Politik

Merkel 2019 in Wuhan: Wir wünschen uns mehr chinesische Investitionen in Deutschland

Angela Merkel besuchte im September 2019 die chinesische Stadt Wuhan. Dort teilte sie der Kommunisten-Führung Chinas mit, dass sie sich mehr chinesische Investitionen in Deutschland wünsche. Ob es sich dabei um reine Übernahmen deutscher Unternehmen durch Chinesen handeln soll, ließ sie offen.
24.05.2021 17:16
Lesezeit: 2 min

Im September 2019 befand sich Kanzlerin Angela Merkel auf einem Staatsbesuch in China. Ihr Besuch konzentrierte sich auf die Stadt Wuhan. Aus einer Meldung der Bundesregierung geht hervor, wie sehr sich Merkel massive chinesische „Investitionen“ in Deutschland wünscht.

Mehr zum Thema: Zur Wahrung unserer Freiheit: Vorschläge für eine neue transatlantische Eindämmungs-Politik

Am 7. September veröffentlichte die Bundesregierung eine Mitteilung, die den Titel „Kanzlerin wirbt für Multilateralismus“ trägt. Die Mitteilung wird unkommentiert wiedergegeben:

„China habe sich in den letzten Jahrzehnten rasant weiterentwickelt, viele Chinesen hätten den Weg aus der Armut gefunden. "Mit dem wirtschaftlichen Gewicht Chinas ist zugleich aber auch seine globale Verantwortung gewachsen", betonte Bundeskanzlerin Angela Merkel bei ihrem Besuch der Huazhong Universität für Wissenschaft und Technik in Wuhan.

Gemeinsam statt allein

Veränderungen zum Guten seien möglich, so die Kanzlerin weiter. Das könne aber nicht in Alleingängen gelingen. "Mehr denn je müssen wir deshalb multilateral statt unilateral denken und handeln, global statt national, weltoffen statt isolationistisch, kurzum: gemeinsam statt allein."

Die Globalisierung verlange im Kern "ein Bewusstsein gemeinsamer Verantwortung, von dem wir uns leiten lassen sollten". Besonders offenkundig sei das beim Klimawandel.

Treffen mit dem Ministerpräsidenten

Zum Auftakt ihrer Reise am Freitag hatte Kanzlerin Merkel zunächst in Peking Ministerpräsident Li Keqiang zu einem Gespräch getroffen. Merkel sprach sich für ein baldiges Ende des Zollstreits zwischen China und den USA aus. Sie betonte, Chinas Handelskonflikt mit den USA wirke sich auf die gesamte Welt aus, auch auf deutsche Firmen. "Deshalb hat Deutschland ein großes Interesse an einem funktionierenden multilateralen Handel, an einer starken WTO, aber auch an starken bilateralen Handelsbeziehungen", sagte die Kanzlerin.

Konflikt in Hongkong friedlich lösen

Thema des Gesprächs war auch der Konflikt in Hongkong. Merkel warb für eine friedliche Lösung: Es müsse in der jetzigen Situation alles daran gesetzt werden, Gewalt zu vermeiden. Sie begrüßte in diesem Zusammenhang die Ankündigung der Hongkonger Regierung, das geplante Auslieferungsgesetz mit China formell zurückzunehmen. Es gebe Anzeichen, dass die Regierungschefin in Hongkong nun einen Dialog ermögliche.

Wirtschaftsbeziehungen intensivieren

In Peking nahm die Kanzlerin außerdem an der Sitzung des Beratenden Ausschusses der Deutsch-Chinesischen Wirtschaft teil, der sich in diesem Jahr zum sechsten Mal traf. Dort sprach sie sich für mehr Investitionen chinesischer Firmen in Deutschland aus. Diese seien eingeladen, weiter in Deutschland zu investieren, sagte Merkel. In diesem Zusammenhang wies sie außerdem auf die Notwendigkeit eines Investitionsschutzabkommens zwischen der EU und China hin.

Abkommen und Vereinbarungen unterzeichnet

Bei einer Unterzeichnungszeremonie wurden in Peking elf Abkommen unterzeichnet. Darunter sind Vereinbarungen in den Bereichen der Luftfahrttechnik und der Schifffahrt, der Elektromobilität und der Energie, der Versicherung, der digitalen Bildung und der Finanzierung. Außerdem wurden Abkommen zum vernetzten Fahren und der Vermeidung und Verwertung von Müll geschlossen.

