Politik

Air Berlin: Lufthansa-Manager wird neuer Chef

Lesezeit: 2 min
19.12.2016 12:53
Air Berlin holt sich erneut Hilfe von außen. Ab Februar übernimmt Lufthansa-Manager Thomas Winkelmann das Steuer. Die Umbrüche im Luftfahrtgeschäft haben den deutschen Branchenzweiten kräftig durchgeschüttelt.
Air Berlin: Lufthansa-Manager wird neuer Chef

Mehr zum Thema:  
Benachrichtigung über neue Artikel:  

Die Dauerpatientin Air Berlin bekommt laut dpa schon wieder den nächsten Chef. Wenn der bisherige Lufthansa-Manager Thomas Winkelmann im Februar das Steuer bei Deutschlands zweitgrößter Fluggesellschaft übernimmt, ist er der mittlerweile vierte Vorsitzende seit Ende 2011, der die hoch verschuldete Airline in eine stabilere Zukunft führen soll. Vorgänger Stefan Pichler hat es nicht geschafft - und wird trotzdem mit warmen Worten verabschiedet.

Warum sollte dem ehemaligen Germanwings-Chef Winkelmann gelingen, was vor ihm keiner hinbekommen hat? Oder wird das doch der Anfang vom Ende von Air Berlin?

Nichts ist mehr so, wie es einmal war im internationalen Luftverkehr. Die Branche ist in Zeiten zunehmender Touristen- und Handelsströme zwar weiter ein Milliardengeschäft. Doch die Verteilung der Gewinne hat sich grundlegend verändert. Etablierte Großkonzerne wie Lufthansa, Air France-KLM, British Airways oder eben Air Berlin geraten unter Druck, während sich die einst belächelten Billigheimer Ryanair oder Easyjet immer größere Marktanteile sichern.

Spätestens seit ihrem Börsengang im Jahr 2006 hatte sich Air Berlin mit den Wachstumsfantasien ihres Gründers Joachim Hunold hoffnungslos verzettelt. Ob die Fluglinien dba und LTU, die österreichische Niki oder die Schweizer Belair: Unter Hunold kaufte Air Berlin jede heimische Airline, derer sie habhaft werden konnte.

Die immensen Gehälter der LTU-Piloten waren genauso wenig ein Hindernis wie hohe Mieten für 14 Jets, die Air Berlin seit Jahren vom Ferienflieger geleast hat. Folge: Die Verluste wurden immer größer, der Schuldenberg überschritt zuletzt eine Milliarde Euro.

Das zusammengestückelte Geschäftsmodell aus Ferienflieger, Billigfluggesellschaft und Netzwerk-Airline erwies sich als Fehlgriff. Trotzdem hielten Hunolds Nachfolger Hartmut Mehdorn und Wolfgang Prock-Schauer an allen Bereichen fest. Ohne den Einstieg der arabischen Fluglinie Etihad 2012, die seither weitere Finanzspritzen nachschob, hätte Air Berlin wohl längst den Betrieb einstellen müssen.

Doch auch deren Geduld ist inzwischen nun zu Ende - und damit der Gemischtwarenladen Air Berlin. 38 Airbus-Mittelstreckenjets sollen ab 2017 samt Besatzung für den Lufthansa-Konzern und vor allem dessen Billigtochter Eurowings an den Start gehen. Die österreichische Tochter Niki wandert zu Etihad und bildet mit der deutschen Fluglinie Tuifly einen neuen Ferienflieger. Die geschrumpfte Air Berlin soll dann mit 75 Maschinen vor allem auf der Lang- und Mittelstrecke eine profitable Zukunft finden - während für dieses Jahr noch ein neuerlicher Rekordverlust von rund einer halben Milliarde Euro droht.

