Finanzen

IWF und Notenbanken erwägen Schlag gegen dezentrale Kryptowährungen

Der IWF und die Notenbanken halten nichts von dezentralen Kryptowährungen. Stattdessen unterstützen sie die Einführung von digitalen Notenbankwährungen, wodurch eine Kontrolle der Bürger durch zentrale Instanzen möglich wäre.
07.04.2021 14:52
Aktualisiert: 07.04.2021 14:52
Lesezeit: 3 min
IWF und Notenbanken erwägen Schlag gegen dezentrale Kryptowährungen
Die dezentralen Kryptowährungen könnten bald in Bedrängnis kommen. (Foto: dpa)

Aus einem IWF-Bericht geht hervor, dass dezentrale Kryptowährungen wie Bitcoin nicht unbedingt positiv bewertet werden dürfen.

„Derzeit sind Krypto-Assets zu volatil und zu riskant, um eine große Bedrohung für Fiat-Währungen darzustellen. Darüber hinaus genießen sie aus Sicht der Bürger nicht das gleiche Vertrauen wie Fiat-Währungen: Sie wurden von berüchtigten Fällen von Betrug, Sicherheitsverletzungen und Betriebsstörungen heimgesucht und mit illegalen Aktivitäten in Verbindung gebracht (…) Einige Krypto-Assets wie Bitcoin weisen im Prinzip ein begrenztes Inflationsrisiko auf, da das Angebot begrenzt ist. Es fehlen ihnen jedoch drei wichtige Funktionen, die stabile Währungsregime erfüllen sollen: Schutz vor dem Risiko einer strukturellen Deflation, die Fähigkeit, flexibel auf vorübergehende Schocks auf die Geldnachfrage zu reagieren und damit den Konjunkturzyklus zu glätten, und die Fähigkeit, als Kreditgeber zu fungieren“, heißt es in dem IWF-Bericht aus dem Jahr 2016.

Da immer mehr Länder digitale Zentralbankwährungen (CBDC) ausgeben oder entwickeln, wird die Aussicht auf eine digitale Währung als Teil des Mainstream-Finanzwesens zunehmend zur Realität. Der IWF fasst mittlerweile die Verwendung von CBDC als Reservewährung ins Auge. Das geht aus einem IWF-Papier hervor, das im November 2020 veröffentlicht wurde. Mit einem Anteil von 61 Prozent an den globalen Reserven dominiert der US-Dollar derzeit die internationalen Reserven. Ein CBDC, das von Ländern ausgegeben wird, die bereits in der Reservekategorie dominieren, könnte ihre Währungen noch leistungsfähiger machen und die Nachfrage nach ihnen erhöhen, argumentiert der IWF.

„Mit anderen Worten, ein digitaler Dollar kann genauso mächtig werden wie sein Fiat-Äquivalent, wenn nicht sogar mächtiger“, so „Investopedia“. Die Autoren des IWF-Papiers schreiben, dass eine solche digitale Reservewährung aufgrund der Glaubwürdigkeit mehrerer Zentralbanken, Erfolg haben könnte. „Computerwoche“ definiert CBDC mit den folgenden Worten: „Bei Central Bank Digital Currency (CBDC) handelt es sich im Gegensatz zu einer Kryptowährung um digitales Zentralbankgeld, welches die gleichen Tauscheigenschaften wie das bekannte Fiatgeld aufweist. Je nach Modell kann es sich jedoch maßgeblich von Fiatgeld unterscheiden. Dieses digitale Geld ist reguliert und verhält sich nicht wie teilweise hoch volatiles, auf Distributed Ledger Technology (DLT) basierendes Kryptogeld. Mittels CBDC sinken die Geldbeschaffungskosten, Bezahlvorgänge zwischen Maschinen – über sogenannte Smart Contracts initiiert – werden rechtssicher und auf die kleinsten Werteinheiten aufteilbar (Stichwort ,Micropayment‘). Geldwäsche wird quasi unmöglich. Zentralisierte IT-Lösungen ermöglichen hier bereits Transfers.“

Die EZB-Chefin Christine Lagarde und weitere Währungshüter hatten zuvor mehrmals Kritik an dezentralen Kryptowährungen geübt. Beispielsweise wäre ein digitaler Euro aus ihrer Sicht eine Antwort auf privatwirtschaftliche Initiativen wie Bitcoin oder das maßgeblich von Facebook getragene Projekt Libra. Der große Unterschied: Im Gegensatz zu anderen Kryptowährungen stünde ein digitaler Euro unter Aufsicht einer Zentralbank, die die Stabilität der Währung sichert.

