Deutschland

Wie reagieren die deutschen Immobilien-Preise auf die Krise?

Experten rechnen wegen der Corona-Krise mit deutlichen Folgen für die Immobilienpreise in Deutschland.
18.03.2020 09:43
Aktualisiert: 18.03.2020 09:43
Lesezeit: 2 min
Wie reagieren die deutschen Immobilien-Preise auf die Krise?
Offenbach/Main: Neubauten spiegeln sich im Hafenbecken. (Foto: dpa) Foto: Arne Dedert

Experten rechnen angesichts der Corona-Krise mit einem Einfrieren der Preise für Wohnimmobilien. "Die Preise werden sich in den nächsten Monaten kaum bewegen", sagte der Generalbevollmächtigte Andreas Schulten vom Marktforscher Bulwiengesa - auf dessen Daten sich etwa die Bundesbank stützt - am Mittwoch der Nachrichtenagentur Reuters. "Die Preisentwicklung ist ausgesetzt."

In den großen Städten habe sich die Aufwärtsdynamik schon vor der Krise verlangsamt. "Das wird sich jetzt auf ganz Deutschland übertragen." Allerdings dürfte dieser Zustand nicht ewig anhalten. "Gerade im Wohnimmobiliensektor wird es eine Weile sehr ruhig zugehen", sagte Schulten. "Aber dann wird es auf dem gleichen Niveau wie vor der Krise weitergehen."

Bei Gewerbeimmobilien erwartet Bulwiengesa in vielen Bereichen Stillstand. "Im Hotelsektor wird es vorerst keine Transaktionen mehr geben. Da wird man Preise kaum definieren können", sagte Vorstandsprecher Ralf-Peter Koschny mit Blick auf die stark gebeutelte Branche. "Diese sind schon vor der Corona-Krise runtergegangen, ebenso im Einzelhandel und bei Shoppingcentern. Dieser Trend wird durch die Krise jetzt verstärkt." Neue, durch die Krise hervorgerufene Trends seien aber derzeit nicht auszumachen.

2008 habe es mit der Finanzkrise eine vergleichbare Situation gegeben. "Alle sind in eine Art Schockstarre verfallen: Transaktionen, Mietvertragsabschlüsse sind zurückgegangen, Projektentwickler haben abgewartet und hatten Finanzierungsschwierigkeiten", sagte Koschny. Das habe sich schnell beruhigt. Mitte 2009 sei der Immobilienbereich fast schon wieder in normalem Fahrwasser gewesen. Diese Schockstarre wiederhole sich jetzt. "Es ist allerdings nicht nur die Finanzbranche betroffen, sondern zum Beispiel auch Dienstleister und Händler", sagte der Vorstandssprecher. "Die Leute kaufen weniger ein. Das belastet den Cashflow des Einzelhandels. Das könnte Effekte auf Zahlungsbereitschaft und Miethöhen haben." Wenn sich die Lage in zwei, drei Monaten wieder halbwegs beruhigt habe, werde sich die Starre auch wieder auflösen.

Durch die weiter gefallenen Zinsen rechnet der Experte nicht mit neuen Impulsen für den Immobiliensektor. "Bei den Zinsen ist die Luft raus", sagte Koschny. "Sie waren auch vorher schon extrem niedrig." Wegen der massiven Unsicherheit und der enormen Einbrüche am Aktienmarkt erwartet Bulwiengesa, dass Wohnungen und Häuser als Anlage gefragt bleiben. "Bei Unsicherheit greifen die Menschen immer zu Wohnimmobilien", sagte Schulten. "Dieser Bereich wird generell als Anlageklasse nicht so sehr leiden." Investoren dürften besonders auf den Lebensmittelbereich schauen. "In der Krise sieht man, wie sicher dieser Bereich ist", begründete Schulten.

Durch die in der Krise nun in vielen Unternehmen großflächig erprobte Arbeit von Zuhause aus erwarten die Marktforscher keine negativen Folgen für die Nachfrage nach Büroimmobilien. "Home Office schießt hoch. Die Frage ist: Gewöhnen sich die Leute an diese Arbeitsform, wird sie auch in Zukunft Bestand haben?", sagte Schulten. "Das ist sicherlich ein neuer Trend. Er wird aber nicht unbedingt zu einer Flächenreduktion führen. Es ist eher ein sowohl als auch und nicht ein entweder oder."

Mehr zum Thema
article:fokus_txt
Anzeige
DWN
Finanzen
Finanzen Die XRP-Preise stiegen, und XRP-Inhaber verdienten über 10.000 US-Dollar pro Tag durch FORT Miner Hashrate-Verträge.

Mit der jüngsten Erholung der XRP-Preise hat sich die Risikobereitschaft am Markt entsprechend verbessert. Kapital fließt wieder in...

Jede Anlage am Kapitalmarkt ist mit Chancen und Risiken behaftet. Der Wert der genannten Aktien, ETFs oder Investmentfonds unterliegt auf dem Markt Schwankungen. Der Kurs der Anlagen kann steigen oder fallen. Im äußersten Fall kann es zu einem vollständigen Verlust des angelegten Betrages kommen. Mehr Informationen finden Sie in den jeweiligen Unterlagen und insbesondere in den Prospekten der Kapitalverwaltungsgesellschaften.

DWN
Finanzen
Finanzen ETF-Boom unter Kritik: Verzerren passive Investments den Markt?
14.01.2026

ETF gelten manchen Kritikern als Gefahr für den Kapitalismus. Angesichts der wachsenden Dominanz passiver Investments stellt sich die...

DWN
Politik
Politik US-Geldpolitik unter Druck: Strafrechtliche Vorladungen gegen Jerome Powell
14.01.2026

Der Konflikt zwischen politischer Macht und institutioneller Unabhängigkeit in den USA erreicht eine neue Eskalationsstufe. Steht damit...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft WEF-Jahrestreffen in Davos: Furcht vor geoökonomischer Konfrontation
14.01.2026

Welche Folgen hat es, wenn Staaten gezielt mit wirtschaftlichen Mitteln Macht ausüben? Im Bericht über globale Risiken der Stiftung World...

DWN
Unternehmen
Unternehmen Bosch-Kooperation mit Neura Robotics: Wie humanoide Roboter schneller lernen sollen
14.01.2026

Humanoide Roboter rücken in den Fokus der Industrie – und eine Bosch-Kooperation mit Neura Robotics soll den nächsten Schritt...

DWN
Politik
Politik Bekämpfung der Inflation: Österreich senkt Mehrwertsteuer auf Grundnahrungsmittel
14.01.2026

Die Inflation in Österreich ist im Vergleich zum EU-Durchschnitt hoch. Die Koalition aus ÖVP, SPÖ und Neos einigt sich auf eine...

DWN
Politik
Politik Ukraine verlängert Kriegsrecht: Neuer EU-Kredit soll vor allem Militär stärken
14.01.2026

Das neue riesige EU-Darlehen in Höhe von 90 Milliarden Euro soll nach dem Willen der Europäischen Kommission zu einem großen Teil den...

DWN
Immobilien
Immobilien Pflegeimmobilie als Geldanlage: Finanzbranche entdeckt das Pflegeheim
14.01.2026

Die deutsche Bevölkerung altert, und damit steigt der Bedarf an Betreuung. Banken und private Kapitalgeber suchen nach...

DWN
Finanzen
Finanzen Handschriftliches Testament: Wenn eine einfache Quittung über Millionen entscheidet
14.01.2026

Handschriftliches Testament: Wie sicher ist Ihr letzter Wille? Ein aktueller Prozess um eine Darlehensquittung hat die Tücken des...