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Die verschwiegene Abhängigkeit der USA von Deutschland

Lesezeit: 3 min
12.05.2019 06:50
BMW und Mercedes sind die größten Autobauer in den USA. 2017 wurden über 800.000 Autos in den USA produziert. Doch damit nicht genug. US-Unternehmen sind hochgradig abhängig von Deutschland als Wirtschaftsstandort und Markt.
Die verschwiegene Abhängigkeit der USA von Deutschland
In diesen US-Regionen schaffen deutsche Unternehmen Jobs. (Grafik: Brookings)

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Seit dem Amtsantritt von US-Präsident Donald Trump im Jahr 2017 sind die Beziehungen zwischen den USA und Deutschland stark angespannt. Im vergangenen Jahr haben die USA Strafzölle auf Aluminium- und Stahlimporte aus der EU verhängt. Zudem drohen sie, Strafzölle auf Autoimporte aus der EU zu verhängen, was besonders Deutschland hart treffen würde. Trump behauptet, mit diesen Maßnahmen die heimische Industrie ankurbeln und damit Arbeitsplätze schaffen zu können. 

Noch sind die transatlantischen Geschäftsbeziehungen hervorragend, aber die deutsche Wirtschaft ist tief besorgt über die Zukunft der europäisch-amerikanischen Beziehungen.

Aus der Studie German American Business Outlook 2018 geht hervor, dass für 76 Prozent der in den USA tätigen deutschen Unternehmen offene Märkte entscheidend sind für ihre Lieferkette. Deutsche Unternehmen haben in den USA bisher circa 674.000 Arbeitsplätze geschaffen und Investitionen in Höhe von rund 250 Milliarden Euro getätigt, so der "American Legislative Exchange Council" (ALEC).

ALEC führt aus: “Deutschland gehört zu den Top-Ländern, die in Amerika investieren. 674.000 Amerikaner sind bei deutschen Unternehmen beschäftigt und fast die Hälfte dieser Arbeitsplätze sind im verarbeitenden Gewerbe angesiedelt (...) Die Regierung hat Zölle gegen unsere Verbündeten und Handelspartner, einschließlich Deutschland, vorgeschlagen und umgesetzt, um ,fairere’ Deals zu erzielen. Es ist jedoch wahrscheinlicher, dass diese zunehmend protektionistische Politik den hart arbeitenden Amerikanern nicht helfen, sondern schaden wird (...) Zölle führen nämlich (...) zu Vergeltungs-Zöllen, und die US-Wirtschaftspartner haben bereits begonnen, übereinstimmende und gezielte Zölle gegen die USA einzuführen.”

Eine Sprecherin des Deutschen Industrie- und Handelskammertags sagte den Deutschen Wirtschaftsnachrichten: "Die Vereinigten Staaten sind mit Ausfuhren in Höhe von 113 Milliarden Euro Deutschlands wichtigster Exportmarkt. Das Handelsvolumen zwischen beiden Ländern beträgt 178 Milliarden Euro. Viele deutsche Unternehmen sind in den USA tätig, mehr als 400 Milliarden Euro haben sie dort investiert und beschäftigen rund 900.000 Arbeitnehmer."

America First ist nicht umsetzbar!

Das negative Ausmaß des “Trumpschen Protektionismus” könnte größer sein als erwartet. Aus Daten des US-Handelsministeriums geht hervor, dass sechs Millionen Arbeitsplätze in den USA auf ausländische Unternehmen entfallen. Trump hat mehrmals Deutschlands Überschuss im Handel mit den USA kritisiert, insbesondere im Automobilsektor. Doch die deutschen Autobauer sind faktisch gesehen ein Gewinn für die US-Wirtschaft.

Stormy-Annika Mildner vom BDI führt in einem Gastbeitrag für die "German Times" aus: "Seit 2009 hat sich die deutsche Auto-Produktion in den USA vervierfacht. Zwei der größten amerikanischen Auto-Exporteure sind deutsche Unternehmen - BMW und Mercedes. Die USA sind das wichtigste Ziel für ausländische Direktinvestitionen der deutschen Automobil-Industrie."

