Deutschland

Mittelständler revolutioniert die Tablettenherstellung

Der Spezialanbieter AMCM arbeitet mit der Darmstädter Pharmagruppe Merck zusammen, um Systeme zu entwickeln, die mittels 3-D-Druck Medikamente vervielfältigen können.
04.04.2020 13:00
Aktualisiert: 09.04.2020 13:00
Lesezeit: 1 min

Der mittelständische Spezial-Anbieter AMCM ist mit der Darmstädter Pharma-Gruppe Merck eine Kooperation eingegangen, um 3D-gedruckte Medikamente auf den Markt zu bringen. Innerhalb der Kooperation wird AMCM die Drucker entwickeln, die für den Medikamenten-Druck notwendig sind. Die Medikamenten-Formulierung wird Merck übernehmen.

Aktuell liegt der Fokus der Kooperation in der pharmazeutischen Entwicklung von Medikamenten, also auf der Phase, bevor Medikamente auf den Markt kommen. Ziel ist die Tabletten-Formulierung sowie die Herstellung von Prüfpräparaten für klinische Studien. Die pharmazeutische Entwicklung von Medikamenten kann durch diesen Ansatz günstiger und schneller werden.

Hintergrund: Die Produktion von Tabletten für klinische Studien ist sehr zeitaufwändig und kostenintensiv, da von einer klinischen Phase zur nächsten Formulierungen immer wieder aufs Neue angepasst werden müssen, um sicherzustellen, dass die Wirkstoffe in der richtigen Menge je Tablette vorhanden sind. Beim 3D-Druck entfällt diese zeitaufwändige und kostspielige Neuformulierung, da 3D-Druck eine einfache Skalierbarkeit erlaubt. So können Medikamente schneller den Markt erreichen.

Merck hat die Vision, nach der Markteinführung in einem späteren Schritt das gleiche Medikament in verschiedenen Farben und Formen anzubieten. Dadurch wird es für spezielle Patientengruppen einfacher, ihr Medikament wiederzuerkennen.

Die erste Phase der Partnerschaft konzentriert sich darauf, ein 3D Druckverfahren zu entwickeln, das den Druck von Prüfmaterialien in Tablettenform für klinische Studien erlaubt. Der Herstellungsprozess von Tabletten für diese klinischen Studien wird durch die additive Fertigung wesentlich einfacher, schneller und kostengünstiger werden als dies mit dem traditionellen Tablettenpressen bisher möglich war.

Die herkömmliche Tablettenherstellung umfasst mehrere Schritte: Vorbereitung des zu pressenden Pulvers, Granulierung des Pulvers, dann die Pressung, und schließlich die Endbearbeitung und Verpackung. Mit der neuen Herstellung, die beide Partner entwickeln, wird dieser Herstellungsprozess jedoch erheblich reduziert. „Unsere Partnerschaft mit AMCM wird die Tablettenproduktion revolutionieren. Es wird einen wichtigen Übergang zur Digitalisierung der Branche markieren. Unser Ziel ist es, die industrielle Anwendung dieser Technologie zu entwickeln, zunächst um klinische Versuche durchzuführen und sie dann in komplette digitale Lösungen im kommerziellen Maßstab zu integrieren“, sagt Isabel de Paoli, Chief Strategy Officer bei Merck.

Mehr zum Thema
Bleiben Sie über das Thema dieses Artikels auf dem Laufenden Klicken Sie auf [+], um eine E-Mail zu erhalten, sobald wir einen neuen Artikel mit diesem Tag veröffentlichen
Anzeige
DWN
Panorama
Panorama Die Ökonomie der Aufmerksamkeit: Warum Unternehmen um jede Minute kämpfen

Im Internet ist Geld nicht länger die einzige Währung. Eine ebenso große Rolle spielt die Währung Aufmerksamkeit. Wer im Überfluss an...

X
DWN-Wochenrückblick

Weniger E-Mails, mehr Substanz: Der DWN-Wochenrückblick liefert 1x/Woche die wichtigsten Themen kompakt als Podcast. Für alle, deren Postfach überläuft.

E-mail: *

Ich habe die Datenschutzerklärung sowie die AGB gelesen und erkläre mich einverstanden.

DWN
Finanzen
Finanzen Experten-Interview: Wein ist eine interessante alternative Investition – vor allem auf lange Sicht
18.07.2026

Wein kann als alternative Geldanlage interessant sein, besonders über längere Zeiträume. Entscheidend sind Herkunft, Lagerung,...

DWN
Unternehmen
Unternehmen Škoda Peaq im Test: Wenn die Reichweite ihrem Namen alle Ehre macht
18.07.2026

Mit dem Škoda Peaq stellt die Marke ihr bislang größtes Elektroauto vor. Der SUV setzt auf hohe Reichweite, viel Innenraum, starke...

DWN
Finanzen
Finanzen Euro-Stablecoins: Wie Europa die Kontrolle über seine Währung verlieren könnte
18.07.2026

Der Euro ist die zweitwichtigste Währung der Welt, doch in der digitalen Finanzwelt spielt er bislang kaum eine Rolle. Während nahezu...

DWN
Politik
Politik NATO-Verteidigungsausgaben: Wer für das neue Fünf-Prozent-Ziel zahlt
18.07.2026

Die NATO rüstet auf wie seit Jahrzehnten nicht mehr, doch zwischen den Mitgliedstaaten liegen Welten. Während Polen und die baltischen...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Das Maschinenherz Deutschlands kommt zum Stillstand: Das Problem ist größer als in der Automobilbranche
18.07.2026

In den meisten Ländern der Europäischen Union wächst die Maschinenproduktion dank einer Investitionswelle. Nicht so in Deutschland. Der...

DWN
Finanzen
Finanzen Marktbericht: „Böse Überraschung“, während der KI-Ausverkauf anhält
17.07.2026

Turbulenzen an den Märkten: Erfahren Sie, welche Kräfte den Technologiesektor jetzt bewegen und wie Experten die Lage einschätzen.

DWN
Politik
Politik Leihmutterschaft: CDU-Politiker fordert Spahns Rücktritt
17.07.2026

Die CDU ist strikt gegen eine Zulassung von Leihmutterschaften. Dass ihr Frontmann im Bundestag nun privat einen anderen Weg gegangen ist,...

DWN
Unternehmensporträt
Unternehmensporträt Upvest: Der unsichtbare Riese hinter Revolut, N26 und Co.
17.07.2026

Die Schnittstellen-Technologie von Upvest etabliert sich zusehends zum Standard im europäischen Wertpapierhandel. Nach N26 und Revolut...