Panorama

Kinder und Jugendliche erhalten wohl ab Sommer Biontech-Impfstoff

Der Impfstoff von Biontech steht vor der Zulassung auch für Kinder und Jugendliche. Doch der Präsident des Kinderärzte-Verbands spricht sich gegen Massenimpfungen in Impfzentren oder Schulen aus.
11.05.2021 16:41
Aktualisiert: 11.05.2021 16:41
Lesezeit: 2 min
Kinder und Jugendliche erhalten wohl ab Sommer Biontech-Impfstoff
Eine Helferin nimmt eine fertige Spritze mit dem Impfstoff von Biontech Pfizer im Corona Impfzentrum Messe Berlin aus dem Tablett. (Foto: dpa) Foto: Michael Kappeler

Die Zulassung des Impfstoffs von Biontech/Pfizer ab 12 Jahren in den USA rückt die Corona-Impfung von Kindern und Jugendlichen auch in Deutschland weiter ins Blickfeld. Die US-Arzneimittelbehörde FDA ließ das Präparat des deutschen Herstellers und seines US-Partners auch für Kinder und Jugendliche im Alter von 12 bis 15 Jahren zu. In Deutschland wollen die Länder innerhalb der nächsten drei Wochen Impfpläne für Jugendliche aufstellen. Der Verband der Kinder- und Jugendärzte wandte sich gegen die dabei erwogenen Reihenimpfungen.

Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) bekräftigte, dass bis zum Ende der Sommerferien den 12- bis 18-Jährigen in Deutschland ein Impfangebot gemacht werden soll. In den USA teilte die FDA mit, die bereits bestehende Notfallzulassung zur Verabreichung ab 16 Jahren sei erweitert worden. Behördenchefin Janet Woodcock sagte, Eltern und Erziehungsberechtigte könnten sicher sein, dass die Behörde alle verfügbaren Daten streng und gründlich geprüft habe. US-Präsident Joe Biden sprach von «einer vielversprechenden Entwicklung in unserem Kampf gegen das Virus».

Vor den USA hatten schon Kanada und andere Länder den Impfstoff auch für 12- bis 15-Jährige freigegeben. Bei der europäischen Zulassungsbehörde EMA liegt ein entsprechendes Gesuch vor. Die Leiterin Emer Cooke sagte im «Handelsblatt», die Behörde habe ein Paket mit Informationen über den Biontech/Pfizer-Impfstoff für 12- bis 15-Jährige erhalten. «Wir haben am 30. April mit der Prüfung begonnen.» Im Moment sei Juni das Ziel für die Zulassung. «Wir versuchen, ob wir dies bis Ende Mai beschleunigen können.»

Bund und Länder hatten vergangene Woche mitgeteilt, dass sie Impfungen für über 12-Jährige während der Sommerferien vorbereiten. Die Länder wollen - jeweils für sich - bis Ende Mai Konzepte erstellen. Möglich sein könnten etwa Einladungen in die Impfzentren oder Reihenimpfungen in den Schulen. Der Bund will die nötigen Impfdosen sicherstellen. Für Erst- und Zweitimpfung dieser Jahrgänge sind in Deutschland etwa zehn Millionen Dosen notwendig.

Die Kinderärzte in Deutschland lehnen Reihenimpfungen ab. «Massenimpfungen in Impfzentren oder Schulen halte ich eher für kontraproduktiv», sagte der Präsident des Berufsverbands der Kinder- und Jugendärzte (BVKJ), Thomas Fischbach, der «Ärzte Zeitung» (Mittwoch). Nötig sei vertrauensvolle Beratung. Zwar seien in der Welt Millionen Menschen ohne signifikanten Schäden geimpft, und Kinder hätten immunologisch auch keinen anderen Aufbau als Erwachsene. Der Verbandspräsident sagte aber: «Ein Nullrisiko gibt es nie.» Letztlich sei es immer eine Nutzen-Risiko-Abwägung, die zusammen mit den Sorgeberechtigten getroffen werden müsse.

Spahn sagte, bis zum Ende der Sommerferien könnten alle 12- bis 18-Jährigen ein Angebot bekommen und mindestens eine Impfung erhalten, idealerweise schon beide. Dann könne auch der Schulbetrieb nach den Sommerferien wieder normaler beginnen.

Biontech/Pfizer hatten vor einigen Wochen mitgeteilt, dass eine klinische Studie in der Altersgruppe von 12 bis 15 Jahren in den USA eine Wirksamkeit von 100 Prozent gezeigt habe. Die Impfung sei zudem auch gut vertragen worden. Die Nebenwirkungen hätten jenen in der Altersgruppe von 16 bis 25 Jahren entsprochen. Biontech und Pfizer untersuchen zudem die Wirkung und Sicherheit ihres Corona-Impfstoffs bei Kindern zwischen sechs Monaten und 11 Jahren. Biontech geht nach eigenen Angaben davon aus, dass belastbare Daten dazu bis September verfügbar sein werden. Auch andere Corona-Impfstoffe werden derzeit an Kindern und Jugendlichen getestet.

Laut Biontech ist die Dosis für die älteren Kinder und Jugendlichen unverändert zur Dosis für Personen ab 16 Jahren: 30 Mikrogramm. Bei den Jüngeren zwischen 6 Monaten bis 11 Jahren evaluiere Biontech zur Zeit die Dosierung zwischen 3, 10 und 20 Mikrogramm in einer klinischen Studie.

Ältere Menschen ermutigte Spahn, Impfungen der Hersteller Astrazeneca und Johnson & Johnson nicht abzulehnen. «Ich kann tatsächlich nur appellieren an über 60-Jährige, die ein Astrazeneca oder Johnson-&-Johnson-Impfangebot bekommen, es auch anzunehmen. Die Impfstoffe sind sehr gut und sehr wirksam, gerade bei Älteren zum Teil sogar wirksamer als Biontech», sagte er.

Angesichts zunehmender Versuche von Impfwilligen, sich mit falschen Angaben eine vorzeitige Impfung zu verschaffen, gibt es unterdessen den Ruf nach Strafen. «Zwar werden Tausende erwischt, aber es fehlt an Sanktionen», sagte der Vorstand der Deutschen Stiftung Patientenschutz, Eugen Brysch. «Sich beim Impfen vorzudrängen, ist weiterhin keine Ordnungswidrigkeit.»

Viele Impfzentren klagen nach einem Medienbericht über Aggressivität von Impfwilligen und zunehmende Versuche, sich eine vorzeitige Impfung zu erschleichen. Das ARD-Politikmagazin «Report Mainz» berichtete von mehreren tausend Fällen.

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