Politik

Machtkampf in Saudi-Arabien: König feuert Energie-Minister

Lesezeit: 1 min
08.05.2016 01:42
Unruhe in Saudi-Arabien: Der saudische König hat den langjährigen Energieminister gefeuert. Auch die Spitze der Zentralbank wurde ausgetauscht. Die Königsfamilie kämpft um den Verbleib an der Macht. Ihre Position ist wegen des niedrigen Ölpreises geschwächt.
Machtkampf in Saudi-Arabien: König feuert Energie-Minister

Mehr zum Thema:  
Benachrichtigung über neue Artikel:  

+++Werbung+++

Inhalt wird nicht angezeigt, da Sie keine externen Cookies akzeptiert haben. Ändern..

Saudi-Arabiens König Salman hat seinen langjährigen und einflussreichen Energieminister entlassen und den Verwaltungsratschef des Ölgiganten Aramco zu dessen Nachfolger ernannt. Gleichzeitig wurden am Samstag andere zentrale Posten neu besetzt. Der Umbau der Regierung sollte Beobachtern zufolge die jüngst eingeleiteten wirtschaftlichen Reformen unterstützen, mit denen der weltgrößte Ölexporteur seine Abhängigkeit von den zuletzt schwindenden Rohstoffeinnahmen verringern will.

Unter dem neuen Öl-Minister Chaled al-Falih wird das Ressort vergrößert und in Ministerium für Energie, Industrie und Bodenschätze umbenannt. Al-Falih folgt dem 80-jährigen Ali al-Naimi nach, der das Amt seit 1995 bekleidete. Al-Naimi galt lange als einer der einflussreichsten Vertreter des weltweiten Energie-Sektors. Nur ein Wort von ihm konnte die Öl-Märkte bewegen. Er verfolgte den Kurs, auch in Zeiten niedriger Ölpreise an der Fördermenge festzuhalten, um Konkurrenten mit höheren Förderkosten aus dem Rennen zu schlagen. Unter König Salman schwand allerdings zunehmend sein Einfluss. Genau wie sein Nachfolger Al-Falih blickt Al-Naimi auf eine lange Karriere beim Staatskonzern Aramco zurück, wo er bereits als Zwölfjähriger als Laufbursche tätig war und sich bis an die Konzernspitze hocharbeitete.

Al-Falih hatte seit einem Jahr auch das Amt des Gesundheitsministers inne, das er nun aufgibt. Er war bis 2015 Aramco-Chef und wurde dann zum Chairman ernannt. Es war zunächst unklar, welchen Kurs er in der Öl-Politik einschlagen würde. Beobachter vermuteten, dass es keine größeren Veränderungen geben würde, zumal der Energie-Bereich zuletzt immer mehr vom stellvertretenden Kronprinzen Mohammed bin Salman geprägt wurde.

Mohammed bin Salman gilt auch als Urheber des tiefgreifenden Reformprojekts unter dem Namen "Vision 2030", mit dem Saudi Arabien seinen Wohlstand bei geringeren Einnahmen aus dem Öl-Geschäft mit verstärkten Auslandsinvestitionen langjährig sichern will. Nicht erst seit dem Ölpreisverfall ab 2014, der tiefe Löcher in den Staatshaushalt reißt, steht Saudi-Arabien unter Druck, eine Zukunft zu entwerfen, in der das Land dem Geschäft mit dem Schwarzen Gold nicht mehr ausgeliefert ist.

Die Hoffnungen des Landes ruhen nun insbesondere auf dem Staatsfonds PIF. Dessen Vermögen soll durch einen umfassenden Umbau auf umgerechnet 2000 Milliarden von 160 Milliarden Dollar ausgebaut werden. PIF soll der Dreh- und Angelpunkt für die Auslandsinvestitionen werden. Geprüft wird auch ein Börsengang von Aramco.

König Salman ernannte am Samstag zudem einen neuen Handels- und Investitionsminister. Auch an der Spitze der Zentralbank gibt es einen Wechsel. Der Finanzminister bleibt im Amt.

Ob die Veränderungen die Situation des Herrscherhauses stabilisieren können ist fraglich. Seit geraumer Zeit mehren sich die Hinweise, dass die Familie versucht, möglichst viele Assets außer Landes zu schaffen - als Vorbereitung auf ein Leben im Exil.


Mehr zum Thema:  

DWN
Finanzen
Finanzen Günstiger Urlaub? Versteckte Kosten, die Sie unbedingt im Blick haben sollen!
18.05.2024

Sie haben Ihren Sommerurlaub bestimmt schon geplant und freuen sich darauf, eine schöne Zeit am Strand zu verbringen und sich zu...

DWN
Finanzen
Finanzen Schulden-Restrukturierung: Ukraine braucht weitere Zugeständnisse von internationalen Investoren
18.05.2024

Die Ukraine will möglichst schnell ihre Finanzierung über den Kapitalmarkt neu aufstellen. Es geht um bereits am Markt platzierte...

DWN
Politik
Politik Für immer beschützt von Uncle Sam? Warum Europa nicht mehr auf die Hilfe der USA zählen sollte
18.05.2024

Sinkt das Interesse der USA an Europa? Für Jahrzehnte galt es als gesichert, dass die Vereinigten Staaten von Amerika Westeuropa vor...

DWN
Panorama
Panorama Studie: Klimawandel führt zu weniger Ertrag und Qualität bei Reis
18.05.2024

Japanische Forscher wollten herausfinden, wie sich der Klimawandel auf die Reisernte auswirkt. Dafür haben sie mehrere Szenarien...

DWN
Unternehmen
Unternehmen DWN-Kommentar: 4-Tage-Woche und Work-Life-Balance - das ist doch ein unternehmerischer Alptraum!
17.05.2024

Liebe Leserinnen und Leser, jede Woche gibt es ein Thema, das uns in der DWN-Redaktion besonders beschäftigt und das wir oft auch...

DWN
Weltwirtschaft
Weltwirtschaft E-Autos: Zölle gegen China – sollte die EU jetzt den USA nacheifern?
17.05.2024

Nachdem die USA die Zölle auf chinesische Elektroautos drastisch angehoben haben, steht nun die EU vor der Frage, ob sie es dem großen...

DWN
Panorama
Panorama Gesundheitsminister präsentiert neuen Bundes-Klinik-Atlas für Deutschland
17.05.2024

Gesundheitsminister Karl Lauterbach (SPD) wird am Freitag den "Bundes-Klinik-Atlas" vorstellen, ein staatliches Vergleichsportal, das...

DWN
Politik
Politik 13 Außenminister alarmiert: Rafah droht laut einem Pressebericht ein Großangriff
17.05.2024

13 Außenminister haben Israel in einem Brief vor einer umfassenden Militäroffensive in Rafah im südlichen Gazastreifen gewarnt und mehr...