Studie: Euro-Krise greift auf Nordländer über

Lesezeit: 2 min
25.02.2014 00:23
Die Kreditfähigkeit der EU-Nordländer sinkt rapide. Neben Finnland und Belgien gerät auch Frankreich ins Zentrum der Krise. Zudem verschlechtern sich die Aussichten für Italien und Griechenland massiv.

Die Euro-Krise breitet sich zunehmend auf die nordeuropäische Staaten aus. Die Kreditfähigkeit von Belgien und Finnland sinkt rapide. Darüber hinaus rückt auch Frankreich immer stärker in den Fokus.

Eine Studie des Centrums für Europäische Politik (CEP) analysiert die Entwicklung der Kreditfähigkeit der Euro-Staaten. Der ermittelte cepDefault-Index misst, wie sich die Fähigkeit eines Landes zur Rückzahlung von Auslandskrediten entwickelt. Die Ökonomen berücksichtigen dabei die Verschuldung des öffentlichen und privaten Sektors, sowie die Höhe der Investitionen im Land. Auch die Wettbewerbsfähigkeit der Unternehmen beeinflusst die Kreditfähigkeit des Landes erheblich. Wenn diese verfällt, ist das Land zu höheren Importen und geringeren Exporten gezwungen. Dies führe unmittelbar zu Handelsbilanzdefiziten.

Die Analyse zeigt, dass sich die Krise auf den Norden der EU ausbreitet. Sowohl Belgien als auch Finnland geraten zunehmend in den Sog der Euro-Krise.

„Belgien und Finnland weisen im ersten Halbjahr 2013 erstmals eine abnehmende Kreditfähigkeit auf. Da beide Länder per saldo noch über Auslandsvermögen verfügen, ist die Schuldentragfähigkeit noch nicht unmittelbar bedroht. Die Entwicklung in anderen Staaten zeigt jedoch deutlich, dass eine solche Entwicklung problematisch wird, wenn sie über einen längeren Zeitraum anhält“, so die Autoren.

Belgien sorgte an den Finanzmärkten jüngst für Aufsehen. Das kleine Land erwarb für 57 Milliarden Dollar US-Staatsanleihen, nachdem China die Schuldscheine in nie dagewesenem Ausmaß auf den Markt warf (mehr hier).

In Frankreich nimmt die Kreditfähigkeit seit Einführung des Euro beständig ab. Die Investitionen in die Wirtschaft gehen weiter zurück, auch die Wettbewerbsfähigkeit der französischen Unternehmen ist rückläufig. Frankreichs Wirtschaft gerät damit zunehmend in den Fokus der Krise (hier).

„Aufgrund der wirtschaftlichen und politischen Bedeutung Frankreichs für die Euro-Zone […] ist es dringend notwendig, dass die französische Regierung umfassende […] Reformmaßnahmen ergreift, die die Wettbewerbsfähigkeit und mithin die Kreditfähigkeit des Landes wieder steigen lassen“, so die Autoren.

Im Süden Europas herrschen weiterhin negative Aussichten. Portugal, Italien und Griechenland stehen unter enormem finanziellen Druck.

Portugal hat nach wie vor große Probleme seine Auslandsschulden zu bedienen. Das Land wollte jüngst sogar Teile der Miro-Sammlung versteigern, um Kapital zu bekommen (hier)

Italiens Fähigkeit Auslandskredite zu bedienen verfällt kontinuierlich seit 2009. Die Investitionen im Land sind rückläufig, während die Verschuldung stark ansteigt. Seit 2012 habe sich die Situation noch einmal verschlechtert und eine Abkehr dieses Trends ist nicht erkennbar, so die Autoren.

Griechenlands Kreditfähigkeit nimmt derweil besorgniserregende Werte an. Wolfgang Schäuble sicherte dem Land neue Hilfgelder zu und beteuerte - entgegen jeglicher Realität - Griechenland befinde sich auf einem guten Weg (hier).

„Griechenland bleibt das Sorgenkind der Euro-Zone. Die Kreditfähigkeit des Landes verfällt weiter und zwar deutlich schneller als die aller anderen Euro-Länder“, so die Ökonomen.

