Deutschland

Inflation, Inflation, Inflation – Wohin steigen die Preise noch?

Das Leben in Deutschland hat sich spürbar verteuert. Ein Ende der Preissteigerungen ist vorerst nicht in Sicht. Politik und Notenbank versuchen, gegenzusteuern.
30.03.2022 13:52
Aktualisiert: 30.03.2022 13:52
Lesezeit: 3 min

Sechs Prozent? Sieben Prozent? Deutschlands Verbraucher blicken mit Sorge auf die Inflationsentwicklung. Der Krieg in der Ukraine heizt die Energiepreise weiter an, die schon zuvor Haupttreiber der Teuerung waren. An diesem Mittwoch (14.00 Uhr) veröffentlicht das Statistische Bundesamt seine erste Schätzung zur Entwicklung der Teuerungsrate in Deutschland im März.

Wie stark sind die Verbraucherpreise zuletzt gestiegen?

Die Hoffnung auf sinkende Inflationsraten nach dem Jahreswechsel erfüllte sich nur kurzzeitig. Nach einem Rückgang auf 4,9 Prozent im Januar kletterte die Teuerung in Deutschland im Februar 2022 wieder über die Fünf-Prozent-Marke: Die Verbraucherpreise lagen um 5,1 Prozent über dem Niveau des Vorjahresmonats. Deutlich teurer wurden Heizöl (plus 52,6 Prozent), Erdgas (plus 35,7 Prozent) und Sprit (plus 25,8 Prozent). Nicht nur die angespannte Lage auf dem Weltmarkt trieb die Preise, sondern auch die deutsche CO2-Abgabe: Seit Jahresbeginn werden 30 Euro je Tonne Kohlendioxid fällig, das beim Verbrennen von Diesel, Benzin, Heizöl und Erdgas entsteht.

Wie sind die weiteren Aussichten?

Die Verbraucherinnen und Verbraucher in Deutschland müssen sich nach Einschätzung von Volkswirten auf weiter steigende Preise einstellen. Im Februar lagen die Erzeugerpreise für gewerbliche Produkte um 25,9 Prozent über dem Niveau des Vorjahresmonats. Für Konsumenten könnten viele Produkte also noch teurer werden, weil Unternehmen auf höhere Einkaufspreise etwa für Rohstoffe mit einem Preisaufschlag reagieren.

„Durch den Energiepreisschub aufgrund des Krieges dürfte sich der Verbraucherpreisanstieg vor allem kurzfristig nochmals spürbar verstärken“, sagte Bundesbank-Präsident Joachim Nagel jüngst. Der Bankenverband BdB erwartet in den nächsten Monaten Inflationsraten von mehr als sieben Prozent. „Auch für die nächsten Jahre rechnen wir mit deutlich steigenden Preisen“, sagte BdB-Hauptgeschäftsführer Christian Ossig. Das Ifo-Institut prognostiziert für das Gesamtjahr 2022 eine Teuerungsrate von bis zu 6,1 Prozent. Das wäre die höchste Inflation in Deutschland seit der Wiedervereinigung 1990.

Was heißt das für Verbraucher?

Höhere Inflationsraten schmälern die Kaufkraft von Verbraucherinnen und Verbrauchern, weil sie sich für einen Euro dann weniger leisten können. Vor allem dann, wenn Waren teurer werden, die häufig gekauft werden, spüren die Menschen das im Portemonnaie: beim Tanken, im Supermarkt. Dazu kommt: In den von der Corona-Pandemie geprägten Jahren 2020 und 2021 mussten Deutschlands Arbeitnehmer jeweils Reallohnverluste hinnehmen. Im vergangenen Jahr wurde der an sich kräftige Anstieg der Bruttolöhne um knapp 3,1 Prozent mehr als vollständig von den um gut 3,1 Prozent gestiegenen Verbraucherpreisen aufgezehrt. Für das laufende Jahr sind wegen der noch stärker anziehenden Inflation ebenfalls keine Reallohngewinne zu erwarten.

Was tut der Staat, um Verbraucher zu entlasten?

Die Bundesregierung hat in der vergangenen Woche ein weiteres Paket geschnürt, um die Menschen angesichts der stark gestiegenen Energie- und Spritpreise zu entlasten. Darin enthalten ist unter anderem eine auf drei Monate befristete Senkung der Energiesteuer, die den Liter Benzin um 30 Cent und Diesel um 14 Cent günstiger machen soll. Zudem erhalten Arbeitnehmer einmalig 300 Euro Energiezuschuss auf ihr Bruttogehalt und Familien pro Kind 100 Euro Bonus auf den Kinderfreibetrag. Die Gesamtkosten für den Staat werden nach Schätzung des Bundesfinanzministeriums an die 16 Milliarden Euro heranreichen, die das erste Entlastungspaket aus dem Februar umfasste.

Ist die Inflation nur in Deutschland so hoch?

Auch im Euroraum insgesamt treiben vor allem die Energiepreise die Teuerung. Im Februar erreichte sie mit 5,9 Prozent den höchsten Stand im Währungsraum seit Einführung des Euro als Verrechnungswährung im Jahr 1999. In den USA stiegen die Verbraucherpreise im Februar im Vergleich zum Vorjahr um knapp 8 Prozent, das war dort der höchste Wert seit 40 Jahren. Großbritannien erlebt den steilsten Anstieg der Verbraucherpreise seit 1992.

