Unternehmen

Autozulieferer Leoni bleibt in roten Zahlen, meldet aber Erfolge

Der angeschlagene Autozulieferer kommt nicht aus der Verlustzone. Immerhin kommt der Nürnberger Kabel- und Bordnetzspezialist mit seinem Sparprogramm, in dessen Zuge rund 2000 Stellen gestrichen werden, schneller voran als erwartet.
11.11.2020 09:56
Aktualisiert: 11.11.2020 09:56
Lesezeit: 2 min
Autozulieferer Leoni bleibt in roten Zahlen, meldet aber Erfolge
Der Kabel- und Bordnetzspezialist Leoni ist in diesem Jahr bereits zweimal vor dem Zusammenbruch gerettet worden. (Foto: dpa) Foto: Daniel Karmann

Trotz einer leichten Erholung hat der ohnehin angeschlagene Autozulieferer Leoni auch im dritten Quartal unter den Folgen der Corona-Krise gelitten und tiefrote Zahlen geschrieben. Unter dem Strich stand ein Fehlbetrag von 52 Millionen Euro, wie das im Nebenwerteindex SDax notierte Unternehmen am Mittwoch in Nürnberg mitteilte. Ein Jahr zuvor hatte Leoni einen Verlust von 88 Millionen Euro eingefahren, das Minus konnte also zumindest etwas eingedämmt werden. Aktuell steckt Leoni im Umbau.

Während der Umsatz im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um rund 8 Prozent auf 1,06 Milliarden Euro sank, verzeichneten die Franken auch operativ einen weiteren Verlust. Das um Sondereffekte und Umbaukosten bereinigte Ergebnis vor Zinsen und Steuern (bereinigtes Ebit) lag bei minus 8 Millionen Euro. Der Fehlbetrag fiel damit aber geringer aus als das Minus von 15 Millionen Euro vor einem Jahr.

Konzernchef Aldo Kamper verdeutlichte, dass die Situation in Anbetracht des aktuellen Infektionsgeschehens extrem fragil bleibe und die Pandemie Leoni auch in den kommenden Monaten vor große Herausforderungen stellen werde. Wegen der anhaltenden Risiken durch Covid-19 traut sich der Konzern eine präzise Prognose für das laufende Geschäftsjahr nach wie vor nicht zu.

Auf der Handelsplattform Tradegate lag die Leoni-Aktie nach den Nachrichten rund 1 Prozent im Plus im Vergleich zum Xetra-Schlusskurs des Vortages. Im laufenden Jahr haben die Titel rund 40 Prozent an Wert eingebüßt, auf längere Sicht sieht es mit einem Minus von rund 90 Prozent in den zurückliegenden drei Jahren noch deutlich schlechter aus.

Mit Blick auf das laufende Spar- und Umbauprogramm, in dessen Zuge rund 2000 Stellen gestrichen werden, konnte Leoni dagegen Positives vermelden. So seien die Maßnahmen zur Erreichung des angepeilten Bruttokosteneinsparungsziels von jährlich 500 Millionen Euro ab dem Jahr 2022 bereits zum Ende des abgelaufenen dritten Quartals umgesetzt und damit deutlich früher als ursprünglich geplant, hieß es. Dennoch seien die Effekte des Programms von der Volumenentwicklung und auch von möglichen weiteren negativen Folgen durch Covid-19 abhängig.

Auch der freie Barmittelzufluss (Free Cashflow) entwickelte sich positiv. Nachdem im Vorjahr noch ein Minus von 10 Millionen Euro zu Buche stand, war der Free Cashflow nun mit plus 64 Millionen Euro wieder positiv. Die Kennziffer ist vor allem für Investoren und Analysten wichtig, da sie Aufschluss über die Finanzkraft eines Unternehmens gibt. Ist sie negativ, wird quasi Geld verbrannt.

Ungeachtet dessen betonte Leoni, dass die bisherige Erholung des Automarktes zwar den Annahmen des Sanierungskonzeptes entspreche. Doch obwohl es im dritten Quartal in gleich mehreren Märkten sogar eine raschere Erholung als zunächst angenommen gegeben habe, sei die weitere Automarkt-Entwicklung in Anbetracht des dynamischen weltweiten Infektionsgeschehens "mit erheblichen Unsicherheiten" behaftet.

