Wirtschaft

Diesel-Vorräte in den USA sinken auf bedenklich tiefe Niveaus

In den USA bahnt sich eine Unterversorgung mit Diesel an, welche auch auf Europa übergreifen könnte.
30.10.2022 08:58
Aktualisiert: 30.10.2022 08:58
Lesezeit: 2 min
Diesel-Vorräte in den USA sinken auf bedenklich tiefe Niveaus
Stadtverkehr in New York. In den USA kommt es zu Lieferschwierigkeiten bei Diesel. (Foto: iStock.com/IrinaSen) Foto: IrinaSen

Die Lagerbestände von Diesel-Treibstoff sind in den Vereinigten Staaten von Amerika auf den tiefsten Stand seit dem Jahr 2008 gesunken. Wie aus den neuesten Daten der U.S. Energy Information Administration hervorgeht, reichen die Vorräte mit Blick auf den gegenwärtigen Verbrauch noch 25 Tage.

Besonders angespannt scheint die Lage im Nordosten und Südosten des Landes zu sein. Die große Logistikgesellschaft Mansfield warnte zuletzt in einer Bekanntmachung: „Weil die Entwicklung rapide voranschreitet und die Marktbedingungen jeden Tag stark schwanken, ruft Mansfield die Alarmstufe 4 aus, um die Marktschwankungen abzubilden. Mansfield stuft den Südosten nun als ‚Code Red‘ ein und bittet darum, dass Lieferungen 72 Stunden im Voraus angemeldet werden, um sicherzustellen, dass Treibstoffe und andere Produkte zu wirtschaftlich rentablen Bedingungen bezogen werden können.“

Mansfield schreibt weiter, dass „den Treibstoffmärkten an der Ostküste eine Diesel-Knappheit drohe.“ Insgesamt beobachte man „extrem hohe Dieselpreise im Nordosten gepaart mit Lieferausfällen im Südosten.“ Die Preise für den Kraftstoff lägen an der US-Ostküste 30 bis 80 Cent über den mittleren Marktpreisen je Gallone.

Die Situation in den USA ist auch für Europa relevant, weil die Europäer seit dem Einmarsch Russlands in die Ukraine viel Diesel aus den USA beziehen. Sollte sich die Lage dort verschlimmern, dürfte der Export nach Europa zurückgeschraubt werden. Zudem wird am 5. Februar ein EU-weites Importverbot für russische Kraftstoffe in Kraft treten.

Stillgelegte Raffinerien werden nicht reaktiviert

Angesichts der Diesel-Krise verdient der Umstand besondere Beachtung, dass die meisten der in den vergangenen Jahren stillgelegten Ölraffinerien des Landes wahrscheinlich nicht reaktiviert werden.

Bei einem Treffen mit Energieministerin Jennifer Granholm im Weißen Haus hätten mehrere Top-Manager aus der Energiebranche dies ausgeschlossen. Der Vorstandsvorsitzende von Valero, Joe Gorder, wird von Oilprice mit den Worten zitiert: „Ein interessanter Aspekt der Unterhaltungen waren auch Überlegungen, die stillgelegten Raffinerie-Kapazitäten zu reaktivieren und ich denke die generelle Haltung war, dass dies nicht passieren wird.“

Im Juni sagte der Vorstandsvorsitzende von Chevron, Mike Wirth, dass der Konzern keine Raffinerie in den USA mehr bauen werde. Hintergrund sei die Vorgabe von Regierungen auf der ganzen Welt, aus fossilen Energiequellen auszusteigen. Angesichts dieser Unsicherheiten lohne es sich nicht einmal, darüber nachzudenken, weil es sich bei dem Bau von Raffinerien um sehr langfristige und kapitalintensive Entscheidungen handle.

„Eine Raffinerie aufzubauen ist eine Multimilliarden-Investition. Das braucht vielleicht ein ganzes Jahrzehnt. Wir haben in den Vereinigten Staaten seit den 1970er Jahren keine Raffinerie mehr gebaut. Meine persönliche Sichtweise ist, dass überhaupt keine Raffinerie in den USA mehr gebaut werden wird“, zitiert Oilprice Wirth.

Anzeige
DWN
Finanzen
Finanzen Damit Sie sich auf Ihr Unternehmen konzentrieren können

Ein Unternehmen zu führen, bedeutet, täglich Verantwortung zu übernehmen und Entscheidungen zu treffen. Gleichzeitig soll möglichst...

DWN
Finanzen
Finanzen Micron-Technology-Aktie zwischen KI-Boom und China-Risiko: Was Anleger jetzt beachten sollten
27.10.2026

Nach heftigen Kursschwankungen steht die Micron-Aktie erneut im Mittelpunkt des Anlegerinteresses. Der Speicherchiphersteller profitiert...

DWN
Politik
Politik EZB-Zinsentscheid: Bleiben die Zinsen stabil oder deutet Lagarde schon die nächste Erhöhung an?
27.10.2026

In dieser Woche stehen zwei Zinsentscheidungen an. Am Mittwoch tagt die US-Notenbank Fed, am Donnerstag folgt der EZB-Zinsentscheid.

DWN
Unternehmen
Unternehmen Wolfgang Grupp junior: Audis Vier-Milliarden-Werk in den USA verschärft die Standortdebatte in Deutschland
27.10.2026

Trigema-Geschäftsführer Wolfgang Grupp junior kritisiert den Fokus auf den politischen Auftritt des Audi-Chefs in den USA. Er fragt...

DWN
Politik
Politik Was passiert, wenn Ägypten in den Krieg im Nahen Osten eintritt
27.10.2026

Ägyptens Parlament hat Präsident Abdel Fattah al-Sisi grünes Licht für militärische Unterstützung Saudi-Arabiens gegeben. Die...

DWN
Unternehmen
Unternehmen Allianz-Prognose: Unternehmensinsolvenzen bleiben auf hohem Niveau
27.10.2026

Mehr und mehr Unternehmen werden zu Sanierungsfällen: Der Kreditversicherer Allianz Trade rechnet dieses und nächstes Jahr mit nahezu je...

DWN
Politik
Politik Gelockerter Kündigungsschutz für Hochverdiener: Was Arbeitgeber für 2027 wissen sollten
27.10.2026

Die Bundesregierung plant eine Reform des Kündigungsschutzes, in der Hochverdiener leichter kündbar werden sollen. Arbeitgeber können...

DWN
Finanzen
Finanzen Verivox: Preiskampf in der Kfz-Versicherung ist zurück
27.10.2026

In den vergangenen Jahren haben etliche Kfz-Versicherer ihre Preise drastisch erhöht. Diese Phase scheint vorbei: Nun schwingt das Pendel...

DWN
Unternehmen
Unternehmen Robin Zeng: Der Chinese, von dem Deutschlands Autobauer abhängen
27.10.2026

Er baut keine Autos, doch ohne ihn hätten BMW, Volkswagen und Mercedes-Benz ein gewaltiges Problem. Der chinesische Milliardär Robin Zeng...