Hat die Europäische Zentralbank reagiert?

Angesicht der hartnäckig hohen Inflation treibt die EZB die Normalisierung ihrer seit Jahren ultralockeren Geldpolitik schneller voran. Europas Währungshüter rechnen für den Euroraum im laufenden Jahr mit einer Teuerungsrate von 5,1 Prozent. Die Notenbank strebt stabile Preise bei zwei Prozent Jahresteuerung an. Kritiker werfen der EZB schon länger vor, mit ihrer Billiggeldflut die Inflation anzuheizen.

Am 10. März hat die EZB beschlossen, den Erwerb zusätzlicher Anleihen von Staaten und Unternehmen bereits bis Mitte 2022 zurückzufahren. „Sofern die Nettokäufe wie derzeit vorgesehen im dritten Quartal enden, eröffnet das die Möglichkeit, bei Bedarf die Leitzinsen noch in diesem Jahr anzuheben“, sagte Bundesbank-Präsident Nagel wenige Tage nach der Entscheidung des EZB-Rates, dem er angehört.

Die Währungshüter haben ein Augenmerk darauf, dass es nicht zu einer gefährlichen Lohn-Preis-Spirale kommt. Steigen die Löhne als Reaktion auf die aktuell hohe Inflation zu stark, könnte das die Preise noch weiter nach oben treiben, weil Unternehmen gestiegene Löhne als Rechtfertigung von weiteren Preiserhöhungen heranziehen. Löhne und Preise schaukeln sich dann gegenseitig hoch, die Inflation könnte sich dauerhaft auf hohem Niveau festsetzen. Bislang sieht die EZB aber keine Anzeichen für eine solche Entwicklung.

Mehr zum Thema
Bleiben Sie über das Thema dieses Artikels auf dem Laufenden Klicken Sie auf [+], um eine E-Mail zu erhalten, sobald wir einen neuen Artikel mit diesem Tag veröffentlichen
Anzeige
DWN
Finanzen
Finanzen Gold erlebt ein Comeback: Wie das MTS Money Transfer System Sicherheit und digitale Freiheit verbindet

Steigende Staatsverschuldung, Inflation und geopolitische Spannungen stärken die Bedeutung von Gold als Vermögenswert. Das MTS Money...

X

DWN-Wochenrückblick

Weniger E-Mails, mehr Substanz: Der DWN-Wochenrückblick liefert 1x/Woche die wichtigsten Themen kompakt als Podcast. Für alle, deren Postfach überläuft.

E-mail: *

Ich habe die Datenschutzerklärung sowie die AGB gelesen und erkläre mich einverstanden.

DWN
Unternehmen
Unternehmen 70 Jahre Fernsehwerbung: Das beste Marketing, das Deutschland nie vergessen hat
31.10.2026

Ein Fleck auf der Tischdecke, ein Waschmittel und ein Satz, der hängen blieb: 1956 begann die Fernsehwerbung in Deutschland. Seitdem haben...

DWN
Immobilien
Immobilien Heizungstausch finanzieren: So nutzen Eigentümer Förderung, Kredit und Steuerbonus
31.10.2026

Eine neue Heizung kann langfristig Geld sparen, verlangt zunächst aber eine beträchtliche Investition. Eigentümer müssen deshalb...

DWN
Finanzen
Finanzen Vermögensbarometer 2026: ETF-Boom hält an, Anteil der Privatanleger stagniert
31.10.2026

ETFs werden in Deutschland immer beliebter, doch der Anteil der Menschen mit Wertpapieren stagniert. Das neue Vermögensbarometer des...

DWN
Finanzen
Finanzen KfW-Gründerkredite: 225 Millionen Euro zugesagt – doch Banken werden strenger
31.10.2026

Die staatliche Förderbank KfW hat im ersten Halbjahr 2026 deutlich mehr Gründerkredite zugesagt. Gleichzeitig verschärfen deutsche...

DWN
Immobilien
Immobilien Gebäudetyp E: Weniger Extras sollen den Wohnungsbau günstiger machen
31.10.2026

Weniger Steckdosen, dünnere Decken und niedrigere Baukosten: Der Gebäudetyp E soll den Wohnungsbau in Deutschland erleichtern. Ein neuer...

DWN
Panorama
Panorama Volvo ebenso verdächtig wie BYD: Polnisches Militär verhängt Verbot für Friedhofsparkplätze
31.10.2026

Das Militär führt Einschränkungen für Autofahrer ein, die rund um Allerheiligen den Parkplatz am Osobowicki-Friedhof in Breslau nutzen...

DWN
Finanzen
Finanzen US-Börsenbericht: Alarmstufe Rot bei Tech-Aktien
30.10.2026

Unerwartete Turbulenzen erschüttern die Märkte – was Anleger jetzt über die aktuellen Entwicklungen wissen müssen.

DWN
Unternehmensporträt
Unternehmensporträt Drohnen-Shows: Das Start-up Skydance will mit 1.000 Drohnen Europas Himmel erobern
30.10.2026

400 Drohnen über einem Megafestival, ein QR-Code am Himmel und bald eine Flotte mit 1.000 Fluggeräten: Das slowenische Unternehmen...