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VW-Autozulieferer vorm Aus: Bohai-Automotive schließt Werk in Sachsen-Anhalt

Erst nach der Landtagswahl in Sachsen-Anhalt kommt die offizielle Nachricht: Der ostdeutsche Autozulieferer Bohai-Automotive schließt sein Werk im Harz endgültig. Rund 550 Arbeitsplätze verschwinden an dem traditionsreichen Industriestandort. Der Kampf um Bohai dauerte 1,5 Jahre, die Alugießerei produzierte vorrangig Bauteile für VW‑Motoren. Aber mit dem Umstieg auf Elektroautos gingen die Aufträge zurück. Warum keine wirtschaftlich tragfähige Lösung für den Standort gefunden wurde.
01.10.2026 19:04
Lesezeit: 2 min
VW-Autozulieferer vorm Aus: Bohai-Automotive schließt Werk in Sachsen-Anhalt
Bohai schließt Werk: Als Gründe nannte der Insolvenzverwalter die seit Jahre rückläufigen Auftragseingänge, vor allem vom Hauptkunden Volkswagen. (Foto: dpa) Foto: Matthias Bein

VW-Autozulieferer vorm Aus: Bohai-Automotive schließt Werk in Harzgerode in Sachsen-Anhalt

Das insolvente Autozuliefererwerk Bohai Automotive in Harzgerode wird zum 31. Januar 2027 endgültig geschlossen, wie der MDR in Sachsen-Anhalt zuerst berichtete. Insolvenzverwalter Olaf Spiekermann informierte die rund 550 Beschäftigten am Montag auf einer Betriebsversammlung über die Entscheidung.

Laut Spiekermann wollen Stadt und Landkreis die Bohai-Immobilien kaufen und "ein Zukunftskonzept entwickeln".

Der Bürgermeister von Harzgerode, Marcus Weise (CDU), sagte über die Werksschließung: "Das ist für die Stadt, die Beschäftigten und die gesamte Region die größtmögliche Katastrophe, die eintreten konnte."

IG Metall warnt vor schweren Folgen für die Region Harz

Janek Tomaschefski von der IG Metall sagte: "Das ist ein schwarzer Tag für die Region Harz." An der Schließung hingen ganze Familien und schließlich drohe Wirtschaftskraft in der Region wegzubrechen. Die IG Metall habe seit Monaten gemeinsam mit der Agentur für Arbeit versucht, neue Jobs für die Bohai-Beschäftigten zu beschaffen. Das werde aber nicht für 600 Leute klappen.

Insolvenzverwalter findet keinen Investor für den Standort

Seit dem Insolvenzantrag im April 2025 hatte der Insolvenzverwalter laut Mitteilung nach Investoren und neuen Aufträgen gesucht, um den Standort im Landkreis Harz zu erhalten. Trotz eines internationalen Investorenprozesses und Gesprächen mit potenziellen Interessenten aus verschiedenen Branchen habe man keine wirtschaftlich tragfähige Lösung finden können, sagte Spiekermann.

Bis letzte Woche habe es Gespräche mit einem möglichen Auftraggeber gegeben, "mit einem letzten Hoffnungsschimmer", wie Spiekermann es formuliert. Doch letztlich waren diese nicht erfolgreich. Spätestens am 31. Januar ist laut dem Insolvenzverwalter "Schluss" in Harzgerode – "nach über 150 Jahren Industriegeschichte in dem Gewerk vor Ort", wie er betont.

Volkswagen-Auftragsrückgang verschärft die Krise

Als Gründe nannte der Insolvenzverwalter die seit Jahre rückläufigen Auftragseingänge, vor allem vom Hauptkunden Volkswagen. Dadurch sei das Werk nicht mehr ausreichend ausgelastet. Bohai stellt Aluminium-Gussteile für die Automobilindustrie her – laut Spiekermann vor allem für Verbrennermotoren. Mit der zunehmenden Beliebtheit von Fahrzeugen mit Elektromotor würden die in Harzgerode hergestellten Teile für Verbrennungsmotoren weniger nachgefragt.

Produktion wird schrittweise heruntergefahren

In den kommenden Monaten soll die Produktion bei Bohai schrittweise heruntergefahren werden. Zudem will der Insolvenzverwalter zeitnah Verhandlungen mit dem Betriebsrat und der IG Metall über einen Sozialplan sowie einen Interessenausgleich aufnehmen.

Laut Insolvenzverwalter Spiekermann haben die Mitarbeitenden die Neuigkeit sehr betroffen, aber mit Ruhe aufgenommen. Bis Ende Januar müssen sie sich seinen Angaben nach keine Sorgen um ihre Gehälter machen, das hätten die Auftraggeber sichergestellt.

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