Finanzen

Erstes Gold-Fixing: China positioniert den Yuan gegen den Dollar

Lesezeit: 2 min
19.04.2016 18:45
Am Dienstag wurde in Schanghai zum ersten Mal ein Referenzpreis für Gold bestimmt. Damit tritt die Shanghai Gold Exchange mit dem Yuan in direkte Konkurrenz zum Handelsplatz London, wo der Goldpreis in Dollar festgelegt wird. Experten sehen in dem Schritt eine weitere Maßnahme Chinas, sich von der Weltleitwährung Dollar zu emanzipieren.
Erstes Gold-Fixing: China positioniert den Yuan gegen den Dollar

Mehr zum Thema:  
Benachrichtigung über neue Artikel:  

Inhalt wird nicht angezeigt, da Sie keine externen Cookies akzeptiert haben. Ändern..

Am Dienstag wurde an der Edelmetallbörse Shanghai Gold Exchange (SGE) zum ersten Mal der Goldpreis in der Landeswährung Yuan bestimmt. Ein Gramm des Edelmetalls kostete demnach 256,92 Yuan (etwa 35 Euro), basierend auf einem Kontrakt für ein Kilogramm Gold. Der Preis wird fortan zweimal täglich von 18 Finanz- und Handelsinstitutionen bestimmt – neben 15 chinesischen auch von drei ausländischen (der britischen Standard Chartered Bank, der australisch-neuseeländischen ANZ Bank sowie vom Schweizer Goldhandelshaus MKS).

Eine Preisbestimmung an der SGE erscheint logisch, weil China nicht nur der wichtigste Importeur des Rohstoffes, sondern inzwischen auch dessen größter Produzent ist. In den vergangenen Monaten hatte die chinesische Zentralbank ihre Goldbestände immer weiter aufgestockt, was zu Spekulationen führte, wonach China die Einführung eines neuen Goldstandards plane. Auch andere wichtige Staaten Asiens verzeichnen eine hohe Nachfrage nach Gold – darunter Russland, Indien und Kasachstan.

Bei der Einführung eines chinesisch dominierten Goldpreises dürfte es sich Beobachtern zufolge um eine Maßnahme zur weiteren Profilierung des Yuan handeln. „Ein Yuan-Goldpreisfixing bedeutet, dass die Chinesen ganz offensichtlich die Yuan-Verwendung stärken wollen – dass sie ihre Währung als eine Alternative zum US-Dollar positionieren wollen. (…). Mit dem chinesischen Vorstoß entsteht ein Konkurrenzangebot zum Londoner Goldpreis-Fixing. London ist bekanntlich der weltweit bedeutendste Marktplatz für das Gold. Seit dem 20. März 2015 wird hier mittels einer elektronischen Auktionsplattform zweimal täglich der LBMA Gold Price ermittelt“, schreibt der Chefökonom von Degussa Goldhandel, Thorsten Polleit.

Der Dollar beziehungsweise London dürften mittelfristig zwar ihre Vormachtstellung auf dem Goldmarkt behalten, aber allein die Tatsache, dass es mit Schanghai nun eine Alternative gäbe, sei für den internationalen Goldmarkt positiv, so Polleit. „Was sind die Folgen? Zunächst einmal dürfte das Yuan-Goldpreis-Fixing wichtig sein für den Handel an der SGE: Es erhöht das Goldhandelsvolumen an der SGE. Beispielsweise werden vermutlich Goldexporteure und auch chinesische Importeure es künftig als vorteilhaft(er) erachten, einen Teil ihrer Transaktionen an der SGE abzuwickeln beziehungsweise Handelskontrakte am Yuan-Goldpreisfixing anstelle des LBMA Gold Price auszurichten. So gesehen steigt der Wettbewerb an den Goldhandelsplätzen, und das sollte die Transaktionskosten senken“, schreibt Polleit.

