Politik

Köln: Silvester-Feier ohne Vorfälle in der Hochsicherheitszone

Lesezeit: 2 min
01.01.2017 03:05
In Köln ist zum Jahreswechsel gar nichts «same procedure as every year». Sexuelle Übergriffe vor einem Jahr, Terrorangst - die Stadt wird an Silvester zur Sicherheitszone. Die berühmt-berüchtigte rheinische Feierlaune wird auf eine harte Bewährungsprobe gestellt.
Köln: Silvester-Feier ohne Vorfälle in der Hochsicherheitszone

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Petra Albers und Jonas-Erik Schmidt von der dpa berichten:

Es scheint, als bewege sich der Boden unter den Füßen. Wörter wie «Frieden», «Heimat» und «Umsicht» sind auf die Kölner Domplatte projiziert. Manchmal bewegen sie sich und man denkt, man steht auf einem schwankenden Schiff. Es ist eine sehr symbolische Art, wie Köln den Jahreswechsel in diesem Jahr zelebriert.

Denn schon vor einem Jahr sind nahe des Kölner Doms einige Dinge ins Wanken geraten - die deutsche Willkommenskultur, das Vertrauen in die Polizei, auch irgendwie das viel beschworene kölsche Lebensgefühl. Enthemmte Männergruppen gerieten außer Rand und Band, zündeten wie wild Feuerwerk, begrapschten und beraubten Frauen. Unter den Beschuldigten waren viele Flüchtlinge. Die Ereignisse sorgten international für Entsetzen.

In diesem Jahr wollten Stadt und Polizei alles besser machen, seit Monaten liefen die Vorbereitungen. Die Welt werde an dem symbolträchtigen Tag nach Köln schauen, hieß es. Deswegen hat man auch den Berliner Lichtkünstler Philipp Geist engagiert, um die Gegend um den weltbekannten Dom mit Licht, Nebel und sphärischen Klängen zu einer Attraktion zu machen. Die Kölner konnten vorher Begriffe einschicken, die sie auf dem Boden und an den Häusern lesen wollen - herausgekommen sind Wörter wie «Brücken» oder «Umsicht». Jemand hat auch «Höhner» vorgeschlagen, die Band, die «Viva Colonia» singt. Ein bisschen Karneval muss in Köln eben immer sein.

Was die Welt an Silvester 2016 in Köln allerdings auch sieht, ist sehr viel Polizei. 1500 Beamte sind planmäßig im Einsatz, zehnmal so viele wie vor einem Jahr. In Trupps laufen sie etwa über die Domplatte, die in diesem Jahr von Absperrgittern umringt ist. An den Einlassstellen werden Taschen auf Feuerwerk kontrolliert - es gilt eine «böllerfreie Zone».

«Das ist heute im Vergleich zum letzten Jahr ein Unterschied wie Tag und Nacht», sagt Kardinal Rainer Maria Woelki. Damals schon vor Beginn des Silvester-Gottesdienstes das Geböller - und jetzt diese Lichtinstallation, von deren Worten eine Botschaft der Mitmenschlichkeit ausgehe. In Rest-Köln fliegen die Raketen natürlich ähnlich eng getaktet wie im vergangenen Jahr.

Es ist eine Silvesterfeier unter Aufsicht. Wer aus dem Hauptbahnhof kommt, läuft in die Arme von Polizisten. Was viele nach der ganzen Vorgeschichte überrascht: Kurzzeitig sieht es aus, als braue sich tatsächlich etwas zusammen. Junge Männer werden von Beamten eingekreist und kontrolliert, die Polizei sagt, sie ähnelten äußerlich «der Klientel vom vergangenen Jahr» - vor allem aus Nordafrika.

Polizeipräsident Mathies spricht von 1000 Personen, er habe Verstärkung angefordert. «Sie werden von uns befragt, und wir werden ihre Identität feststellen. Es wird keiner zu früh gehen.» Konsequentes Einschreiten hatte er in den Wochen vorher immer wieder angekündigt und eine Art Sicherheitsgarantie für die Domumgebung abgegeben. Die will die Kölner Polizei mit allen Mitteln einlösen. Eine gewisse Anspannung ist ihr dabei anzumerken.

Die allerbesten Voraussetzungen für eine ausgelassene Party sind die strengen Vorkehrungen eigentlich nicht. Wobei man aber auch sagen muss, dass unter normalen Umständen kaum ein Kölner auf die Idee kommt, auf der recht zugigen Domplatte ins neue Jahr zu feiern. Pünktlich zu Mitternacht ist sie dennoch einigermaßen gefüllt.

«Wir finden die Multimedia-Show wirklich schön», sagt Arnald, der aus Barcelona kommt und auf Städte-Trip in Köln ist. Er hatte sich schon irgendwie gedacht, dass das mit den Ereignissen von vor einem Jahr zusammenhängt. Die seien auch Thema in Spanien gewesen. «Der Vermieter unseres Apartments hat auch gesagt: Geht da lieber nicht hin», berichtet er. «Vielleicht passiert noch mal das Gleiche.»

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