Finanzen

Bankenbeben - Die Feuerwehr löscht ihren Brand

Die US-Zentralbank löschte einen Brand, den sie selbst ausgelöst hatte, schreibt Marc Friedrich. In Zukunft drohen größere Brandschäden.
19.03.2023 09:10
Aktualisiert: 19.03.2023 09:10
Lesezeit: 4 min
Bankenbeben - Die Feuerwehr löscht ihren Brand
Feuerwehrmänner kämpfen gegen einen Waldbrand in Kalifornien. (Foto: dpa) Foto: Noah Berger

„Die Rente ist sicher, dieses mittlerweile gepflogene Bonmot des ehemaligen Ministers Norbert Blüm lag mir irgendwie auf den Lippen, als ich Joe Biden zur aktuellen Bankenkrise sagen hörte „The Banking System Remains Safe. Wenn jemand die Sicherheit von etwas explizit betonen muss, dann deutet das doch eben genau auf das Gegenteil hin. Dass Geld bei Banken eigentlich nicht sicher ist, und von staatlichen Interventionen abhängig ist, haben die Vorfälle vom vergangenen Wochenende gezeigt.

Zwischen Freitag und Montag hielt die Welt kurz den Atem an. Da war bereits klar, dass die Silicon Valley Bank (SVB), einer der wichtigsten Kapitalgeber für zahlreiche Startups und woke wie hippe Unternehmen in der angesagtesten Region der Welt, in Zahlungsschwierigkeiten steckt. Was war passiert? (Video)

Während der Niedrigzins-Orgie der Zentralbanken hatte die Silicon Valley günstige Kredite vergeben. Ihre Einlagen investierte sie in langfristige, festverzinsliche Anleihen. Dass ein Großteil davon in sogenannten „Mortage Backed Securities“ (MBS), also in ebenjenen Papieren steckte, die vor knapp 15 Jahren die letzte große Finanzkrise ausgelöst hatten, ist schon eine Ironie der Geschichte. Dass Chief Administrative Officer der SVB Joseph Gentile früher mal CFO bei den Lehman Brothers war, ein geradezu grotesker „Zufall.

Dass die Niedrigzinsphase irgendwann einmal zu Ende gehen müsste, war allen klar. Nur das Tempo, in dem die amerikanische Zentralbank FED” die Zinsen erhöhte, überraschte dann doch die meisten Marktteilnehmer. Und genau das wurde auch der Silicon Valley Bank zum Verhängnis. Denn mit steigenden Zinsen sank der Wert der langlaufenden Anleihen. Kein Problem, wenn man die Produkte bis zum Ende der Laufzeit hält. Um kurzfristige Verbindlichkeiten zu bedienen, musste die Bank aber plötzlich an Liquidität kommen - und die MBS mit Verlust abstoßen. Das sprach sich herum, und es kam zu einem klassischen „Bank Run. Risiko-Management, also Absicherung gegen Zinsrisiken? Diversifikation? Fehlanzeige – das schien in der so aufgeklärten woken und sonst so diversen Startup-Zirkeln Nordkaliforniens niemand für nötig gehalten zu haben.

Dies erinnert an die Gründungszeiten der amerikanischen Zentralbank, die 1913 genau für solche Fälle geschaffen worden war: Um als „Lender of Last Resort“ dann einzuspringen, wenn plötzlich das Vertrauen in das Bankensystem einbricht und jeder an sein Geld will. Genau das geschah am Wochenende auch: Die Regierung garantierte nicht nur die 250.000 US-Dollar an Spareinlagen, sondern darüber hinaus auch die Einlagen von größeren Kunden und Unternehmen. Da war er wieder - der Bailout auch wenn man ihn nicht so nennen darf und Finanzministerin Yellen, diesen zuvor ausschloß, um dann wenige Stunden später ihn doch zu garantieren. Das unterstreicht, wie viel Stress im System ist.

Ok, nehmen wir es mit Humor: Der Staat bzw. die Zentralbank ist also eingesprungen, um eine Krise zu beseitigen, die man selbst mit Niedrigzinsen und QE (Quantitative Easing) geschaffen hatte. Das ist in etwa so, wie wenn man die Feuerwehr bejubelt, die einen Brand gelöscht hat, den sie zuvor selbst gelegt hat. Applaus, Applaus.