Die American Chamber of Commerce (AmCham) hat im vergangenen Jahr eine Umfrage unter ihren deutschen und US-amerikanischen Mitgliedern durchgeführt. 42 Prozent der deutschen Unternehmen gaben an, dass die USA als Wirtschaftsstandort weniger attraktiv geworden sind, hauptsächlich aufgrund des aktuellen Handelsstreits zwischen beiden Ländern. Es gibt auch Hinweise darauf, dass die Investitionstätigkeit rückläufig ist. 18 Prozent der deutschen Unternehmen gaben an, ihre jeweiligen Investitionspläne aufgrund des sich abzeichnenden Handelskonflikts reduziert zu haben. Insgesamt glauben 71 Prozent der befragten Unternehmen nicht an einen wesentlichen Durchbruch zwischen den USA und der EU.

Ein steht trotz all dieser Probleme allerdings fest: Die USA sind  (nach Angaben des Statistischen Bundesamts) bis zum heutigen Tag der wichtigste Einzelmarkt für den deutschen Export. Im vergangenen Jahr exportierte Deutschland Waren im Wert von 113,5 Milliarden Euro in die USA. Überraschend ist: Das waren 1,5 Prozent mehr Exporte in die USA als im Vorjahr.

US-Geschäftsleute lieben Deutschland!

Auf der anderen Seite ist Deutschland ein wichtiger Investitionsstandort für US-Unternehmen. In einer AmCham-Umfrage gaben 77 Prozent der befragten US-Unternehmer an, dass das Jahr 2017 ein starkes Geschäftsjahr in Deutschland gewesen sei. 91 Prozent der Befragten sagten, dass die Rahmenbedingungen in Deutschland für US-Unternehmer sehr gut seien. 94 Prozent sagten, dass vor allem die deutschen Arbeitnehmer gut ausgebildet seien. Für 92 Prozent spielt Deutschland als reiner Markt eine wichtige Rolle.

Im Jahr 2016 waren die USA mit einem Volumen von 108 Milliarden US-Dollar der größte Nicht-EU-Direktinvestor in Deutschland, so export.gov. Einer PricewaterhouseCoopers-Studie (PwC-Studie) zufolge sind bis Mitte 2018 ausländische Investoren bei insgesamt 732 deutschen Unternehmen eingestiegen. 129 der Käufer kamen aus den USA, gefolgt von 94 aus Großbritannien und 86 aus der Schweiz.

Das AmCham gibt jährlich eine Top-50-Liste der umsatzstärksten US-Unternehmen in Deutschland heraus.

Im Geschäftsjahr 2017 erzielten US-Unternehmen in Deutschland einen Umsatz von 171 Milliarden US-Dollar. Führend waren Ford  mit 22,7, Amazon mit 15,6, ExxonMobil mit 8,7, Philip Morris mit 6,6 und IBM mit 6,3 Milliarden US-Dollar. Es arbeiteten 296.000 Personen bei US-Unternehmen in Deutschland. Das AmCham wörtlich: “77 Prozent der Unternehmen steigerten 2017 ihre Umsätze und fast 60 Prozent erhöhten ihre Investitionen. Im Januar 2018 erwarteten 82 Prozent der Unternehmen weiter steigende Umsätze. Dieser Wert fiel im August 2018 auf 52 Prozent. Die Unsicherheit bezüglich der transatlantischen Wirtschaftsbeziehungen bereiten den US-Investoren Sorgen.”

Die Zahlen und Fakten sprechen für sich. US-Unternehmen sind durchaus abhängig vom Wirtschaftsstandort Deutschland. Doch von den deutsch-amerikanischen Wirtschaftsbeziehungen profitieren beide Seiten. Der Status quo lässt sich am besten als “Win-Win-Situation” beschreiben, der maßgeblich ist für den Wohlstand in Deutschland, aber auch in den USA.

Derzeit befinden sich die deutsch-amerikanischen Spannungen noch nicht an einem Punkt, an dem es kein Zurück mehr gibt. Derzeit hält Trump jedoch an seinem harten protektionistischen Kurs fest.

Allerdings wird der Widerstand gegen seine Politik größer, inbesondere im US-Kongress, aber auch von Seiten der Unternehmen, der Wirtschafts-Verbände und der Gewerkschaften.

 

 

 

 


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