Im aktuellen Fiat-Geldsystem gilt die Notenbank als zentrale Instanz. Durch die Reform in Richtung der Einführung von CBDC würde die Notenbank als zentrale Instanz der jeweiligen CBDC beibehalten werden. Somit könnte die jeweilige Notenbank eine enorme Kontrolle über die jeweilige CBDC ausüben – doch ganz digital. Der „Weser Kurier“ wörtlich: „Bargeld kann man heute noch in die Hand nehmen. Das Girokonto bei der Bank wird jetzt zwar auch schon per Computer geführt, ebenso wie die Überweisungen zu anderen Konten digital abgewickelt werden. Die Buchungen sind dabei aber auf den Zentralrechnern der Institute gespeichert, die die Zahlungen garantieren. Das ist ein Unterschied zu den neuen, digitalen Zahlungsmitteln. Deren Buchungsvorgänge werden nicht nur in wenigen Rechenzentren dokumentiert, sondern dezentral auf Millionen Computern weltweit. „Distributed Ledger“ heißt deshalb die zugrunde liegende Technologie („verteilte Register“). Eine Variante ist die Blockchain-Technik, die unter anderem beim Bitcoin zum Einsatz kommt. Das gleichzeitige Ablegen in vielen Speichern gilt als neuer Weg, die Buchungen automatisiert vergleichbar und relativ fälschungssicher zu machen. Allerdings erwägt die EZB ebenfalls ein Verfahren, bei dem die Zahlungsströme des digitalen Euro auf zentralen Rechnern dokumentiert werden.“

Eine unkontrollierte, dezentrale Währung mit anonymisierten Zahlungsvorgängen ist offenbar nicht im Interesse der Notenbanken. Der IWF und viele Banken halten nichts von Investoren, die auf dezentrale Kryptowährungen setzen, weil sie große Geldsummen auf die Bank einzahlen und diese dann an eine „Wallet“ oder einen Broker weiterleiten, der sie in Bitcoin umwandelt.

Eine Kriminalisierung der dezentralen Kryptowährungen steht offenbar bevor. Im Jahr 2018 hatte die damalige IWF-Chefin Christine Lagarde diesen Schritt offen angedeutet. Das geht aus einem Bericht der „BBC“ hervor.

Heute ist sie Präsidentin der EZB und mächtiger denn je.

Mehr zum Thema
Bleiben Sie über das Thema dieses Artikels auf dem Laufenden Klicken Sie auf [+], um eine E-Mail zu erhalten, sobald wir einen neuen Artikel mit diesem Tag veröffentlichen
DWN
Finanzen
Finanzen US-Börsen: Neuer Tiefstand an der Wall Street, Hoffnung auf Zinssenkungen erloschen
19.03.2026

Die US-Börsen beendeten den Handelstag am Donnerstag im roten Bereich, da sprunghaft gestiegene Ölpreise und restriktive Signale der...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Iran-Krieg und steigende Gaspreise: Braucht Deutschland eine nationale Gasreserve?
19.03.2026

Der Iran-Krieg treibt die Gaspreise nach oben, während Deutschlands Gasspeicher deutlich leerer sind als im Vorjahr. Wirtschaftsministerin...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Gastronomie in Deutschland: Insolvenzen erreichen Rekordniveau
19.03.2026

Steigende Preise, sinkende Nachfrage und wachsende Insolvenzen setzen Restaurants und Bars massiv unter Druck. Selbst staatliche...

DWN
Politik
Politik Zwischen Anspruch und Realität: Die Rückkehr der Kriegswirtschaft und das Erbe der Abrüstung
19.03.2026

Während des Kalten Kriegs gab es detaillierte Pläne für die deutsche Wirtschaft im Krisenfall, in den 1990ern wurden diese weitgehend...

DWN
Finanzen
Finanzen EZB-Zinsentscheid: Europäische Zentralbank belässt Leitzins für die Eurozone unverändert – trotz Inflationsrisiken
19.03.2026

Mit dem aktuellen EZB-Zinsentscheid sendet die Notenbank ein klares Signal – vorerst keine Änderung beim EU-Leitzins. Doch steigende...

DWN
Finanzen
Finanzen DAX-Kurs aktuell mächtig unter Druck: Ölpreis sorgt für neue Unsicherheit – DAX rutscht weiter ab
19.03.2026

An der Börse aktuell dominieren Unsicherheit und Verluste: Der DAX-Kurs fällt deutlich, während der Ölpreis weiter steigt. Inflation...

DWN
Politik
Politik USA-Einreise: Kaution auf 15.000 Dollar ausgeweitet – diese 50 Länder sind betroffen
19.03.2026

Neue Hürden bei der USA-Einreise sorgen für Unsicherheit: Eine USA-Kaution von 15.000 Dollar wird für immer mehr Länder Pflicht. Doch...

DWN
Immobilien
Immobilien Immobilienförderung: Wie neue Bauförderungen die Deutschen zum Hausbau motivieren sollen
19.03.2026

Die Bundesregierung hat sich bezahlbares Wohnen mit Rotstift auf die Fahne geschrieben. Nach Erlass des Bauturbos sollen auch neue oder...