Deutschland

Mediziner warnen vor Corona-Alarmismus - "unverantwortlich"

Während manche Ärzte vor möglichen Versorgungsengpässen warnen, kritisieren andere Ärzte, der Corona-Alarmismus sei nicht durch die tatsächlichen Zahlen gestützt.
21.04.2021 09:30
Aktualisiert: 21.04.2021 09:30
Lesezeit: 1 min
Mediziner warnen vor Corona-Alarmismus - "unverantwortlich"
Im Infektionszimmer für Covid-19-Patienten auf der Interdisziplinären internistischen Intensivtherapiestation (ITS) der Universitätsmedizin Rostock arbeitet eine Pflegekraft an einem Patienten im künstlichen Koma. (Foto: dpa) Foto: Bernd Wüstneck

Ärzte und Kliniken warnen angesichts der hohen Zahl von Covid-19-Patienten auf deutschen Intensivstationen vor verschärften Engpässen bei der Versorgung anderer Patienten. "Wenn sich die Infektionslage in den nächsten Wochen nicht entspannt, werden viele Kliniken an den Punkt kommen, dass sie Operationen nicht nur um ein paar Wochen, sondern um Monate verschieben müssen", sagte der Hauptgeschäftsführer der Deutschen Krankenhausgesellschaft (DKG), Gernot Gaß, den Zeitungen der Funke Mediengruppe (Mittwoch).

90 Prozent der Kliniken stellten aktuell mehr als 10 Prozent der Eingriffe zurück, 50 Prozent sogar mehr als 20 Prozent. Bei einzelnen Eingriffen, zum Beispiel beim Hüftgelenksersatz, würden im Schnitt schon wieder 40 Prozent abgesagt, so Gaß. "Je länger die dritte Pandemiewelle dauert, desto massiver werden die Engpässe bei planbaren Eingriffen."

Ähnlich äußerte sich die Deutsche Krebsgesellschaft. "Wenn sich die Infektionslage weiter verschärft, werden die Wartezeiten auf planbare Operationen in den kommenden Wochen noch deutlich zunehmen", sagte Präsident Thomas Seufferlein den Funke-Zeitungen. "Ich möchte nicht von Triage sprechen, aber viele Kliniken müssen jetzt priorisieren."

Krebspatienten, deren Zustand medizinisch stabil sei, müssten bereits jetzt häufig zwei oder drei Wochen länger auf ihren Eingriff warten. Bei einigen Tumorerkrankungen könne das zu Verschlechterungen führen, warnte Seufferlein. In jedem Fall sei eine solche Verzögerung psychisch belastend für Patienten, die gerade eine Krebsdiagnose bekommen hätten.

Führende Intensivmediziner zeigten sich ebenfalls besorgt. Bereits jetzt seien in vielen Kliniken nur noch zehn Prozent der Intensivbetten frei, oft also nur ein einziges Bett. "Wenn wir deutlich über 6000 Covid-Intensivpatienten kommen, ist im gesamten Krankenhaus nur noch Krisenmedizin möglich", sagte Gernot Marx, Präsident der Deutschen Interdisziplinären Vereinigung für Intensiv- und Notfallmedizin (Divi), den Funke-Zeitungen.

Andere Mediziner warnten vor Alarmismus. "Wir sind und waren zu keiner Zeit am Rande unserer Kapazitäten", sagte Thomas Hermann Voshaar, Chefarzt der Lungenklinik Bethanien Moers, der "Bild" (Mittwoch). "Der Alarmismus der Intensivmediziner der Divi ist unverantwortlich und unverhältnismäßig." Er sei durch die tatsächlichen Zahlen nicht gestützt. "Nicht mal ein Viertel der 22.000 Intensivbetten in Deutschland sind mit Covid-19-Patienten belegt."

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