Technologie

Chinas digitale Zentralbankwährung wird ein Ablaufdatum haben

Chinas Notenbank ist mit den Tests ihrer digitalen Währung weit vorangeschritten. Aus der neuen Technologie ergeben sich für die Behörden des Landes ganz neue Möglichkeiten der Kontrolle von Finanzen und Wirtschaft.
13.04.2021 13:00
Lesezeit: 2 min

Vor über 1000 Jahren führten die Chinesen als erste Kultur weltweit das Papiergeld ein, nachdem sie als erste Kultur das Papier und den Druck erfunden hatten. Nun ist China erneut globaler Vorreiter bei der Einführung einer digitalen Zentralbankwährung. Doch diese bahnbrechende Technologie ermöglicht nicht nur mehr Effizienz, sondern verschafft den Behörden auch eine noch nie dagewesene Macht über Wirtschaft und Finanzen der Bürger. Zudem stellt die neue Technologie die Vorherrschaft des US-Dollar als mächtige globale Reservewährung in Frage.

Digitale Zentralbankwährung gehen weit über das hinaus, was den Bürgern heute bereits an digitalen Zahlungsmitteln zur Verfügung steht. Denn zwar haben die weit verbreiteten digitalen Zahlungsmittel wie Bankkarten und Handy-Apps das Bargeld überflüssig gemacht und in vielen Bereichen auch de facto schon ersetzt. Doch bei diesen verbreiteten digitalen Zahlungsmitteln handelt es sich nur um verschiedene Möglichkeiten, die existierenden Währungen zu überweisen. Bei digitalen Zentralbankwährungen hingegen geht es um eine ganz neue Art von Währung.

China arbeitet bereits seit vielen Jahren an seinem geplanten digitalen Yuan, der von der Notenbank des Landes ausgegeben und kontrolliert werden wird. Und die flächendeckende Einführung rückt mit großen Schritten näher. So haben China und Hongkong die neue Währung kürzlich bereits erfolgreich in der grenzüberschreitenden Nutzung getestet. Es wird erwartet, dass der digitale Yuan Chinas Regierung weitreichende neue Werkzeuge bietet, um die Wirtschaft und die Bürger des Landes zu kontrollieren und zu überwachen.

Die Bürger haben sich mit der schleichenden Abschaffung des Bargelds immer mehr daran gewöhnt, dass alle ihre Finanztransaktionen irgendwo digital aufgezeichnet werden. Doch die Möglichkeiten einer digitalen Zentralbankwährung gehen weit darüber hinaus, die Einkäufe und Überweisungen der Bürger zu überwachen. Denn digitale Zentralbankwährungen sind programmierbares Geld, woraus sich für die Notenbank ganz neue Möglichkeiten ergeben, zum Beispiel die problemlose Implementierung von Negativzinsen.

Das Wall Street Journal schreibt im Hinblick auf die Möglichkeiten des digitalen Yuan: "Die chinesische Regierung setzt Hunderte von Millionen Kameras zur Gesichtserkennung ein, um die Bevölkerung zu überwachen, und nutzt sie manchmal, um Bußgelder für Dinge wie das regelwidrige Überqueren der Straße zu erheben. Eine digitale Währung würde es ermöglichen, Bußgelder zu verteilen und zu kassieren, sobald eine Übertretung entdeckt wurde."

Doch digitale Zentralbankwährungen können noch viel mehr. Das Wall Street Journal schreibt. "Das Geld selbst ist programmierbar. Peking hat Verfallsdaten getestet, um die Nutzer dazu zu bringen, dass sie ihr Geld schnell ausgeben, dieses Mittel dient für Zeiten, in denen die Wirtschaft [nach Ansicht der Zentralbanker. Anm. d. Red.] eine Starthilfe braucht." Wenn Zentralbanker bisher den Konsum ankurbeln wollten, so konnten sie nur die Kreditkosten senken, um Bürger und Unternehmen mit billigem geborgtem Geld zu versorgen.

Der digitale Yuan oder Renminbi wird mithilfe einer mobilen App genutzt, die dasselbe Bild von Mao Zedong zeigt, das auch auf den chinesischen Banknoten zu sehen ist. Im Rahmen der Praxistests der letzten Monaten haben mehr als 100.000 Chinesen die Handy-App der Notenbank heruntergeladen und mit dem darauf bereitgestellten Geld bei teilnehmenden Einzelhändlern bezahlt, darunter chinesische Filialen von Starbucks und McDonald's. Auch Mitgliedsbeiträge der kommunistischen Partei konnten mit den digitalen Yuan beglichen werden.

China zufolge soll der digitale Yuan zunächst eine Zeit lang parallel zum geltenden Bargeld eingeführt werden. Doch Insider gehen davon aus, dass das Bargeld letztlich der neuen Technologie ganz wird weichen müssen. Und auch die weitverbreiteten chinesischen Zahlungsplattformen werden nach dem Willen der Notenbank erhebliche Marktanteile an den digitalen Yuan verlieren. Der Überwachung mithilfe des digitalen Yuan und Dingen wie einem Verfallsdatum für Guthaben werden jedoch Schranken gesetzt durch Chinas Willen, die Währung international attraktiv zu machen.

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