Ein möglicher Nachteil sei, dass es mit steigender Zahl der Handelsplätze tendenziell zu einer Verschlechterung der Liquidität an den einzelnen Orten kommen könnte. Die Preisfindung würde zudem eine verstärkte Arbitrage-Tätigkeit zwischen den einzelnen Märkten erfordern, die vor allem den am Handel Beteiligten, nicht aber den Goldkäufern und -verkäufern nutzen würde. Insgesamt dürfte ein Goldfixing in Yuan die Attraktivität des Edelmetalls jedoch stärken, was sich wiederum positiv auf die Goldnachfrage und -produktion auswirken könnte.

Die Bestimmung des Goldpreises in Yuan ist eine strategische Entscheidung der chinesischen Führung. Deren letztendliches Ziel ist es, sich von der Weltleitwährung Dollar zu emanzipieren und den Yuan als Alternative aufzubauen. Mit dem Einstieg in das Goldfixing werden Infrastrukturen erschaffen, die es ermöglichen, den Einfluss des Yuan auf dem internationalen Goldmarkt in Zukunft weiter auszubauen.

*** Bestellen Sie den täglichen Newsletter der Deutschen Wirtschafts Nachrichten: Die wichtigsten aktuellen News und die exklusiven Stories bereits am frühen Morgen. Verschaffen Sie sich einen Informations-Vorsprung. Anmeldung zum Gratis-Newsletter hier. ***

Inhalt wird nicht angezeigt, da Sie keine externen Cookies akzeptiert haben. Ändern..


Mehr zum Thema:  

DWN
Technologie
Technologie Cyberabwehr: Im Westen nichts Neues
30.05.2023

Die Cyberangriffe auf westliche Unternehmen und staatliche Institutionen erreichen ungeahnte Ausmaße. Die desaströse Lage hat nach...

DWN
Politik
Politik DWN Exklusiv – Folker Hellmeyer: „Wir erleben die größte existenzielle Krise seit 1949“
28.05.2023

Die Machtachsen verschieben sich zu Ungunsten des Westens, konstatiert Folker Hellmeyer, Experte für Weltwirtschaft und Geopolitik. Ein...

DWN
Finanzen
Finanzen Cum-Ex: Jahrelange Haft für Schlüsselfigur Hanno Berger
30.05.2023

Früher kontrollierte Hanno Berger als Finanzbeamter für den Staat Banken. Später wirkte er an einem Geschäftsmodell mit, durch das der...

DWN
Weltwirtschaft
Weltwirtschaft Das Ende des Wirtschaftswachstums: Kommt nun der Untergang des Abendlandes?
29.05.2023

Stagniert unsere Wirtschaft in Wahrheit seit Jahren? Sinkt der Lebensstandard bereits? Christian Kreiß deckt die Faktoren auf, auf die es...

DWN
Unternehmen
Unternehmen Kreditvergabe an Firmen im Euro-Raum bricht ein
30.05.2023

Die Kreditvergabe der Banken an Unternehmen ist rückläufig und verliert immer mehr an Schwung. Die Geldpolitik der EZB übt damit...

DWN
Politik
Politik Habecks Heizungsgesetz sorgt für Streit in der Regierung
30.05.2023

Das Gebäudeenergiegesetz aus dem Wirtschaftsministerium sorgt für Unmut – nicht nur bei den Bürgern, sondern auch bei den...

DWN
Finanzen
Finanzen Goldpreis steigt - trotz wachsendem Widerstand der Klimapolitik
29.05.2023

Der Goldpreis wurde zuletzt durch Geldpolitik und geopolitische Umbrüche nach oben getrieben. Doch nun macht die Klimapolitik der Branche...

DWN
Finanzen
Finanzen So wird der Yuan zur Reservewährung für Eurasien und Afrika
28.05.2023

Große Teile der Welt ersetzen den Dollar für Importe und Exporte durch den Yuan. Die Entwicklung erinnert an die Einführung des...