Deutschland

Porsche baut Batteriezellen, bei Erfolg konzernweiter Einsatz

Der Sportwagenbauer Porsche steigt in die Produktion von Batteriezellen für leistungsstarke Sportwagen ein und könnte die Technik im Erfolgsfall im Volkswagen-Konzern ausrollen.
21.06.2021 16:37
Aktualisiert: 21.06.2021 16:37
Lesezeit: 2 min
Porsche baut Batteriezellen, bei Erfolg konzernweiter Einsatz
Winfried Kretschmann, Ministerpräsident von Baden-Württemberg, am Montag bei der Bekanntgabe der Investition in eine Batteriezellen-Fabrik von Porsche und Costumcells. (Foto: dpa) Foto: Bernd Weissbrod

Porsche-Chef Oliver Blume will die mit einem Partner entwickelten Hochleistungs-Batteriezellen später auch einmal in Serienfahrzeuge einbauen. Das sagte Blume am Montag im baden-württembergischen Weissach bei der Vorstellung der Pläne für eine Batteriefabrik, die voraussichtlich in Tübingen entsteht. Die Produktion soll im Jahr 2024 beginnen. Die geplante Fabrik soll einmal eine Kapazität von 100 Megawattstunden pro Jahr erreichen. Das seien Batteriezellen für 1000 Autos, beispielsweise für Fahrzeuge im Bereich des Motorsports oder Sondermodelle.

Der Staat fördert das Vorhaben mit 60 Millionen Euro an Steuergeldern. Zwei Drittel der Summe kommt vom Bund, ein Drittel vom Land. Der baden-württembergische Ministerpräsident Winfried Kretschmann (Grüne) sagte, von dem Bau der Fabrik gehe ein starkes Signal aus. An Baden-Württemberg gehe bei der Batterie kein Weg vorbei.

An dem neuen Gemeinschaftsunternehmen Cellforce Group hält Porsche 83,75 Prozent der Anteile und den Rest die Fraunhofer-Ausgründung Customcells aus Itzehoe in Schleswig-Holstein, hieß es. Die Idee für die Fertigung hatte laut Mitteilung die Stuttgarter Unternehmensberatung P3 Group. Sie hatte das Konzept entwickelt und mit Customcells den Förderantrag gestellt. Die Unternehmensberatung stieg aber wieder aus, weil sie unabhängig am Markt agieren wolle. Porsche investiere in die neue Firma eine hohe zweistellige Millionensumme, sagte Blume. Er schloss auch nicht aus, dass die Hochleistungs-Batteriezelle auch einmal im Volkswagenkonzern zum Einsatz kommen könnte. Im Jahr 2025 sollen in Tübingen bis zu 80 Personen beschäftigt sein.

Tübingens Oberbürgermeister Boris Palmer (Grüne) sagte, man werde alles tun, um die rechtlichen Probleme um das Grundstück für die geplante Fabrik schnell zu lösen. Als Zellentwicklungspartner ist das Chemieunternehmen BASF dabei. Die geplante Fabrik sei nicht Teil der geplanten sechs Batteriezellwerke von Volkswagen, sagte Blume weiter. Im März hatte VW angekündigt, in Europa bis 2030 mit Partnern insgesamt sechs Batteriezellwerke hochziehen zu wollen, um den steigenden Bedarf zu decken. Die vier weiteren Standorte neben Salzgitter und Skellefteå in Schweden stehen offiziell noch nicht fest, entsprechende Beratungen laufen zurzeit.

Varta liefert künftig Hochleistungsbatterien an Porsche

Der schwäbische Batteriehersteller Varta beliefert den Sportwagenbauer Porsche künftig mit Hochleistungsbatterien. Das berichtete das "Handelsblatt" am Montag vorab unter Berufung auf Varta. Porsche erklärte der Zeitung zufolge, die VW-Tochter könne je nach Ausprägung verschiedener Fahrzeug- oder Entwicklungsprojekte durchaus mit zwei oder mehr Batterielieferanten zusammenarbeiten. Dies hänge davon ab, welcher Partner für ein bestimmtes Projekt die beste Expertise besitze. Mit welchen Partnern welche Projekte realisiert würden, wolle Porsche zu gegebener Zeit bekanntgeben. Laut "Handelsblatt" könnte die sogenannte V4Drive-Batterie von Varta, die innerhalb von nur wenigen Minuten vollständig geladen werden könne, beim Modell Taycan oder auch der Sportwagenikone 911 zum Einsatz kommen.

Varta hatte im Frühjahr erklärt, künftig Zellen für die Elektromobilität herstellen zu wollen. Das neue Produkt mit dem Namen V4Drive solle zum Ende des Jahres am Stammsitz des Konzerns in Ellwangen auf einer Pilotlinie produziert werden.

Mehr zum Thema
Bleiben Sie über das Thema dieses Artikels auf dem Laufenden Klicken Sie auf [+], um eine E-Mail zu erhalten, sobald wir einen neuen Artikel mit diesem Tag veröffentlichen
DWN
Politik
Politik Was soll künstliche Intelligenz, wenn sich die EU nicht einmal auf den Saftkarton einigen kann?
25.08.2026

Europa will bei künstlicher Intelligenz mit den USA und China konkurrieren. Doch im eigenen Binnenmarkt scheitern Unternehmen noch immer...

DWN
Politik
Politik Milliardenloch bei der Arbeitslosenversicherung: Kommen höhere Beiträge?
25.08.2026

Im Juli gab es über drei Millionen Menschen, die arbeitslos gemeldet sind. Damit liegt die Arbeitslosenquote bei 6,4 Prozent. Tendenz...

DWN
Unternehmen
Unternehmen Bei VW wächst der Druck auf Blume
25.08.2026

Bei Volkswagen wächst die Unruhe: Tausende Jobs und vier Werke stehen auf dem Spiel, doch die Belegschaft fühlt sich vom Vorstand im...

DWN
Finanzen
Finanzen KI-Aktien: Investoren suchen jetzt Gewinner in China und kaufen diese Werte
25.08.2026

Mit dem chinesischen Aktienmarkt sind mehrere Risiken verbunden. Doch zwei Schwergewichte unter den Investoren sehen in Chinas...

DWN
Finanzen
Finanzen Eli Lilly, Novo Nordisk & Co.: Superpillen werden die Wirtschaft verändern - doch wer verdient daran?
25.08.2026

Medikamente zur Gewichtsregulierung gelten als einer der größten Wachstumsmärkte der kommenden Jahrzehnte. GLP-1-Präparate könnten...

DWN
Immobilien
Immobilien Steuerfalle Immobilienerbe: Entscheidend ist der Todestag
25.08.2026

Der Umzug war vorgesehen, die Wohnung sollte bald zum gemeinsamen Zuhause werden. Doch dann starb der Eigentümer unerwartet. Seine Witwe...

DWN
Technologie
Technologie Elon Musk und die KI: Wer regiert bald die Welt?
25.08.2026

Elon Musk warnt vor KI, Bürgerkrieg und dem Aufstieg neuer Supermächte – doch zugleich verkörpert er selbst die beispiellose Macht der...

DWN
Finanzen
Finanzen Deutz-Aktie: Analysten sehen noch viel Luft nach oben
25.08.2026

Die Deutz-Aktie springt auf ein Dreimonatshoch – und zwei Analysten sehen noch deutlich mehr Potenzial. Die geplante FFG-Übernahme...