Technologie

Infineon nimmt Betrieb in neuer Chip-Fabrik auf

Der Technologiekonzern Infineon verstärkt seine Kapazitäten auf dem hart umkämpften Chip-Markt mit einer neuen Fabrik im österreichischen Villach.
23.09.2021 09:00
Aktualisiert: 23.09.2021 09:50
Lesezeit: 2 min
Infineon nimmt Betrieb in neuer Chip-Fabrik auf
Reinhard Ploss, Vorstandsvorsitzender der Infineon-AG, spricht während der Internationalen Automobil-Ausstellung (IAA Mobility) während der Podiumsveranstaltung mit dem Thema „Autonomous and electric: Microelectronics is a central Element of the Automotive Future“. (Foto: dpa) Foto: Matthias Balk

Der Halbleiterkonzern Infineon setzt große Hoffnungen in seine neue Chipfabrik im österreichischen Villach. Die Nachfrage sei jedenfalls groß: „Die Kunden reißen uns die Chips aus der Hand, das Timing ist perfekt“, sagte Infineon-Vorstand Jochen Hanebeck. Rund 1,6 Milliarden Euro hat das Werk gekostet.

Das gesamte Projekt mit Forschung und Entwicklung wird vom Bund mit rund 100 Millionen Euro gefördert, das Geld kommt aus einem 150 Millionen Euro schweren Programm für Mikroelektronik. Derzeit herrscht im Gefolge der Corona-Krise ein globaler Chipmangel, der ganze Industrieproduktionen bremst. Die von Infineon in Villach und Dresden produzierten Leistungshalbleiter (Energiesparchips) werden etwa in Solaranlagen, Windkraftwerken oder in der Elektromobilität eingesetzt und sollen dabei helfen, die CO2-Einsparungsziele zu erreichen.

Die Entscheidung zur Investition in ein neues Werk richte sich nicht nach der Höhe der Förderung, aber eine Subvention helfe natürlich im „global extrem verzerrten Wettbewerb“, sagte Infineon-Chef Reinhard Ploss. Sowohl die USA als auch Südkorea und China investierten sehr viel in den Ausbau ihrer Halbleiterindustrie. Den Infineon-Standort Villach bezeichnete Ploss als „Wurzel der Leistungshalbleiterei“. Durch die neue Produktion seien 400 hochqualifizierte Arbeitsplätze im IT-, Elektronik- und Technik- und Ingenieursbereich entstanden, von denen der Großteil schon besetzt sei, sagte Infineon-Österreich-Chefin Sabine Herlitschka.

Auch ein weiterer Ausbau wäre in Villach möglich, Ploss hielt sich zu der Frage aber bedeckt. Zunächst müssten die Kapazitäten der Fabrik voll aufgebaut werden, das werde einige Jahre dauern. Der Konzern wolle jährlich um 9 Prozent wachsen, derzeit sei das Wachstum viel höher. „Diese Halle wird die Zielsetzung wesentlich unterstützen“, so der Infineon-Boss.

Künftig soll die Villacher 300-mm-Dünnwafer-Fabrik mit der Infineon-Fabrik in Dresden zu einer virtuellen Mega-Fabrik zusammengeschlossen werden. Dann könne man besser auf die Bedürfnisse der Kunden reagieren, kündigte Hanebeck an. Beide Fabriken zusammen hätten im Endausbau ein Umsatzpotenzial von 5 Milliarden Euro jährlich.

Die Produktion in der neuen Chipfabrik ist bereits im August angelaufen, vergangene Woche wurden die ersten Produkte weggeschickt. Nun werden schrittweise weitere Maschinen im Reinraum in Betrieb genommen. Im Volleinsatz soll die neue Fabrik 2 Milliarden Euro mehr Umsatz pro Jahr bringen. Ursprünglich waren 1,8 Milliarden Euro pro Jahr erwartet worden, dies wurde nun nach oben hinaufgeschraubt.

Die Entscheidung zum Bau der Fabrik war bereits im Jahr 2018, also vor der aktuellen Chipkrise, gefallen, die Investition hat strategische Gründe. Derzeit sind Halbleiter international Mangelware, es kommt zu Produktionsverzögerungen und Lieferproblemen, insbesondere Autowerke müssen ihre Bänder stoppen.

Villach ist im Konzern das Kompetenzzentrum für Leistungshalbleiter und Leistungselektronik. Die Fertigung der Chips erfolgt auf 300-Millimeter-Dünnwafern, die mit 40 Mikrometern dünner als ein menschliches Haar sind. In Villach wurde die Fertigung von Leistungshalbleitern auf 300-Millimeter-Dünnwafern vor rund zehn Jahren entwickelt, die dann am Infineon-Standort Dresden in den vergangenen Jahren zur vollautomatisierten Volumenfertigung ausgebaut wurde. Die Nutzung dieser Technologie bringe aufgrund des größeren Scheibendurchmessers Produktivitätsvorteile und reduziere den Kapitaleinsatz, so das Unternehmen.