Im dritten Jahresviertel waren die Umsätze sowohl in der Bordnetzsparte (WSD) als auch in der Kabelsparte (WCS) jeweils rückläufig. Während sich Leoni künftig auf die zwar größere, zuletzt aber klar defizitäre Bordnetzsparte konzentrieren will, plant der Konzern schon seit Mitte 2019 den Verkauf der kleineren Kabelsparte. Von der Bordnetzsparte verspricht sich Leoni perspektivisch mehr Rendite.

Zu einem möglichen Verkauf oder auch einem im Raum stehenden Teilverkauf der Kabelsparte, der zwischenzeitlich wegen der Turbulenzen an den Finanzmärkten auf Eis gelegt war, gab es zunächst nur wenig Neues. Das Teilverkauf-Szenario werde weiterverfolgt, zudem liefen Vorbereitungen, um Einheiten selbstständig aufzustellen, teilte Leoni knapp mit. Im Sommer hatte Kamper gesagt, dass Investoren zwischenzeitlich Interesse für einzelne Teilbereiche der Sparte signalisiert hätten.

Leoni befindet sich seit geraumer Zeit in schwierigem Fahrwasser. Zur Autoflaute und teils hausgemachten Problemen kam 2020 dann mit voller Wucht die Corona-Pandemie hinzu. Eine staatlich verbürgte Kreditlinie in Höhe von 330 Millionen verschaffte dem Unternehmen zuletzt zumindest ein Stück weit Luft. Konzernchef Kamper wird nicht müde zu betonen, dass das Unternehmen auf dem richtigen Weg sei und die Sanierung gelingen werde.

Mehr zum Thema
Bleiben Sie über das Thema dieses Artikels auf dem Laufenden Klicken Sie auf [+], um eine E-Mail zu erhalten, sobald wir einen neuen Artikel mit diesem Tag veröffentlichen
Anzeige
DWN
Finanzen
Finanzen Damit Sie sich auf Ihr Unternehmen konzentrieren können

Ein Unternehmen zu führen, bedeutet, täglich Verantwortung zu übernehmen und Entscheidungen zu treffen. Gleichzeitig soll möglichst...

 

DWN
Finanzen
Finanzen US-Märkte: Wall Street uneinheitlich vor Beginn der Berichtssaison
12.10.2026

Spannung an den US-Börsen: Erfahren Sie, welche entscheidenden Faktoren und Quartalszahlen die Märkte aktuell bewegen.

DWN
Politik
Politik Kritische Rohstoffe: EU startet 46 neue Projekte, doch die alten scheitern
12.10.2026

Europa will sich aus Chinas Rohstoffklammer befreien. Dafür bringt Brüssel 46 neue strategische Projekte auf den Weg, die Investitionen...

DWN
Politik
Politik Putin ist erfolgreicher, als uns lieb sein kann: Analyst weist auf großen Fehler der NATO hin
12.10.2026

Sabotage, Drohnen und Angriffe auf Infrastruktur: Nach Einschätzung des Russland-Experten Mason Clark verfolgt der Kreml damit ein...

DWN
Politik
Politik Er verlor den Kampf um die Macht gegen Trump und Vance: Jetzt warnt er seine Partei
12.10.2026

Tim Walz hat die Niederlage von 2024 noch nicht abgehakt. Im Interview erklärt der frühere Vizepräsidentschaftskandidat, warum die...

DWN
Finanzen
Finanzen McDonalds-Aktie: Ausverkauf an der Börse – haben die Anleger die Burger satt?
12.10.2026

Die McDonalds-Aktie ist auf den niedrigsten Stand seit vier Jahren gefallen und hat innerhalb von neun Monaten fast ein Drittel ihres...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft EU-Handelskompromiss mit China: Was der Deal Deutschland bringt
12.10.2026

Nach wochenlangen Spannungen haben sich die Europäische Union und China auf erste konkrete Schritte zur Entschärfung ihres...

DWN
Politik
Politik Trumps überraschende Entscheidung, russischen Kraftstoff in die USA zu importieren, sorgt weltweit für Aufsehen
12.10.2026

Donald Trumps Vereinbarung mit Russland zeigt den wachsenden Druck, die Kraftstoffpreise zu senken, und markiert einen deutlichen...

DWN
Finanzen
Finanzen Goldreserven wachsen rasant: China kauft so viel Gold wie seit drei Jahren nicht
12.10.2026

Die chinesische Zentralbank ist auf dem besten Weg, bei den Goldreserven an den Zentralbanken Frankreichs und Italiens vorbeizuziehen. Nach...