Politik

Serbien: Wollte die Regierung Fallschirmjäger gegen Corona-Demonstranten einsetzen?

Ein serbischer Gewerkschafts-Funktionär behauptet, dass die 63. Fallschirmbrigade der serbischen Armee einen Befehl verweigert habe, wonach sie gewaltsam gegen Corona-Demonstranten vorgehen sollte. Doch das Verteidigungsministerium weist diese Behauptung entschieden zurück.
11.07.2020 14:27
Lesezeit: 1 min
Serbien: Wollte die Regierung Fallschirmjäger gegen Corona-Demonstranten einsetzen?
Ein Soldat der 63. Fallschirmbrigade der serbischen Armee. (Foto: www.mod.gov) Foto: Bogdan Petrovic

Dejan Pavlović, der Präsident der Gewerkschaft „Sloga“ im Verteidigungsministerium, bestätigte gegenüber Nova.rs, dass sich die 63. Fallschirmbrigade der serbischen Armee am 8. Juli 2020 geweigert habe, gewaltsam gegen Demonstranten vorzugehen. Die Zeitung Vijesti berichtet, dass es sich dabei um inoffizielle Angaben handeln würde. Das Verteidigungsministerium hat auf diese Behauptung bereits reagiert.

Eine Erklärung des Verteidigungsministeriums besagt, dass die 63. Fallschirmbrigade nicht zur Bekämpfung gewalttätiger Demonstranten bestimmt ist und nie einen Auftrag für etwas Ähnliches erhalten hat. Es sollen nun Untersuchungen gegen Dejan Pavlović stattfinden. „Wir fordern die Medien auf, solche falschen Nachrichten nicht zu verbreiten und sich darüber im Klaren zu sein, dass sie für die Folgen verantwortlich sind, die aufgrund falscher Nachrichten auftreten können“, zitiert Standard.rs das Verteidigungsministerium.

Gewagte Vorwürfe gegen die Regierung

Verteidigungsminister Aleksandar Vulin habe Pavlović zufolge die 63. Fallschirmbrigade in Niš einsetzen wollen, weil vor Ort nicht genügend Sicherheitskräfte vorhanden waren. „Mitglieder der Gendarmerie gingen nach Belgrad und dann wurde die Unterstützung der Streitkräfte angefordert, aber die Mitglieder der 63. Fallschirmbrigade lehnten ab“, so Pavlović. Der Gewerkschafts-Boss meint: „Seine Aussage drängt Serbien in einen Bürgerkrieg. Das Volk ist Teil der Armee und die Armee ist Teil des Volkes (…) Ich fordere noch einmal alle Mitglieder der serbischen Armee auf, einen solchen Befehl abzulehnen (…) Die Verfassung der Republik Serbien definiert klar die Rolle der Streitkräfte sowie ihre Zuständigkeiten. Und die Verfassung Serbiens ist exklusiv und besagt, dass die Armee dazu dient, den Staat vor einem externen Feind zu verteidigen.“

Vulin missbrauche die Armee, um seine eigenen politischen Ambitionen zu verfolgen. „Diesmal drängt der Minister die serbische Armee in einen Krieg gegen sein eigenes Volk (…) Es wäre sehr gefährlich für das Militär, sich verfassungswidrig an der Unterdrückung von Demonstrationen zu beteiligen. Das würde dann bedeuten, dass sie mit all ihrer Ausrüstung, Panzern, Kampffahrzeugen, Munition (…) herauskommen kann. Die Armee ist die Institution, in die das Volk nach der serbisch-orthodoxen Kirche das größte Vertrauen hat, und so sollte es auch bleiben“, meint Pavlović.

Am 10. Juli 2020 hatten Corona-Demonstranten das serbische Parlament gestürmt.

Mehr zum Thema
Bleiben Sie über das Thema dieses Artikels auf dem Laufenden Klicken Sie auf [+], um eine E-Mail zu erhalten, sobald wir einen neuen Artikel mit diesem Tag veröffentlichen
Anzeige
DWN
Finanzen
Finanzen Damit Sie sich auf Ihr Unternehmen konzentrieren können

Ein Unternehmen zu führen, bedeutet, täglich Verantwortung zu übernehmen und Entscheidungen zu treffen. Gleichzeitig soll möglichst...

DWN
Politik
Politik Per Haftbefehl gesucht: Mehr als 148.000 offene Haftbefehle in Deutschland
09.10.2026

Warum bleiben Tausende Haftbefehle in Deutschland offen? Welche Rolle spielen Ersatzfreiheitsstrafen und die Staatsangehörigkeit dabei?

DWN
Unternehmen
Unternehmen Entstehung eines Mega-Reeders stockt: Israel hat ZIM-Übernahme noch nicht genehmigt
09.10.2026

Hapag-Lloyd will mit der Übernahme von ZIM einen der größten Deals seiner Geschichte abschließen. Doch Israel hat dem 4,2 Milliarden...

DWN
Politik
Politik DWN-Podcast Folge 46: Die Woche im Rückblick – KW 41
09.10.2026

Unser neuer Podcast ist da: Die ganze Woche in wenigen Minuten. Der DWN-Wochenrückblick bringt die Themen, die zählen – eingeordnet,...

DWN
Politik
Politik Führerscheinreform: Führerschein könnte bis zu 1.000 Euro günstiger werden
09.10.2026

Wie viel spart man wirklich durch die Führerscheinreform? Verkehrsminister Steffen Bilger nennt erstmals konkrete Zahlen – und erklärt,...

DWN
Finanzen
Finanzen Gold schützt nicht vor jedem Risiko
09.10.2026

Gold gilt als sicherer Hafen – doch wer sein Vermögen schützen will, sollte sich nicht auf ein einziges Edelmetall verlassen....

DWN
Unternehmen
Unternehmen Ökostromanbieter grüüün gibt auf: Was der Lieferstopp für rund 200.000 Kunden bedeutet
09.10.2026

Der Stromversorger grüüün beendet zum 31. Oktober 2026 die bundesweite Belieferung von Privatkunden. Das junge Unternehmen macht...

DWN
Politik
Politik Geheime Gespräche zwischen USA und Russland: Amerikaner wollen bei Nord Stream einsteigen und Gasgewinne teilen
09.10.2026

Hinter den Kulissen wird offenbar über eine Rückkehr von Nord Stream gesprochen. Nach Reuters-Informationen prüfen Vertreter der USA und...

DWN
Unternehmen
Unternehmen Unternehmenspleiten in Deutschland: Höchster Stand seit 2013
09.10.2026

Vor allem kleinere Firmen rutschen in die Zahlungsunfähigkeit. Gläubiger verlieren zwar weniger Geld als im Vorjahr, doch manche Branchen...