Zudem sei es fraglich, ob Griechenland seine Auslandsschulden je zurückzahlen könne, so die CEP-Studie. Ein Schuldenschnitt für Griechenland scheint somit nur noch eine Frage der Zeit zu sein (hier).



DWN
Politik
Politik Deutsche U-Boote und Fregatten: Garanten unserer Freiheit

Die Deutsche Marine ist keine reine Manöver-Flotte mehr. Im zweiten Teil des DWN-Interviews berichtet Marine-Inspekteur Vizeadmiral...

DWN
Finanzen
Finanzen Lagarde beschwert sich über die Undankbarkeit der Sparer

EZB-Chefin Lagarde beschwert sich darüber, dass die Sparer gegen Negativzinsen sind. Die Sparer sollten schon glücklich sein, wenn sie...

DWN
Politik
Politik Türkei wird wichtiger Akteur auf dem weltweiten Rüstungsmarkt

Die Türkei entwickelt sich zu einem wichtigen Akteur auf dem internationalen Rüstungsmarkt. So soll Pakistan bald 30 Helikopter und vier...

DWN
Technologie
Technologie Deutschland gehört zu den zehn führenden Wasserstoff-Nationen

Weltweit gibt es zehn Nationen, die mehr oder weniger erfolgreich im Bereich der Wasserstofftechnologie aktiv sind. Zu diesen gehört auch...

DWN
Politik
Politik Afghanistan entwickelt sich zur neuen Hochburg des IS

Afghanistan entwickelt sich mittlerweile zur neuen Hochburg des IS. Die Terror-Miliz stellt eine direkte Gefahr für Chinas...

DWN
Deutschland
Deutschland Databyte: 2019 zeichnet sich bislang durch viele Neugründungen aus

Einer Untersuchung des Analysehauses databyte zufolge gab es im laufenden Jahr überdurchschnittlich viele Neugründungen.

DWN
Finanzen
Finanzen UBS: Reiche Kunden erwarten Markt-Einbruch im nächsten Jahr

Laut einer aktuellen UBS-Umfrage unter tausenden reichen Investoren erwarten die meisten von ihnen für das kommende Jahr einen...

DWN
Technologie
Technologie Ein Tesla-Unfall erschüttert das Märchen von der umweltfreundlichen E-Mobilität

Ein Unfall eines Tesla-Fahrers in Österreich wirft ernste Fragen für die gesamte Elektroauto-Branche auf. Zuerst musste der Wagen drei...

DWN
Politik
Politik Halbzeitbilanz der GroKo: „Selbstzerfleischung ist kein Privileg der SPD mehr“

Das Verhältnis der GroKo ist zerrüttet. An Trennung führt eigentlich kein Weg vorbei. Doch dann käme es zu Neuwahlen, bei denen der...

DWN
Finanzen
Finanzen Tech-Giganten im Gesundheitswesen: Bessere Vorsorge oder Totalüberwachung?

Die großen Technologiekonzerne dringen mit ihren Anwendungen in das Gesundheitswesen vor. Neben großen Vorteilen zur Vorbeugung von...

DWN
Politik
Politik Bundestag beschließt CO2-Sondersteuer: Auf den Mittelstand kommen schwere Zeiten zu

Der Bundestag hat die Sondersteuer auf die Emissionen des natürlichen Gases Kohlenstoffdioxid beschlossen. Besonders darunter leiden...

DWN
Deutschland
Deutschland Tesla-Fabrik in Brandenburg: Ihre Insolvenz wäre Deutschlands Segen

Über den geplanten Bau der Giga-Fabrik von Tesla in Brandenburg herrscht großer Jubel. Was kaum jemand bedenkt: Von der Fabrik würde...

DWN
Finanzen
Finanzen Daimler unter Ola Källenius: Ein Weltkonzern auf dem Rückzug an allen Fronten

Der Daimler-Vorstandsvorsitzende Ola Källenius hat tiefe Einschnitte angekündigt. Die geplanten Maßnahmen lesen sich wie ein Rückzug...

DWN
Finanzen
Finanzen Analysen: Weltwirtschaft so schwach wie am Ende der letzten globalen Rezession

Umfragen der wichtigen Datenanbieter Ifo und IHS Markit zeichnen ein düsteres Bild der Weltwirtschaft. Beiden Instituten zufolge befinden...

celtra_fin_Interscroller