Venezuela spielt eine große Rolle beim Kokain-Transit in die USA

 

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03.05.2019 16:09  Aktualisiert: 03.05.2019 16:09
Venezuela spielt eine wichtige Rolle beim Transit von kolumbianischen Drogen in die USA. Ein großes Kartell venezolanischer Beamter verdient offenbar viel Geld an dem Handel.
Venezuela spielt eine große Rolle beim Kokain-Transit in die USA
Nicolas Maduro will es wissen. (Foto: dpa)
Foto: Matias Delacroix

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Der Kokain-Handel von Venezuela in die USA nimmt zu, obwohl oder gerade weil das Land wirtschaftlich vor dem Kollaps steht. Eine monatelange CNN-Untersuchung verfolgte den Weg des Kokains von den Anbaugebieten in Lateinamerika, insbesondere Kolumbiens, nach Norden. Die Zahl der vermuteten Drogen-Flüge aus Venezuela ist der Untersuchung zufolge von etwa zwei Flügen pro Woche im Jahr 2017 auf fast einen Flug pro Tag im Jahr 2018 gestiegen.

“Drogenschmuggler nutzen immer mehr die Komplizenschaft der venezolanischen Behörden und in letzter Zeit das innenpolitische Machtvakuum aus”, meint ein US-Beamter unter der Bedingung der Anonymität. Jede Ladung Kokain aus Südamerika ist so lukrativ, dass die von den Drogenhändlern geflogenen Flugzeuge im Vergleich dazu billig sind. Deshalb werden die meisten der Flugzeuge nur einmal verwendet und bei der Ankunft entsorgt oder in Brand gesetzt. Ein beträchtlicher Teil der Gewinne fließt in jene Länder zurück, durch welche die Drogen in die USA gelangen - vom kolumbianischen Dschungel über Venezuela bis hin zur honduranischen Küste.

Eine vertrauliche US-Radarkarte aus dem Jahr 2018, die von CNN eingesehen wurde, zeigt die Abflüge aus der Region Zulia im Nordwesten Venezuelas, ihren Durchgang nach Norden in die Karibik und dann ihre scharfe Wende nach Westen in Richtung ihrer Ziele in den abgelegenen Ackerländern von Guatemala an der honduranischen Küste. Von dort aus wird das Kokain nach Mexiko verschifft und in den US-amerikanischen Städten verteilt.

Drogenroute: Kolumbien, Venezuela, Mexiko, USA

Im Jahr 2018 gelangten schätzungsweise 240 Tonnen Kokain aus Kolumbien nach Venezuela, um aus dem Land ausgeflogen zu werden. So viel reines kolumbianisches Kokain könnte, wenn es gestreckt und vertrieben wird, auf den Straßen der USA etwa 39 Milliarden Dollar einbringen, so eine Einschätzung des Büros der Vereinten Nationen für Drogen- und Verbrechensbekämpfung (UNODC).

Dem US-Magazin Pacific Standard zufolge gelangt ein Großteil der Drogen über Mexiko in die USA. Der US-Behörde Drug Enforcement Administration (DEA) zufolge wurden im Jahr 2017 Ladungen in Form von Heroin, Kokain und Methamphetamin am häufigsten in Personenfahrzeugen oder Sattelschleppern abgefangen. Es wurden auch insgesamt 200.000 Pfund Kokain, die von Lateinamerika aus über den Pazifik in die USA verschifft wurden, abgefangen.

Mauer kann Drogenhandel nicht stoppen

Ruth Dreifuss, Vorsitzende der Globalen Kommission für Drogenpolitik, ist der Meinung, dass US-Präsident Donald Trumps Mauerbau an der Grenze zu Mexiko den Drogenhandel nicht aufhalten könne. “Es ist eine Illusion, zu glauben, sie könnten den Drogenhandel mit einer Mauer stoppen”, so Dreifuss.

Guillermo Terrazas Villanueva, Sprecher des mexikanischen Bundesstaats Chihuahua, behauptete sogar im Jahr 2012, dass die US-Sicherheitsbehörden den Drogenhandel an der Grenze zu den USA nicht bekämpfen, sondern lediglich “managen” würden. “Es ist wie bei Schädlingsbekämpfungsfirmen. Sie kontrollieren nur (...) Wenn sie das Drogengeschäft beenden würden, würden sie ihre Arbeit beenden”, sagte er dem Sender Al Jazeera.

Der damalige Bürgermeister von Juarez, Hector Murguia, widersprach Villanueva. “Ich denke, die CIA und die DEA stehen im Kampf gegen Drogenbanden auf der gleichen Seite wie wir. Wir haben eine ausgezeichnete Zusammenarbeit mit den USA”, so Murguia.

