Finanzen

Faktencheck: Von Bargeld geht keine Corona-Infektionsgefahr aus

Ein renommierter Virologe und die Bundesbank bestätigen, dass von Bargeld keine Corona-Infektionsgefahr ausgeht.
30.03.2020 22:55
Aktualisiert: 30.03.2020 22:55
Lesezeit: 2 min
Faktencheck: Von Bargeld geht keine Corona-Infektionsgefahr aus
Eine Frau hält eine Geldbörse mit zahlreichen Banknoten. (Foto: dpa) Foto: Monika Skolimowska

Der Virologe René Gottschalk, der auch Leiter des Gesundheitsamtes Frankfurt am Main ist, sagt, dass von Bargeld keine Corona-Infektionsgefahr ausgeht. “Geldscheine sind besonders geeignet, Krankheitserreger nicht zur Übertragung kommen zu lassen”, zitiert BR24 Gottschalk. Geldmünzen seien erst recht nicht für eine Virus-Erkrankung geeignet, weil “Viren metallische Oberflächen nicht mögen”. Die Commerzbank beruft sich ebenfalls auf die Aussage des Virologen.

Doch auch die EZB sieht das so. Ein EZB-Sprecher sagte dem Sender: “Die Wahrscheinlichkeit einer Ansteckung mit einem Virus über eine Banknote ist im Vergleich zu anderen Oberflächen sehr gering. Im Euroraum leisten die Menschen durchschnittlich 1,2 Barzahlungen pro Tag, so dass es wahrscheinlicher ist, dass sie sich von anderen Gegenständen anstecken, die sie häufiger berühren.”

Bundesbank-Vorstand Johannes Beermann wörtlich: “Wir haben mehr Scheine gedruckt als gebraucht werden”. Ältere und verschmutzte Scheine werden Beermann zufolge immer durch neue Banknoten ausgetauscht. Die besonders häufig verwendeten Fünf- und Zehn-Euro-Scheine seien mit einem zusätzlichen Schutzlack gegen Verschmutzung versehen.

"Das Coronavirus ist zur Begründung für die Abschaffung von Scheinen und Münzen gänzlich untauglich. Die Bundesbank hat gerade erst bekräftigt, dass von Bargeld kein besonderes Ansteckungsrisiko ausgeht. Viel gefährlicher wäre es, wenn unsere Gesellschaft mit der Aufgabe von Bargeld neben der bereits eingeschränkten Versammlungsfreiheit noch mehr Freiheitsrechte verlieren würde. Es bleibt dabei, Bargeld ist geprägte Freiheit, die in einer offenen Gesellschaft nicht zur Disposition stehen darf. Ich fordere daher von den politisch Verantwortlichen ein klares Bekenntnis zum Bargeld – ohne Wenn und Aber", sagte BVMW-Präsident Mario Ohoven den Deutschen Wirtschafts Nachrichten.

Die Berufsgenossenschaft Nahrungsmittel und Gastgewerbe (BGN) wörtlich: "Für Münzen und Geldscheine gilt das gleiche wie bei sonstigen Oberflächen: Aufgrund der geringen Umwelt-Stabilität von Coronaviren erscheint eine Übertragung des Erregers über diese Wege in den meisten Fällen unwahrscheinlich. Übertragungen durch Schmierinfektionen über Oberflächen, die kurz zuvor mit Viren kontaminiert wurden, sind nicht gänzlich auszuschließen. Aus früheren Epidemien mit ähnlich übertragbaren Erregern gibt es keine Hinweise, dass der Umgang mit Bargeld eine relevante Infektionsquelle darstellt. Hinzu kommt, dass der Hauptübertragungsweg eine Tröpfcheninfektion zu sein scheint."

Die Sparkasse teilt mit: "Geldscheine gelten nicht als Übertragungsweg. Es gibt keinerlei Belege dafür, dass das Coronavirus durch Banknoten oder Münzen übertragen wird."

