Politik

Abschied von russischer Spurweite: Ukraine rückt näher an EU

Die Ukraine will ihr Bahnnetz stärker an die EU anbinden und plant zwei weitere Infrastrukturprojekte an ihren Westgrenzen. Neue Gleise mit europäischer Spurweite sollen den Verkehr mit der Slowakei, Ungarn und Rumänien erleichtern. Auch die Verbindung nach Polen wird ausgebaut.
05.11.2026 09:04
Lesezeit: 4 min
Abschied von russischer Spurweite: Ukraine rückt näher an EU
Unter Präsident Wolodymyr Selenskyj treibt die Ukraine den Ausbau ihres Bahnnetzes voran, um die Verkehrsverbindungen zur EU zu stärken. (Bild: Sebastian Gollnow/dpa) Foto: Sebastian Gollnow

Ukraine Bahnnetz soll europäische Spurweite erhalten

Die Ukraine will ihr Bahnnetz stärker mit der Europäischen Union verbinden und plant dafür zwei neue Eisenbahnprojekte in der Karpatenregion. Die Strecken sollen bessere Verbindungen zur Slowakei, nach Ungarn und Rumänien ermöglichen. Damit will das Land seine Verkehrsinfrastruktur schrittweise an europäische Standards anpassen und den grenzüberschreitenden Güterverkehr erleichtern. Das berichten unsere Kollegen von Finance.si.

Das ukrainische Ministerium für Wiederaufbau, Infrastruktur und Verkehr hat mit der staatlichen Eisenbahngesellschaft Ukrzaliznytsia und der Agentur für öffentlich-private Partnerschaften eine Absichtserklärung zur Vorbereitung der beiden Projekte unterzeichnet. Darüber berichtet das Fachportal RailFreight.com. Das erste Vorhaben sieht den Bau und die Elektrifizierung einer Eisenbahnstrecke mit europäischer Normalspur von 1.435 Millimetern zwischen Uschhorod, Pawlowo und der slowakischen Grenze vor. Das zweite Projekt betrifft die Modernisierung der Eisenbahninfrastruktur zwischen Korolewo und Chust, die Verbindungen nach Ungarn, Rumänien und in die Slowakei ermöglicht.

Ukraine Bahnnetz erhält neue Verbindung zwischen Uschhorod und Tschop

Zunächst wollen die Beteiligten den Zustand der bestehenden Infrastruktur bewerten, Fachleute einbeziehen und Machbarkeitsstudien erstellen. „Wir werden das Projekt bis zu einem Stadium vorbereiten, das eine Bankfinanzierung ermöglicht und Mittel internationaler Finanzinstitutionen sowie der EU anziehen kann“, erklärt Wolodymyr Schemajew, stellvertretender ukrainischer Minister für Wiederaufbau, Infrastruktur und Verkehr. Die Weltbank unterstützt die Projektvorbereitung im Rahmen des Programms PREPARE.

Die ukrainische Eisenbahngesellschaft hat bereits eine 22 Kilometer lange Normalspurstrecke zwischen Uschhorod und Tschop gebaut. Dadurch erhielten die beiden Städte Anschluss an das europäische Eisenbahnnetz und damit auch an Verbindungen in die Slowakei, nach Ungarn und Rumänien. Die Baukosten beliefen sich auf 28,6 Millionen Euro. Finanziert wurde das Projekt mit Unterstützung der EU und einem Darlehen der Europäischen Investitionsbank. Die ersten Züge nahmen im September 2025 den Betrieb auf. Im September 2026 wurde die Strecke zudem elektrifiziert.

Ukraine Bahnnetz soll über Polen bis nach Lwiw reichen

Auch die Eisenbahnverbindung zwischen Polen und der westukrainischen Stadt Lwiw soll künftig durchgehend mit europäischer Normalspur befahrbar sein. Bis zum ukrainischen Umschlagterminal Mostyska II verfügt die Strecke bereits über die europäische Spurweite von 1.435 Millimetern. Auf dem anschließenden Abschnitt nach Lwiw gilt dagegen noch die in der Ukraine übliche Breitspur von 1.520 Millimetern. Das Land plant deshalb, die europäische Normalspur bis nach Lwiw auszubauen.

Das Vorhaben betrifft den rund 80 Kilometer langen Abschnitt zwischen Mostyska II und Sknyliw am Stadtrand von Lwiw. Geplant ist, eines der beiden bestehenden Breitspurgleise auf europäische Normalspur umzubauen. Das zweite Gleis soll seine bisherige Spurweite behalten. Die EU stellte 2025 über die Fazilität „Connecting Europe“ Fördermittel in Höhe von 73,5 Millionen Euro bereit. Die Gesamtkosten des Projekts werden auf rund 190 Millionen Euro geschätzt.

Die erste Projektphase soll bis Ende 2027 abgeschlossen werden. Damit würde das ukrainische Eisenbahnnetz enger mit den transeuropäischen Verkehrskorridoren TEN-T verbunden. Für Deutschland als wichtigen europäischen Industriestandort ist der Ausbau auch aus wirtschaftlicher Sicht relevant. Eine bessere Schienenanbindung der Ukraine könnte künftig Transporte zwischen deutschen Unternehmen und ukrainischen Handelspartnern erleichtern. Konkrete Auswirkungen auf den deutschen Güterverkehr lassen sich aus den bisherigen Projektangaben allerdings noch nicht ableiten.

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Nataša Koražija

Zum Autor:

Nataša Koražija ist leitende Journalistin und Redakteurin bei der slowenischen Wirtschaftszeitung Casnik Finance und hat sich auf die Bereiche Energie, Umwelt, Infrastruktur und Logistik spezialisiert. 

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