsche verlieren zweistellig
Auch die Markenbilanz fällt unterschiedlich aus. Volkswagen Pkw kam im dritten Quartal auf mehr als 946.000 Auslieferungen, ein Minus von 19,3 Prozent. Audi verkaufte fast 315.000 Fahrzeuge und verlor 19,7 Prozent.
Porsche (ISIN: DE000PAG9113) setzte etwas mehr als 56.000 Sport- und Geländewagen ab, ein 15-Prozent-Minus. Skoda blieb mit 256.700 Auslieferungen stabil. Die Nutzfahrzeugholding Traton (ISIN: DE000TRAT0N7), zu der Scania und MAN gehören, steigerte den Absatz um 10,5 Prozent auf rund 78.900 Fahrzeuge. Für die VW-Aktie stehen damit deutlichen Rückgängen bei mehreren Pkw-Marken stabile beziehungsweise steigende Auslieferungen in anderen Konzernbereichen gegenüber.
So reagiert die VW-Aktie auf die Absatzzahlen
Der VW-Aktienkurs zeigt sich im XETRA-Handel stellenweise mit einem Plus von 0,62 Prozent bei 68,42 Euro. Die VW-Aktie steigt damit trotz der schwächeren Konzernverkäufe. Porsche-Papiere gewinnen gleichzeitig 0,96 Prozent auf 41,94 Euro.
Während der VW-Aktienkurs zulegt, verdeutlichen die Auslieferungsdaten die anhaltende Belastung durch China. Europas wachsendes Interesse an Elektroautos und die höheren Verkäufe bei Traton können den weltweiten Absatzrückgang bislang nicht ausgleichen.