Zuvor hatte die Weltgesundheitsorganisation (WHO), die durch Bill Gates finanziert wird, behauptet, dass Geldscheine möglicherweise das Corona-Virus übertragen. Daher sollte man wenn möglich kontaktlose Bezahlsysteme verwenden, um die Ausbreitung der neuartigen Krankheit zu verhindern. Auf die Frage, ob Banknoten das Coronavirus verbreiten könnten, sagte ein WHO-Sprecher: "Ja, das ist möglich und eine gute Frage. Wir wissen, dass Geld häufig den Besitzer wechselt und alle möglichen Arten von Bakterien und Viren und solche Dinge aufsaugen kann."

Mehr zum Thema
Bleiben Sie über das Thema dieses Artikels auf dem Laufenden Klicken Sie auf [+], um eine E-Mail zu erhalten, sobald wir einen neuen Artikel mit diesem Tag veröffentlichen
Anzeige
DWN
Finanzen
Finanzen Finanzielle Freiheit braucht einen starken Partner

Vermögen eröffnet Möglichkeiten – und bringt zugleich Entscheidungen mit sich: Wie lässt sich das Erreichte bewahren, gezielt...

 

X

DWN-Wochenrückblick

Weniger E-Mails, mehr Substanz: Der DWN-Wochenrückblick liefert 1x/Woche die wichtigsten Themen kompakt als Podcast. Für alle, deren Postfach überläuft.

E-mail: *

Ich habe die Datenschutzerklärung sowie die AGB gelesen und erkläre mich einverstanden.

avtor1
Cüneyt Yilmaz

                                                                                ***

Cüneyt Yilmaz ist Absolvent der oberfränkischen Universität Bayreuth. Er lebt und arbeitet in Berlin.

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft EZB-Leitzinsen: Die Zinswende kommt anders als erwartet
10.10.2026

Erst schien die nächste Zinserhöhung der EZB fast sicher, jetzt rudern die Finanzmärkte zurück. Trotz hartnäckiger Inflation und...

DWN
Finanzen
Finanzen US-Marktbericht: Anleger wägen SpaceX-Schritt ab, während die Wall Street boomt
09.10.2026

Wie ein überraschender Deal die Kräfteverhältnisse an der Börse nachhaltig verschiebt.

DWN
Unternehmensporträt
Unternehmensporträt Finanz Informatik: Der unsichtbare Riese hinter der Sparkassen-Digitalisierung
09.10.2026

Vom Online-Banking bis zu Wertpapiergeschäften – die Finanz Informatik digitalisiert 338 Sparkassen und betreut rund 114 Millionen...

DWN
Politik
Politik Brüssel schlägt vor: weniger Kommissare, weniger Vetos, mehr Schutzklauseln und 15 Jahre Kontrolle neuer Mitglieder
09.10.2026

Die Europäische Kommission will in den bisherigen Mitgliedstaaten Unterstützung für die Erweiterung gewinnen, da dort Sorgen über die...

DWN
Finanzen
Finanzen Investor Felix: Sechs Gründe, warum die Micron-Aktie zum Kauf einlädt
09.10.2026

Das Problem besteht nicht darin, einen Grund für den Kauf zu finden, sondern sich zu vergewissern, dass man davon nicht bereits zu viel im...

DWN
Politik
Politik Per Haftbefehl gesucht: Mehr als 148.000 offene Haftbefehle in Deutschland
09.10.2026

Warum bleiben Tausende Haftbefehle in Deutschland offen? Welche Rolle spielen Ersatzfreiheitsstrafen und die Staatsangehörigkeit dabei?

DWN
Unternehmen
Unternehmen Entstehung eines Mega-Reeders stockt: Israel hat ZIM-Übernahme noch nicht genehmigt
09.10.2026

Hapag-Lloyd will mit der Übernahme von ZIM einen der größten Deals seiner Geschichte abschließen. Doch Israel hat dem 4,2 Milliarden...

DWN
Politik
Politik DWN-Podcast Folge 46: Die Woche im Rückblick – KW 41
09.10.2026

Unser neuer Podcast ist da: Die ganze Woche in wenigen Minuten. Der DWN-Wochenrückblick bringt die Themen, die zählen – eingeordnet,...