Gespräche in Peking und Wuhan

Bei einem Abendessen auf Einladung des chinesischen Staatspräsidenten Xi Jinping am Freitagabend ging es um die deutsch-chinesischen Beziehungen und die "umfassende strategische Partnerschaft" zwischen beiden Ländern. Daneben hat Kanzlerin Merkel an der Abschlusssitzung des Deutsch-Chinesischen Dialogforums (DCDF) teilgenommen und das Unternehmen ZF-Powertrain besucht. Am Samstag traf Merkel außerdem mit Vertretern der Provinzregierung zusammen und besuchte das Deutsch-Chinesische Freundschaftskrankenhaus, das Tongji-Krankenhaus. Gegründet im Jahr 1900 von einem deutschen Arzt in China ist das Krankenhaus ein gutes Beispiel der Zusammenarbeit beider Länder.

Letzter Anlaufpunkt ihrer Reise war der Besuch und Rundgang durch das Unternehmen Webasto - einem deutschen Automobilzulieferer.“

Mehr zum Thema
Bleiben Sie über das Thema dieses Artikels auf dem Laufenden Klicken Sie auf [+], um eine E-Mail zu erhalten, sobald wir einen neuen Artikel mit diesem Tag veröffentlichen
X

DWN-Wochenrückblick

Weniger E-Mails, mehr Substanz: Der DWN-Wochenrückblick liefert 1x/Woche die wichtigsten Themen kompakt als Podcast. Für alle, deren Postfach überläuft.

E-mail: *

Ich habe die Datenschutzerklärung sowie die AGB gelesen und erkläre mich einverstanden.

DWN
Finanzen
Finanzen US-Märkte im Überblick: Aktien unter Druck und Renditen steigen an turbulentem Handelstag
09.09.2026

Erfahren Sie, welche geopolitischen Ereignisse und überraschenden Kursbewegungen die Wall Street heute in Atem hielten.

DWN
Politik
Politik Chinas plötzliche Ölwende nach ungewöhnlichem Preisgefälle
09.09.2026

Der Ölpreis steigt nach neuen Spannungen am Persischen Golf. Gleichzeitig erhöht China wieder seine Rohölimporte und exportiert mehr...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft EZB-Leitzins-Prognose: Lagarde droht der Fehler von 2011
09.09.2026

Die nächste Zinserhöhung der EZB gilt beinahe als ausgemacht. Doch ausgerechnet die Erfahrung von 2011 zeigt, wie riskant ein solcher...

DWN
Unternehmen
Unternehmen Ist Axelera AI Europas Antwort auf Nvidia? Gründer Fabrizio Del Maffeo fürchtet, dass der Kontinent wieder denselben Fehler macht
09.09.2026

Europa mangelt es weder an Forschern, Ingenieuren noch an guten Ideen, meint Fabrizio Del Maffeo. Das Problem entsteht, wenn daraus große...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Carlsberg setzt auf Pepsi: Bier allein reicht nicht mehr
09.09.2026

Bei Carlsberg steht ausgerechnet eine amerikanische Limonade inzwischen vor der eigenen Kernmarke. Pepsi ist zum zweitgrößten Brand des...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Zollstreit zwischen USA und Kanada eröffnet deutschen Firmen neue Chancen
09.09.2026

Der Zollstreit zwischen den USA und Kanada spitzt sich zu und zwingt Ottawa zur wirtschaftlichen Neuorientierung. Deutsche Unternehmen...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Gefährliche Mängel: Rund 20 Prozent der Nutzfahrzeuge fallen beim TÜV durch
09.09.2026

Fast 3,9 Millionen Nutzfahrzeuge sind in Deutschland angemeldet. Das Durchschnittsalter ist in den vergangenen Jahren gestiegen – mit...

DWN
Finanzen
Finanzen Salus-Aktie: Dieser Börsenstar muss sein Wachstum erst beweisen
09.09.2026

Mehr als 2.000 Prozent Rendite in zehn Jahren, stark steigende Gewinne und eine beeindruckende Übernahmebilanz: Die Salus-Aktie gehört zu...