Finanzen

Neues Zeitalter: Startschuss für den epochalen „Great Reset“ des Finanzsystems

Lesezeit: 4 min
15.06.2021 22:52
Das internationale Finanzsystem, das durch billiges Geld der Zentralbanken überflutet wurde, steht vor dem Kollaps, weil es marode ist. Der „Great Reset“ des Finanzsystems zur Schaffung einer neuen Währungsordnung beginnt. Die Welt geht einer „Schöpferischen Zerstörung“ entgegen.
Neues Zeitalter: Startschuss für den epochalen „Great Reset“ des Finanzsystems
Auf das Finanzsystem kommt eine „Schöpferische Zerstörung“ zu. (Foto: dpa)

Mehr zum Thema:  
Benachrichtigung über neue Artikel:  

Am 18. März 2021 veröffentlichte die „Financial Times“ einen Artikel unter der Überschrift „Time for a great reset of the financial system“ („Zeit für einen ,Great Reset‘ des Finanzsystems“).

Die wichtigsten Abschnitte des Artikels sollen wörtlich wiedergegeben werden, um auf einige Artikel der Deutschen Wirtschaftsnachrichten hinzuweisen, die sich seit dem vergangenen Jahr mit der „Great Reset“-Initiative im Zusammenhang mit dem Finanzsystem beschäftigen.

Die FT berichtet: „Im Durchschnitt halten internationale Währungssysteme etwa 35 bis 40 Jahre, bevor die Spannungen, die sie erzeugen, zu groß werden und ein neues System erforderlich ist. Vor dem ersten Weltkrieg existierten große Volkswirtschaften auf einem harten Goldstandard. In den Kriegen kehrten die meisten Volkswirtschaften zu einem ,halbharten' Goldstandard zurück. Am Ende des Zweiten Weltkriegs wurde ein neues internationales System entworfen – die Bretton-Woods-Ordnung – mit dem Dollar an Gold und andere wichtige Währungen an den Dollar gebunden wurden. Als das Anfang der 1970er Jahre zusammenbrach, ging die Welt zu einem Fiat-System über, in dem der Dollar nicht durch einen Rohstoff gedeckt und daher nicht verankert war. Dieses System hat nun das Ende seiner Nützlichkeit erreicht.“

Über dieses Faktum hatten die Deutschen Wirtschaftsnachrichten mit Verweis auf den IWF in einem Beitrag vom 9. November 2020 berichtet. Es wurde die IWF-Chefin Kristalina Georgieva zitiert, die durchgehend einen neuen „Bretton Woods-Moment“ ankündigt. „Ich möchte mit einem Beispiel aus der Vergangenheit schließen. William Beveridge legte mitten im Zweiten Weltkrieg 1942 seinen berühmten Bericht vor, in dem er projizierte, wie Großbritannien das angehen sollte, was er die ,fünf riesigen Übel‘ nannte. Dieser berühmte ,Beveridge Report‘ führte nach dem Krieg zu einem besseren Land - einschließlich der Schaffung des National Health Service, der heute in Großbritannien so viele Menschenleben rettet. Zu dieser Zeit wurde auch meine Institution, der IWF, gegründet - auf der Bretton Woods-Konferenz. Jetzt ist also der Moment gekommen, um die Seite umzublättern - und alle Kraft zu nutzen, die wir haben. Im Falle des IWF verfügen wir über eine finanzielle Kapazität von einer Billion Dollar und ein enormes politisches Engagement. Das ist der Moment, um zu entscheiden, dass die Geschichte darauf als ,Great Reset‘ und nicht als ,Great Reversal‘ zurückblicken wird. Und ich möchte sagen - laut und deutlich -, dass das beste Denkmal, das wir für diejenigen errichten können, die bei der Pandemie ihr Leben verloren haben, darin besteht, eine Welt zu schaffen, die grüner, intelligenter und gerechter ist“, so Georgieva. In einer nahezu prophetischen Rede hatte Georgieva im Juni 2020 einen „Great Lockdown“ erwähnt, der zur „Great Transformation“ der Weltwirtschaft führen soll (Mehr HIER).