Es ist weltweit bekannt, dass Mexiko ein Transitland für den Drogenhandel in Richtung der USA ist. Weitgehend unbekannt ist jedoch die Tatsache, dass am Drogentransit von Venezuela aus nach Mexiko offenbar auch venezolanische Staatsbeamte profitieren. Die Ermittlungs-NGO Insight Crime berichtet, dass jene Staatsbeamte in Venezuela als „Kartell der Sonnen“ (“Cartel de los Soles”) umschrieben werden. Der Begriff wurde erstmals 1993 verwendet, als zwei Generäle der Nationalgarde, der Anti-Drogen-Chef Ramón Guillén Dávila und sein Nachfolger Orlando Hernández Villegas, wegen Drogenhandels untersucht wurden.

Venezuelas “Kartell der Sonnen”

Insight Crime hat eine Studie veröffentlicht, in der dargelegt wird, welche Personen im Staatsapparat Venezuelas in Drogengeschäfte verwickelt sind. Dazu zählen der Ex-Chef des venezolanischen Militärgeheimdienstes Hugo Armando Carvajal Barrios, der mittlerweile den Oppositionsführer Juan Guaido unterstützt, Henry de Jesús Rangel Silva (Militärgeneral a.D. und Ex-Verteidigungsminister), Ramón Rodríguez Chacín (Marineoffizier a.D. und Ex-Innenminister), Clíver Alcalá Cordones (Generalmajor a.D.), den Präsident Maduro im Jahr 2014 festnehmen ließ, Freddy Bernal (Leiter der staatlichen Nahrungsverteilungsstelle Local Supply and Production Committees), Néstor Reverol (aktueller Innenminister), Diosdado Cabello (Ex-Militär und Vorsitzender der Verfassungsgebenden Versammlung), Tareck al Aissami (Vizepräsident) und 115 weitere Staatsbeamte und Militärs.

Im Mai 2015 enthüllte das Wall Street Journal, dass gegen Cabello Ermittlungen wegen Drogenschmuggels laufen. Er soll ein Anführer und ein Anführer des “Kartells der Sonnen” sein. Beweise wurden unter anderem von Leamsy Salazar geliefert, der früher als Cabello-Sicherheitschef arbeitete. Er hat bezeugt, dass Cabello eine führende Rolle beim Drogenhandel spielt, der durch Venezuela strömt, berichtet ABC News.

Tareck El Aissami war vor seiner Amtszeit als Vizepräsident Gouverneur des Bundesstaates Aragua. Insight Crime sammelte Zeugenaussagen über seine Verbindungen zur organisierten Kriminalität in dieser strategischen Provinz an der Karibikküste.

Innenminister Néstor Reverol wurde in den USA wegen Drogenhandels angeklagt. In der Anklageschrift heißt es, Reverol habe die Drogenhändler vor Operationen gegen sie gewarnt, Ermittlungen blockiert, festgenommene Drogenhändler freigelassen und dafür gesorgt, dass beschlagnahmte Drogen an die Drogenhändler zurückgegeben werden.

Zudem wurden dem englischsprachigen Dienst von Reuters zufolge nicht nur die Neffen von Cilia Flores, die die Ehefrau von Maduro ist, in den USA wegen Drogenhandels verurteilt, sondern auch gegen ihren Sohn Walter Jacobo Gavidia laufen Ermittlungen. Sie wurde auch mit dem Fall von Kapitän Yazenky Antonio Lamas Rondón in Verbindung gebracht, Rondón ist ein Pilot auf Kolumbien, der wegen Drogendelikten an die USA ausgeliefert wurde. Ihm wurden in den vergangenen zehn Jahren mehr als hundert Drogenflüge vom venezolanischen Bundesstaat Apure in die Karibik vorgeworfen, berichtet die Zeitung Semana.

Beim gesamten Drogenhandel zwischen Lateinamerika und den USA nimmt Venezuela eine besondere Stellung ein. Es liegt insgesamt ein großes Drogennetz vor, dass mehrere Länder umfasst und durchorganisiert ist. Diversen Studien zufolge sind nicht nur die Drogenrouten, sondern auch die Personen, die am Drogenhandel beteiligt sind, bekannt.

Der Drogenhandel in der westlichen Hemisphäre kann jedoch nur dann eingedämmt werden, wenn die USA und die Staaten Lateinamerikas gemeinsame und koordinierte Schritte gegen die Drogenkartelle vornehmen.

                                                                                ***

Cüneyt Yilmaz, geopolitischer Analyst, Wirtschaftssoziologe, Futurist und Online-Redakteur, ist Absolvent der oberfränkischen Universität Bayreuth. Er lebt und arbeitet in Berlin.


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