Wirtschaft

Immobilien-Deal: Vatikan erhebt schwere Vorwürfe gegen Top-Kardinal

Kardinal Giovanni Angelo Becciu muss wegen einer Untersuchung des Vatikans zurücktreten. Becciu soll eine fragwürdige Immobilien-Investition in London genehmigt haben. Der Deal soll dem Vatikan erhebliche finanzielle Verluste beschert haben.
29.09.2020 14:21
Aktualisiert: 29.09.2020 14:21
Lesezeit: 1 min
Immobilien-Deal: Vatikan erhebt schwere Vorwürfe gegen Top-Kardinal
Rom: Angelo Becciu leitet eine eucharistische Liturgie in der Basilika St. Johannes in Latheran. (Foto: dpa) Foto: Gregorio Borgia

Einer der mächtigsten Kardinäle des Vatikans ist plötzlich zurückgetreten, da derzeit eine Untersuchung des mutmaßlichen Missbrauchs katholischer Wohltätigkeitsfonds für Investitionen in Luxusimmobilien in London durchgeführt wird.

Der Vatikan teilte am Donnerstagabend mit, dass Kardinal Giovanni Angelo Becciu, der italienische Leiter des Kirchenbüros für die Ernennung von Heiligen, nach einem Treffen mit Papst Franziskus seine Rechte als Kardinal aufgegeben habe, berichtet die Financial Times.

Der Sturz einer der mächtigsten Persönlichkeiten des Vatikans ist darauf zurückzuführen, dass die Staatsanwälte des Heiligen Stuhls eine umfassende internationale Untersuchung der Finanzen des Staatssekretariats, des mächtigen Zentralverwaltungsarms des Vatikans, durchführen, in dem Kardinal Becciu von 2011 bis 2018 als Stellvertreter fungierte.

Zu seinen Aufgaben im Sekretariat gehörte die Verwaltung von Spenden in Höhe von Hunderten Millionen Euro durch Katholiken auf der ganzen Welt an die Kirche. In dieser Position genehmigte er 2014 persönlich eine Immobilieninvestition in Höhe von 200 Millionen US-Dollar für ein Bürogebäude, das im Londoner Stadtteil Chelsea in Luxusapartments umgewandelt wurde. An dem Deal war der ehemalige italienischer Bankier Raffaele Mincione beteiligt.

Im vergangenen Jahr durchsuchte die Polizei des Vatikans die Büros ihrer eigenen Zentralverwaltung, beschlagnahmte Dokumente im Zusammenhang mit der Investition in London und suspendierte eine Reihe von Mitarbeitern, die im Sekretariat gearbeitet hatten, darunter auch den ehemaligen Sekretär von Kardinal Becciu.

Der Heilige Stuhl sagte später, er glaube, der Londoner Deal habe ihm erhebliche finanzielle Verluste beschert. Anfang dieses Jahres verhaftete und beschuldigte der Vatikan Gianluigi Torzi, einen in London ansässigen Geschäftsmann, der als Vermittler des komplexen Londoner Immobiliengeschäfts fungierte, wegen „Erpressung, Unterschlagung, verschärften Betrugs und Geldwäsche“. Torzi, der vor seiner Freilassung mehr als eine Woche im Vatikan festgehalten wurde, hat jegliches Fehlverhalten bestritten.

Mehr zum Thema
article:fokus_txt
DWN
Politik
Politik Brandenburgs SPD zieht Reißleine: Aus für Koalition mit BSW - Wie geht es weiter?
07.01.2026

Die bundesweit einzige SPD/BSW-Koalition in Brandenburg ist gescheitert. Ministerpräsident Dietmar Woidke (SPD) erklärte die Koalition in...

DWN
Politik
Politik Generalsanierung von Schloss Bellevue steht bevor - Kosten unklar
07.01.2026

Im März müssen Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier und rund 220 Mitarbeiter des Bundespräsidialamts ausziehen. Es steht eine...

DWN
Panorama
Panorama Lebensmittelpreise steigen: Warum sich immer mehr Deutsche Sorgen machen
07.01.2026

Die Preise im Supermarkt ziehen weiter an, und viele Haushalte kommen kaum hinterher. Eine neue Forsa-Umfrage zeigt, wie stark steigende...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Wenn der Agent einkauft: Wie KI den Onlinehandel 2026 zerbombt
07.01.2026

Der europäische E-Commerce steht vor einem tiefgreifenden technologischen und regulatorischen Umbruch. Wie verändern KI-gestützte...

DWN
Finanzen
Finanzen US-Börsen: Künstliche Intelligenz hält Wall Street auf Rekordkurs
07.01.2026

Die US-Aktienmärkte stiegen am Dienstag, gestützt durch künstliche Intelligenz, auf neue Rekordhochs, während Investoren auf die...

DWN
Finanzen
Finanzen Inflation 2025: Preise steigen weiter in Deutschland
06.01.2026

Die Inflation in Deutschland hat 2025 im Jahresschnitt 2,2 Prozent erreicht. Nach der hohen Teuerungswelle der vergangenen Jahre entspannt...

DWN
Politik
Politik Trump droht Kolumbien und Mexiko
06.01.2026

Die Aussagen aus Washington signalisieren eine neue Eskalationsstufe in der US-Politik gegenüber Lateinamerika. Droht daraus eine...

DWN
Politik
Politik Lobbyregister: Finanzbranche lobbyiert mit Hunderten Vertretern im Bundestag
06.01.2026

Das Lobbyregister zeigt, wer im Bundestag versucht, Politik zu beeinflussen. Eine Auswertung zeigt: Die Finanzbranche setzt viel Geld ein.