Die FT wörtlich: „Ein Verständnis der Treiber des 30-jährigen Schulden-Superzyklus veranschaulicht die Müdigkeit des Systems. Dazu gehört die unendliche Liquidität, die von den Geschäfts- und Zentralbanken im Rahmen dieses ankerlosen internationalen Währungssystems geschaffen wurde. Dieser Prozess wurde von globalen Regulierungsbehörden und Zentralbanken unterstützt, die die Geldmengenziele und das Geldmengenwachstum weitgehend ignoriert haben.“

Dieses Problem hatten die Deutschen Wirtschaftsnachrichten immer wieder angesprochen. In einem Beitrag vom 27. März 2021 heißt es: „Möglicherweise haben die geldpolitischen Exzesse der Europäischen Zentralbank (EZB) gar nicht das Wohl der Gesellschaft zum Ziel. Was, wenn die Dauer-Nullzinspolitik nur die Anzahl der Banken reduzieren soll? Was, wenn durch die immer größer werdenden Geldmengen Finanzkrisen erst erzeugt werden sollen – damit die EZB als vermeintlicher Retter in der Not auftrumpfen und auf diese Weise noch mächtiger werden kann?“

Ein weiterer Beitrag unter dem Titel „Die Welt erstickt in Schulden: Jetzt müssen die Zentralbanken die Inflation erzwingen - sonst drohen Staatsinsolvenzen und Unruhen“ beschäftigt sich mit den Auswirkungen der Schuldenkrise auf die Gesellschaften.

Die FT führt aus: „Jetzt ist ein guter Zeitpunkt für die großen Volkswirtschaften des Westens (und idealerweise der Welt), sich zusammenzusetzen und eine neue internationale Währungsordnung zu erarbeiten. Als Teil davon sollte ein umfassender Schuldenerlass erfolgen, insbesondere der von den Zentralbanken gehaltenen Staatsschulden. Wir schätzen, dass sich dies in den wichtigsten Regionen der Weltwirtschaft auf etwa 25 Billionen US-Dollar beläuft (…) Ob der Schuldenerlass darüber hinausgeht, sollte im Mittelpunkt der Verhandlungen zwischen den politischen Entscheidungsträgern über die Konstruktion des neuen Systems stehen – idealerweise eine Art Schuldenjubiläum (…) Die Rekapitalisierung von Teilen des Finanzsystems sollte in den Aufbau der neuen internationalen Währungsordnung aufgenommen werden.“

Diesbezüglich wurden mehrere Artikel veröffentlicht. Unter anderem „IWF kündigt Beginn eines neuen Finanz-Zeitalters an“, „Größter Umbruch seit dem Zweiten Weltkrieg: IWF wird neues Währungssystem einleiten“, „Finanzieller ,Reset‘ kommt: Warum der Goldstandard das Fiat-Geldsystem ersetzen muss“ und „Goldstandard und digitaler Dollar: Der ,Great Reset‘ wird ein neues Geldsystem schaffen“.

Die FT wörtlich: „Ebenso müssen die Auswirkungen auf das Vorsorgevermögen berücksichtigt und vorbereitet werden. Zweitens sollten die politischen Entscheidungsträger eine Art Anker aushandeln – sei es die gegenseitige Bindung der Währungen, die Bindung an eine zentrale elektronische Währung oder vielleicht elektronische Sonderziehungsrechte, die vom IWF geschaffenen internationalen Währungsreserven (…) die Fähigkeit der Zentralbanken und Geschäftsbanken, unendlich viel Liquidität und neue Schulden zu schaffen. Dies hat etwas spekulative Volkswirtschaften geschaffen, die übermäßig auf billiges Geld (ob Hypothekenschulden oder andere) angewiesen sind, das dann serielle Vermögenspreisblasen finanziert hat. Während Vermögenspreisblasen im Laufe der Geschichte ein allgegenwärtiges Merkmal gewesen sind, haben ihre Größe und Häufigkeit in den letzten Jahrzehnten zugenommen. Wie die Fed in ihrer Umfrage von 2018 berichtete, wuchs jede wichtige Anlageklasse in den 20 Jahren von 1997 bis 2018 im Jahresdurchschnitt schneller als das nominale BIP. Das ist auf Dauer weder gesund noch nachhaltig (…) Mit einem Liquiditätsanker wird sich die Weltwirtschaft dann einem saubereren kapitalistischen Modell nähern, bei dem die Finanzmärkte zu ihrer primären Rolle der Preisfindung und Kapitalallokation auf der Grundlage der wahrgenommenen Fundamentaldaten (und nicht des Liquiditätsniveaus) zurückkehren. Das Wachstum sollte dann weniger auf die Schaffung von Schulden und mehr auf Produktivitätsgewinne, globalen Handel und Innovation angewiesen sein. In diesem Umfeld sollte die Einkommensungleichheit zurückgehen, da die Gewinne aus dem Produktivitätswachstum breiter geteilt werden. Der Hauptgrund dafür, dass viele westliche Volkswirtschaften jetzt übermäßig von Konsum, Schulden und Immobilienpreisen abhängig sind, liegt in der Struktur der nationalen und internationalen Währungs- und Finanzarchitektur. Ein Great Reset bietet daher die Möglichkeit, (einen Anschein von) wirtschaftlicher Fairness in westlichen und anderen Volkswirtschaften wiederherzustellen.“