Dass mit Winkelmann bei Air Berlin ein viel gelobter Lufthansa-Manager an den Start geht, könnte nicht von ungefähr kommen. Nicht nur Air Berlins Chefkontrolleur Hans-Joachim Körber lobte Winkelmanns Fähigkeiten, auch Lufthansa-Chef Carsten Spohr nannte den 57-Jährigen in einem konzerninternen Statement einen «exzellenten Manager», den man jetzt verliere.

Aber angesichts der vielen Air-Berlin-Jets, die bald samt Besatzung für den Kranich-Konzern starten, haben die Frankfurter großes Interesse daran, dass der neu gewonnene Berliner Partner nicht zusammenbricht. Hatte Etihad am Ende die Geduld mit Pichler verloren? Offiziell zollt der Großeigner dem Manager Anerkennung für dessen «erfolgreiche strategische Lösung».

Mit der faktischen Zerschlagung Air Berlins in drei Teile hat sich die von Pichler 2015 angekündigte «Schlag auf Schlag»-Sanierung ganz anders bewahrheitet als damals erwartet. Der 59-Jährige will nun zurück nach Australien gehen. Es wäre sein zweiter Rückzug aus Deutschland. Bereits nachdem man ihn 2004 als Chef des Reiseveranstalters Thomas Cook vom Hof gejagt hatte, hatte er beschlossen, nicht mehr nach Deutschland zurückzukommen. Auch Air Berlin dürfte ihm nicht als erfolgreiche Zeit in Erinnerung bleiben.

Inhalt wird nicht angezeigt, da Sie keine externen Cookies akzeptiert haben. Ändern..


Mehr zum Thema:  

DWN
Ratgeber
Ratgeber 5 Immobilienweisheiten – oder wie Sie den Wert Ihrer Immobilie steigern können

Aufgrund der hohen Nachfrage zeigen Immobilien eine äußerst positive Wertentwicklung. Mit ein paar Maßnahmen lässt sich der Preis der...

DWN
Weltwirtschaft
Weltwirtschaft Warum die Sanktionen des Westens an Russland abprallen

Analysten sind überrascht, dass die Sanktionen des Westens der russischen Wirtschaft kaum Schaden zufügen. Russland war offenbar gut auf...

DWN
Finanzen
Finanzen Zinswende: Mit Vorsatz in den nächsten Crash

Die Fed befindet sich in einem Teufelskreis: Lässt sie die Zinsen unangetastet, steigt die Inflation. Erhöht sie die Zinsen, brechen die...

DWN
Technologie
Technologie Wenn Russland den Hahn zudreht: "Dann gnade uns Gott"

Kernenergie, sagt der Diplomingenieur für Kernenergetik, Manfred Haferburg, ist sicher. Die deutsche Energiewende hingegen sieht er...

DWN
Finanzen
Finanzen Kommt die Vermögensabgabe – und wie schützen sich Anleger?

Immer mehr Stimmen fordern einen Corona- oder Ukraine-Lastenausgleich – also eine verpflichtende Vermögensabgabe, die die exorbitanten...

DWN
Politik
Politik Nach Niederlage in Mariupol: Ukraine fürchtet russische Offensive im Donbass

Nachdem die russischen Truppen die Hafenstadt Mariupol erobert haben, befürchtet die Ukraine nun eine Offensive im nahegelegenen Donbass.

DWN
Deutschland
Deutschland ADAC startet bundesweite Fahrrad-Pannenhilfe

Pannenhilfe und individuelle Mobilität stehen für den ADAC weiterhin an erster Stelle. Nun auch, wenn ein Mitglied mit dem Fahrrad...

DWN
Deutschland
Deutschland Beschwerden wegen IBAN-Problemen halten an

SEPA wurde vor fünf Jahren eingeführt, damit man schnell Geld ins Ausland überweisen kann. Doch die Beschwerdestelle zu IBAN-Problemen...

DWN
Deutschland
Deutschland Andrij Melnyk: Der Mann mit dem Zeigefinger

Der ukrainische Botschafter mag noch so sehr im Recht sein - er läuft Gefahr, potentielle Unterstützer zu verprellen.