Deutschland

Neuer Intendant: „Die ARD befindet sich in einer schweren Krise“

Der neue Intendant der ARD sieht ein hartes Stück Arbeit auf die Institution zukommen, um verloren gegangenes Vertrauen zurückzugewinnen.
23.09.2022 12:52
Aktualisiert: 23.09.2022 12:52
Lesezeit: 1 min

Die Aufarbeitung der Vorwürfe bei den öffentlich-rechtlichen Sendern NDR und RBB werden die ARD nach den Worten des künftigen Vorsitzenden und SWR-Intendanten Kai Gniffke noch lange beschäftigen. „Die ARD befindet sich in einer schweren Krise“, sagte Gniffke am Freitag in einer SWR-Rundfunkratssitzung.

Es gebe zum einen Zweifel am richtigen Umgang mit Beitragsgeld, zum anderen an der Unabhängigkeit der Berichterstattung. „Beide Vorwürfe wiegen schwer. Ich will gar nicht bewerten, welcher schwerer ist. Ich neige ein bisschen dazu, dass Zweifel an unserer Unabhängigkeit und Glaubwürdigkeit noch mal schwerer wiegen.“

RBB und NDR im Fokus

Beim Rundfunk Berlin-Brandenburg (RBB) gibt es Vorwürfe der Vetternwirtschaft gegen die fristlos entlassene Intendantin Patricia Schlesinger, die diese zurückwies. Beim Norddeutschen Rundfunk (NDR) stehen unterschiedlich gelagerte Vorwürfe gegen redaktionelle und Funkhaus-Verantwortliche im Raum - unter anderem geht es um die Frage, ob landespolitische Berichterstattung von redaktionellen Führungskräften beeinflusst worden sein könnte. Die Vorwürfe hatte der Sender zurückgewiesen, es läuft eine Aufarbeitung.

„Beides belastet mich auch persönlich sehr, weil das, was da passiert ist, diskreditiert den gesamten öffentlich-rechtlichen Rundfunk in Deutschland“, sagte Gniffke. „Vor uns liegt ein hartes Stück Arbeit, das verloren gegangene Vertrauen wiederzugewinnen, neu zu gewinnen.“

Gniffke war Mitte September zum neuen Vorsitzenden der ARD ab 2023 gewählt worden. Nach dem Rücktritt Schlesingers von diesem Posten übernimmt der 61-Jährige damit ein Jahr früher als geplant.

Der Südwestdeutsche Rundfunk SWR ist im ARD-Vergleich die zweitgrößte Anstalt nach dem Westdeutschen Rundfunk (WDR) und vor dem Norddeutschen Rundfunk (NDR). Der SWR erhielt 2021 gut eine Milliarde Euro an Rundfunkbeiträgen. Das Sendegebiet erstreckt sich über Baden-Württemberg und Rheinland-Pfalz.

Mehr zum Thema
article:fokus_txt
DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Privatvermögen erreicht Rekordhöhe: Über 10 Billionen Euro in Deutschland
02.01.2026

Die Deutschen verfügen über so viel Geldvermögen wie nie zuvor. Erstmals summieren sich die finanziellen Rücklagen der Privathaushalte...

DWN
Finanzen
Finanzen Erfolgreiche Aktienauswahl: Wie erfahrene Anleger die besten Chancen und Risiken erkennen
02.01.2026

Die Auswahl der richtigen Aktie zum richtigen Zeitpunkt ist eine anspruchsvolle Aufgabe. Zwei erfahrene Investoren erklären, welche...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Rückschritt in den Chefetagen: Weniger Frauen in Vorständen
02.01.2026

Die Gleichstellung in den Führungsetagen der deutschen Börsenkonzerne gerät ins Stocken. Entgegen dem bisherigen Trend ist der...

DWN
Finanzen
Finanzen Biotech-Aktien im Höhenflug: Diese Unternehmen könnten 2026 überraschen
02.01.2026

Zwei Biotech-Aktien stehen plötzlich im Zentrum professioneller Anlegerstrategien. Klinische Daten, Produktstarts und Milliardenpotenzial...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Arbeitsmarkt stagniert: Erwerbstätigenzahl 2025 leicht rückläufig
02.01.2026

Erstmals seit dem Ende der Corona-Krise ist die Zahl der Erwerbstätigen in Deutschland nicht mehr gewachsen. Wie das Statistische...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Stillstand im Sicherheitsrat: Wadephul fordert grundlegenden Umbau
02.01.2026

Der UN-Sicherheitsrat gilt als Schaltzentrale der Weltpolitik – doch immer häufiger bleibt er handlungsunfähig. Machtkämpfe zwischen...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Mehr Tempo für die Energiewende: Rekord bei neuen Stromleitungen
02.01.2026

Wind- und Solarstrom brauchen Platz im Netz. Weil dieser lange fehlte, stockte der Umbau des Energiesystems. 2025 jedoch genehmigte die...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Waffenlieferungen: Deutlicher Rückgang bei Rüstungsexporten nach Rekordjahren
02.01.2026

Die Waffenlieferungen in die Ukraine haben 2023 und 2024 zu zwei Rekordjahren bei den Genehmigungen deutscher Rüstungsexporte geführt. In...