Auf diese umfassende Problematik waren die Deutschen Wirtschaftsnachrichten unter anderem in den Artikeln „Corona-Prognose: Der ,IMF Coin‘ wird die neue Leitwährung der Welt“, „IWF-Urteil von ,Bretton Woods‘: Digitale Zentralbankwährungen werden das Bargeld abschaffen“, „Digitale Zentralbankwährungen auf dem Vormarsch - mit Unterstützung von PayPal“ und „China treibt Einführung des digitalen Yuan als Weltwährung voran – die EZB muss schnell reagieren“ eingegangen.

Die Ausführungen der FT setzen allerdings voraus, dass es an den Börsen zu einem Crash kommt. Ohne ein Crash an den Börsen, an denen durch die massive expansive Geldpolitik der Zentralbanken eine Spekulationsblase entstanden ist, wäre eine Neuordnung des Finanzsystems nicht möglich. Denn die von der FT umschriebene Misere, die durch die Zentralbanken ausgelöst wurde, zeigt sich insbesondere an den US-Börsen ganz deutlich. Eine „Schöpferische Zerstörung“ ist offenbar unerlässlich.


Mehr zum Thema:  

DWN
Finanzen
Finanzen Ist Bitcoin das bessere Gold?
27.02.2024

Dank der neuen ETFs fließen immer größere Summen in Bitcoin – neue Preisrekorde sind schon in Sicht. Gold bleibt dagegen trotz hoher...

DWN
Unternehmen
Unternehmen Signa-Pleite: Sind 680 Millionen Euro Steuergelder für Galeria Karstadt Kaufhof futsch?
27.02.2024

Die Folgen der Pleite von Signa und des Immobilienimperiums rund um den österreichischen Investor Réne Benko zieht weitere Kreise....

DWN
Immobilien
Immobilien Heizungsförderung 2024: Anträge für den Heizungstausch ab heute möglich
27.02.2024

Bis zu 70 Prozent Förderung gibt es vom Staat für eine neue klimafreundlichere Heizung. Ab heute können entsprechende Anträge bei der...

DWN
Technologie
Technologie Deshalb könnte sich der Wasserstoff-Hype als Blase herausstellen
27.02.2024

Wasserstoff sorgt weltweit als saubere Energiequelle für Aufmerksamkeit. Doch nun mehren sich Stimmen, die vor einer potenziellen Blase...

DWN
Technologie
Technologie Studie: Autozulieferer und Ladenetz Einfallstor für Hackerangriffe
27.02.2024

Die Elektroautobranche wird vom US-amerikanischen Konzern Tesla und dem chinesischen Autobauer BYD bestimmt. Deutsche Autobauer hinken aus...

DWN
Panorama
Panorama GfK: Deutsche Verbraucher bleiben sparsam
27.02.2024

Sparen hat derzeit bei deutschen Verbrauchern oberste Priorität. Das ergab die neueste Erhebung der Marktforschungsinstitute GfK und NIM....

DWN
Finanzen
Finanzen DAX-Rekordhoch: Neue historische Bestmarke für den deutschen Leitindex
27.02.2024

Nach zuletzt drei historischen Bestmarken des DAX in Folge ist die Rekordjagd am Dienstag nicht zu stoppen. Im frühen Handel notierten die...

DWN
Unternehmen
Unternehmen Tonies SE: Eine deutsche Erfolgsgeschichte erobert die Welt
27.02.2024

Anfang Februar gab Tonies die vorläufigen Geschäftszahlen für das abgelaufene Jahr bekannt, die mit einem Umsatzwachstum von 39 Prozent...