Gut, natürlich war es auch ein massiver Managementfehler, den das Management hat ziemlich dämlich und einseitig agiert und zum Höhepunkt Anleihen gekauft und die Absicherung vergessen”.

Wie aber geht es jetzt weiter?

Zunächst mal, ist bisher nicht klar, ob der Flächenbrand im amerikanischen Bankensystem wirklich verhindert worden ist. Danach stürtzen die Aktien vieler Regionalbanken weiter ab. Vieles deutet darauf hin, dass vor allem kleinere Banken unter den stark steigenden Zinsen leiden. Die drohende Pleite der Silicon Valley Bank ist also wahrscheinlich eher ein Warnschuss in Richtung Zentralbanken: Passt auf, das passiert, wenn ihr weiter so rasant die Zinsen anhebt. Genau dies ließ die Märkte, allen voran Gold und Bitcoin Anfang der Woche so stark steigen: Die Aussicht darauf, dass die FED ihre Zinspolitik ändern muss.

Die US-amerikanische Notenbank hat sich nun tatsächlich in eine Sackgasse manövriert, vor der viele Kritiker seit langem gewarnt haben: Durch die rasanten Zinserhöhungen hat man einen Punkt erreicht, an dem etwas bricht. „The FED will raise rate, until something breaks, heißt es, und genau das ist am Wochenende geschehen. Die Inflation ist aber noch lange nicht unter Kontrolle. Und jetzt fehlt die Munition, um weitere Preiserhöhungen einzufangen.

The Banking System Remains Safe, sagte Joe Biden am Montag. In den USA betrifft das Spareinlagen bis zu einer Höhe von 250.000 US-Dollar, in der Eurozone liegt dieser Betrag bei nur 100.000 Euro. Allerdings hat man durch das neue Rettungsprogramm BTFP” (Banking Term Funding Progam) die Einlagensicherung jetzt auf unendlich geupgraded.

Hinzu kommt: Anders als in Europa hat man tatsächlich aus der 2008-Pleite etwas gelernt, nämlich die Eigenkapitalquote der Banken zu erhöhen (keine Sorge, dafür ist man neue Risiken eingegangen). Eigentlich sollte es um den europäischen Bankensektor besser stehen, der aktuelle Kursverlauf der Banken, vor allem bei der Credit Suisse, lässt Böses ahnen.

Das globale Finanzsystem ist am Wochenende nochmals mit einem blauen Auge davon gekommen. Aber es hat gewaltig geächzt im Gebälk. Ob es beim nächsten Mal wieder mit einem Veilchen davonkommt, darf bezweifelt werden. Was das bedeutet: Eine Flucht in harte Assets, in Gold, Bitcoin und Rohstoffe wird beginnen.

Fazit: Erstmal möchte ich Entwarnung geben, da mich viele besorgte Anfragen erreicht haben: Eine Gefahr für deutsche Banken und Ihr Geld auf dem Konto sehe ich (noch) nicht. Trotzdem sollte man stets wissen: Geld auf dem Konto gehört nicht Ihnen werter Leser, sondern der Bank und man sollte bei hoher Inflation die Kontostände eher ab- statt aufbauen. Das Bankenbeben in den USA betrifft eine Nischenbranche und kleinere Banken auch wenn mit der SVB 200 Milliarden Dollar im Feuer standen und davon lediglich 4% durch die Einlagensicherung beglichest waren. Da wir aber im Geldsozialismus leben, wurde die Einlagensicherung ausgehebelt und jeder bekommt all sein Geld zurück.

Fakt ist: Die expansive Notenbankpolitik hat das System anfällig gemacht, zu Spekulationsblasen und Inflation geführt. In der Vergangenheit ist bei Zinserhöhungen immer etwas kaputt gegangen. Dieses Mal die Banken?

Die SVB war jetzt zwar nicht der befürchtete "Lehman-Moment" sondern eher der Bear Stearns Moment”. Bear Stearns ging fast auf den Tag genau vor 15 Jahren, ein halbes Jahr vor Lehman, am 16 März 2008 über die Wupper bzw. wurde gerettet durch eine Übernahme. Es war damals ein erster Warnschuss, dass im Bankensystem was im Argen liegt.

_____

Marc Friedrich ist sechsfacher Bestsellerautor, Finanzexperte, gefragter Redner, Vordenker, Freigeist und Gründer der Honorarberatung Friedrich Vermögenssicherung GmbH für Privatpersonen und Unternehmen.