Chip-Mangel: Autobranche entgehen hunderte Milliarden

Der anhaltende Chipmangel droht für die globale Autoindustrie einer Studie zufolge nochmals deutlich teurer zu werden als bisher gedacht. Wegen der fehlenden Halbleiter dürften der Branche dieses Jahr Einnahmen in Höhe von 210 Milliarden US-Dollar (179 Milliarden Euro) entgehen, prognostizierte die Beratungsfirma Alix Partners in einer am Donnerstag vorgelegten Studie.

Im Mai war AlixPartners davon ausgegangen, dass die Automobilhersteller aufgrund des Chipmangels Fahrzeuge im Wert von 110 Milliarden US-Dollar nicht produzieren können. Bereits dies habe deutlich über der Schätzung von Ende Januar in Höhe von 61 Milliarden US-Dollar gelegen, hieß es.

Auch der Produktionsausfall wird voraussichtlich deutlich größer sein. Demnach werden dieses Jahr wohl 7,7 Millionen Fahrzeuge weniger produziert als geplant. Im Mai hatte Alix Partners einen Ausfall von 3,9 Millionen Fahrzeugen prognostiziert.

So hatte der japanische Autobauer Toyota Mitte September mitgeteilt, im bis Ende März 2022 laufenden Geschäftsjahr 300 000 weniger Autos produzieren zu können. Und Daimler-Vorstandschef Ola Källenius erwartet erst 2023 eine deutliche Entspannung der Lage in der Branche.

Mehr zum Thema
Bleiben Sie über das Thema dieses Artikels auf dem Laufenden Klicken Sie auf [+], um eine E-Mail zu erhalten, sobald wir einen neuen Artikel mit diesem Tag veröffentlichen
Anzeige
DWN
Wirtschaft
Wirtschaft EU Single Rulebook: Warum der 10. Juli 2027 für Banken zum wichtigen Stichtag wird

Die europäische Geldwäschebekämpfung wird mit einem grundlegenden Wandel konfrontiert. Mit der Anti-Money Laundering Regulation (AMLR)...

X

DWN-Wochenrückblick

Weniger E-Mails, mehr Substanz: Der DWN-Wochenrückblick liefert 1x/Woche die wichtigsten Themen kompakt als Podcast. Für alle, deren Postfach überläuft.

E-mail: *

Ich habe die Datenschutzerklärung sowie die AGB gelesen und erkläre mich einverstanden.

DWN
Technologie
Technologie Daimler Truck investiert groß in Wasserstoff-Lkw
10.09.2026

Während viele Hersteller beim Wasserstoff zurückstecken, investiert Daimler Truck weiter kräftig in die Technologie. Der Konzern setzt...

DWN
Politik
Politik Öl gibt es genug. Warum ist Diesel dann rekordteuer?
10.09.2026

Der Ölpreis ist hoch, aber nicht auf Rekordniveau. Trotzdem ist Diesel so teuer wie nie. Der Grund liegt nicht allein beim Rohöl, sondern...

DWN
Politik
Politik Neuer Umfragedämpfer bringt Bundeskanzler Merz weiter unter Druck: CDU stürzt in Mecklenburg-Vorpommern ab
10.09.2026

Nach dem Wahldebakel in Sachsen-Anhalt wächst der Druck auf Friedrich Merz. Schwache Umfragewerte in Mecklenburg-Vorpommern und ein...

DWN
Unternehmen
Unternehmen VW-Aktie im Fokus: Volkswagen drohen bis zu 16 Milliarden Euro Umbaukosten
10.09.2026

Der geplante Sparkurs bei Volkswagen hat einen hohen Preis: Bis zu 16 Milliarden Euro könnten Stellenabbau und mögliche...

DWN
Finanzen
Finanzen EZB-Zinsentscheid: EZB erhöht Zinsen auf 2,5 Prozent
10.09.2026

EZB-Zinsentscheid: Die EZB erhöht den Einlagenzins auf 2,5 Prozent – und rechnet trotzdem noch Jahre mit erhöhter Inflation. Während...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft EZB-Leitzins-Prognose: Lagarde droht der Fehler von 2011
10.09.2026

Die nächste Zinserhöhung der EZB gilt beinahe als ausgemacht. Doch ausgerechnet die Erfahrung von 2011 zeigt, wie riskant ein solcher...

DWN
Technologie
Technologie Warum jeder vierte Deutsche aufs E-Auto umsteigen will
10.09.2026

Deutschland zeigt überraschend viel Interesse am Elektroauto: 27 Prozent der Besitzer von Benzin- oder Dieselautos planen den direkten...

DWN
Unternehmen
Unternehmen Lidl und die Plastikfrage: So sollen Verpackungen bis 2030 schrumpfen
10.09.2026

Mit der Strategie REset Resources verringert Lidl den Verbrauch primärer Rohstoffe, erhöht den Anteil recycelter Materialien und führt...