Finanzen

US-Banken beantragen Milliarden-Notkredite, Federal Reserve gibt nur Bruchteile davon frei

Die Krise am US-Geldmarkt flammt wieder auf. Banken und Hedgefonds fragten bei der Zentralbank nach kurzfristigen Milliarden-Krediten in dreistelliger Höhe an, von denen nur ein Teil bewilligt wurde. Am Donnerstag kam es dann zur nächsten massiv überzeichneten Liquiditätsrunde.
05.03.2020 09:00
Lesezeit: 2 min
US-Banken beantragen Milliarden-Notkredite, Federal Reserve gibt nur Bruchteile davon frei
Federal Reserve-Präsident Jerome Powell. (Foto: dpa) Foto: Ting Shen

Am US-Geldmarkt hat sich die Lage vor dem Hintergrund schwerer Abverkäufe an den Aktienmärkten erneut zugespitzt. Wie aus aktuellen Daten der Zentralbank Federal Reserve hervorgeht, haben Banken und Hedgefonds so viel kurzfristige Kredite nachgefragt wie seit Wochen nicht mehr. Die Fed jedoch hat nur einen Teil der benötigten Gelder freigegeben.

Den Dokumenten zufolge beantragten Banken und Hedgefonds Übernachtkredite mit einer Laufzeit von einem Tag im Gesamtvolumen von 108,608 Milliarden Dollar, von denen die Federal Reserve aber nur 100 Milliarden Dollar vergab. Es war die erste Überzeichnung bei Übernacht-Repos seit Oktober 2019.

Bei Repo-Krediten mit einer Laufzeit von 14 Tagen war das Missverhältnis zwischen den beantragten Kreditvolumina und den ausgereichten Krediten noch deutlich größer. Hier wurden 70,95 Milliarden Dollar nachgefragt, doch von der Fed nur 20 Milliarden ausgereicht.

Die Gründe für die seit September 2019 anhaltende Kreditvergabe der Fed auf dem Repo-Markt – auf dem sich Marktteilnehmer gegen Hinterlegung von Wertpapieren als Pfand verzinste Kredite von der Zentralbank ausreichen lassen können – bleiben weiterhin im Dunkeln.

Die Vorgänge sind sehr bemerkenswert. Am 17. September 2019 reichte die Fed plötzlich Repo-Kredite aus, obwohl sie dies seit der Finanzkrise vor mehr als zehn Jahren nicht mehr gemacht hatte. Zudem kauft sie seit Oktober auch kurzlaufende US-Staatsanleihen mit einem Jahr Laufzeit („T-Bills“) auf. Alle diese Maßnahmen zielen darauf ab, praktisch aus dem nichts geschaffene Liquidität ins Finanzsystem zu spülen, wo offenbar ein immenser Bedarf nach diesen kurzfristigen Krediten besteht – warum, ist nicht geklärt.

Fed-Präsident Jerome Powell hatte in den vergangenen Wochen angekündigt, dass die Zentralbank das Volumen der ausgereichten Kredite in Zukunft schrittweise senken wird – etwa von einer Obergrenze von 25 Milliarden Dollar auf 20 Milliarden Dollar bei den 14-Tages-Repos, was letztendlich die oben beschriebenen Überzeichnungen zur Folge hatte.

Wie stark das Missverhältnis zwischen Angebot und Nachfrage am 3. März bei der letzten Kreditrunde war, wird aus folgender Grafik ersichtlich (gelb: nachgefragt, grün: ausgereicht.

Update von Donnerstag, den 5. März:

Wie der Finanzblog Zerohedge berichtet, war auch die am 5. März durchgeführte Runde bei der Vergabe 14-tägiger Repo-Kredite extrem überzeichnet (gelb: nachgefragte Liquidität, grün: ausgereichte Liquidität).

Mehr zum Thema
Bleiben Sie über das Thema dieses Artikels auf dem Laufenden Klicken Sie auf [+], um eine E-Mail zu erhalten, sobald wir einen neuen Artikel mit diesem Tag veröffentlichen
Anzeige
DWN
Finanzen
Finanzen Damit Sie sich auf Ihr Unternehmen konzentrieren können

Ein Unternehmen zu führen, bedeutet, täglich Verantwortung zu übernehmen und Entscheidungen zu treffen. Gleichzeitig soll möglichst...

 

X

DWN-Wochenrückblick

Weniger E-Mails, mehr Substanz: Der DWN-Wochenrückblick liefert 1x/Woche die wichtigsten Themen kompakt als Podcast. Für alle, deren Postfach überläuft.

E-mail: *

Ich habe die Datenschutzerklärung sowie die AGB gelesen und erkläre mich einverstanden.

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Kappa Rus: Wie Putin einen Unternehmer um sein Lebenswerk bringt
20.10.2026

Jahrelang baute ein schwedischer Unternehmer in Russland ein millionenschweres Geschäft auf. Nun nimmt ihm Wladimir Putin per Dekret die...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Leere Lager, stockende Bänder: Die deutsche Industrie im Würgegriff neuer Materialengpässe
20.10.2026

Elektronikkomponenten und chemische Rohstoffe werden zur Mangelware. Die neuesten ifo-Daten zeigen, wie fragil der Standort Deutschland im...

DWN
Finanzen
Finanzen Altersvorsorgedepot: Sozialverband warnt vor staatlich geförderter Kostenfalle
20.10.2026

Maximal ein Prozent Gebühren pro Jahr darf das neue Altersvorsorgedepot ab dem 1. Januar 2027 kosten. Dennoch warnt der Sozialverband vor...

DWN
Finanzen
Finanzen SpaceX-Aktie: Musk verspricht jedem US-Kind eine Aktie seiner Weltraumfirma
20.10.2026

Jedes Kind in den USA soll von Elon Musk eine Aktie seiner Weltraumfirma SpaceX bekommen. Wie genau das passieren soll, ist noch unklar....

DWN
Finanzen
Finanzen Staatsverschuldung: Wie teuer Deutschlands Schulden jetzt werden
20.10.2026

Deutschlands Staatsschulden wachsen, während die Zinsen an den Anleihemärkten steigen. Der Bund muss immer mehr Geld aufnehmen und...

DWN
Politik
Politik Sonntagsumfrage: AfD bleibt stärkste Kraft
20.10.2026

Die AfD liegt in der YouGov-Umfrage weiter vorn, während sich bei mehreren Parteien kaum etwas bewegt. Welche Verschiebungen es im...

DWN
Finanzen
Finanzen Vier Jahre Kursentwicklung an der Wall Street: Jetzt wird der Aufschwung auf die Probe gestellt
20.10.2026

Der US-Aktienmarkt hat sich in vier Jahren mehr als verdoppelt. Doch hohe Zinsen und Finanzierungssorgen für den KI-Boom haben nun für...

DWN
Finanzen
Finanzen Buffer-ETFs: Warum der Airbag fürs Depot vor allem Rendite kostet
20.10.2026

Buffer-ETFs versprechen Aktienrenditen ohne die schlaflosen Nächte. In den USA ist daraus ein 78-Milliarden-Dollar-Business geworden, in...