Sein neuer Bestseller war das erfolgreichste Wirtschaftsbuch 2021: Die größte Chance aller Zeiten - Was wir jetzt aus der Krise lernen müssen und wie Sie vom größten Vermögenstransfer der Menschheit profitieren

Mehr Informationen unter friedrich-partner.de sowie bei YouTube: www.youtube.com/MarcFriedrich7

Twitter und Instagram:: @marcfriedrich7

Mehr zum Thema
Bleiben Sie über das Thema dieses Artikels auf dem Laufenden Klicken Sie auf [+], um eine E-Mail zu erhalten, sobald wir einen neuen Artikel mit diesem Tag veröffentlichen
Anzeige
DWN
Technologie
Technologie Festkörperbatterien lassen auf sich warten – könnte die Halbfestkörper-Technologie zur Brückentechnologie der Energiespeicherung werden?

Die Batteriewirtschaft befindet sich derzeit in einer bemerkenswerten Übergangsphase. Während nahezu alle großen Hersteller langfristig...

Marc Friedrich

Marc Friedrich ist Deutschlands erfolgreichster Sachbuchautor (7 SPIEGEL Bestseller in Folge), ausgewiesener Finanzexperte, gefragter Redner, YouTube-Star, bekannt aus Funk und TV, Vordenker, Freigeist und Honorarberater. Sein neuestes Buch trägt den Titel „Die größte Revolution aller Zeiten – Warum unser Geld stirbt und wie Sie davon profitieren“ und beschäftigt sich ausschließlich mit den Themen Bitcoin, Zyklen und Geldgeschichte.

Mehr Informationen: www.friedrich-partner.de und www.marc-friedrich.de
Twitter und Instagram: @marcfriedrich7

DWN
Unternehmen
Unternehmen Schwarz-Gruppe macht Lidl zum Wachstumsriesen
27.06.2026

Lidl wächst, Kaufland expandiert, und die Schwarz-Gruppe baut ihre Macht in Europa weiter aus. Doch hinter den Milliardenumsätzen steckt...

DWN
Finanzen
Finanzen US-Marktbericht: Chiphersteller Micron und Intel unter Druck, da OpenAI Berichten zufolge IPO-Verzögerung erwägt
26.06.2026

Spannende Verschiebungen an der US-Börse: Was die jüngsten Marktbewegungen für Ihr Portfolio bedeuten könnten.

DWN
Panorama
Panorama Imperien abseits des Rasens: Das verdienen die WM-Stars als Unternehmer
26.06.2026

Die bestbezahlten Fußballer der Welt definieren Reichtum neu. Längst reicht das Einkommen aus ihren Profiverträgen nicht mehr aus –...

DWN
Technologie
Technologie IT-Riese zerstreut Panik wegen gefürchtetem KI-Modell
26.06.2026

Der US-amerikanische IT-Riese Cisco ist eines der wenigen Unternehmen, denen es gestattet wurde, das berüchtigte KI-Modell Mythos zu...

DWN
Finanzen
Finanzen Tagesgeld-Vergleich (07/2026): Diese Banken bieten die besten Tagesgeld-Zinsen
26.06.2026

Ein Tagesgeld-Konto gilt als sichere und flexible Geldanlage. Doch hinter manchem Spitzenangebot verbergen sich nicht selten Bedingungen,...

DWN
Unternehmensporträt
Unternehmensporträt Sensoren-Hersteller Balluff: „Es braucht Mut zu unbequemen Entscheidungen.“
26.06.2026

Balluff hat sich in über 100 Jahren von einer Reparaturwerkstatt zum Global Player für Sensoren und Automatisierungslösungen entwickelt....

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Schluss mit Billig-Importen: EU stoppt Zoll-Ausnahme für Temu, Shein und Co.
26.06.2026

Wer schnellen Schnäppchen aus Fernost nachjagt, muss sich ab Sommer auf höhere Preise einstellen. Die Europäische Union schafft die...

DWN
Unternehmen
Unternehmen Millionenspritze für Galeria: Rettung auf Zeit oder echte Kehrtwende?
26.06.2026

Galeria steht vor der nächsten Sanierungswelle. Nach zähen Verhandlungen erhält die angeschlagene Warenhauskette einen neuen...