Unternehmen

Mercedes meldet überraschend starken Gewinn dank höherer Autopreise

Mercedes-Benz meldet unerwartet viel Gewinn. Die Aktie zieht an. Dazu haben sicherlich die höheren Autopreise beigetragen. Doch das Ergebnis überrascht dennoch.
21.04.2023 12:01
Aktualisiert: 21.04.2023 12:01
Lesezeit: 2 min

Der Autobauer Mercedes-Benz kann trotz des drohenden Konjunkturabschwungs weiter von hohen Verkaufspreisen zehren. Im ersten Quartal übertrafen die Stuttgarter mit ihrem Gewinn vor Zinsen und Steuern laut vorläufiger Zahlen den starken Wert aus dem Vorjahreszeitraum.

Der Lauf bei teuren Luxusmodellen bescherte dem Unternehmen weiter eine hohe Profitabilität im Kerngeschäft mit Autos - wenn auch die Marge angesichts von höheren Materialkosten und gestiegenen Aufwendungen für Forschung und Entwicklung nicht mehr ganz so glänzend ausfiel wie ein Jahr zuvor. Dafür kam auch vom Geschäft mit Lieferwagen Rückenwind, die Geschäfte insgesamt spülten unerwartet viel Geld in die Kassen des Dax-Konzerns. Die Aktie legte am Freitag nach Handelsbeginn zu.

Allgemein fielen die Eckdaten der Schwaben vom Vorabend besser aus als am Kapitalmarkt erwartet. Über längere Zeit hatten die deutschen Autobauer wegen des knappen Angebots infolge des Teilemangels und dank starker Nachfrage hohe Preise im Verkauf fordern können - Branchenexperten zufolge könnte sich das Blatt aber in diesem Jahr wenden. Verbraucher und Firmen könnten wegen hoher Inflation und steigenden Zinsen in der Wirtschaftsflaute stärker prüfen, welche Anschaffungen nötig sind.

Mercedes konnte die Sorgen von Anlegern - zumindest in den ersten drei Jahresmonaten - nun aber weitgehend zerstreuen. In der wichtigsten Sparte mit dem Autobau erzielte der Konzern eine um Sondereffekte bereinigte Ergebnismarge vor Zinsen und Steuern von 14,8 Prozent, wie es von den Stuttgartern hieß. Das war zwar weniger als im außergewöhnlich starken Vorjahreszeitraum mit 16,4 Prozent, aber auch mehr als im Schlussquartal 2022. Analysten am Aktienmarkt hatten laut dem Unternehmen diesmal lediglich mit 13,4 Prozent Marge gerechnet.

Die Mercedes-Aktie legte am Freitag nach Handelsbeginn an der Dax-Spitze um 1,1 Prozent auf 68,98 Euro zu. Damit baute der Kurs seine Gewinne im laufenden Jahr auf rund 12 Prozent aus. Auf dem Jahreshoch im März hatte das Papier aber auch schon über 75 Euro notiert.

Die Preisentwicklung dürfte sowohl in der Pkw- als auch in der Van-Sparte der wichtigste Treiber der Resultate gewesen sein, schrieb Deutsche-Bank-Analyst Tim Rokossa. Die Markterwartungen beim Barmittelzufluss habe Mercedes um Längen geschlagen. Er erwarte im zweiten Halbjahr nach wie vor ein schwächeres Preisumfeld, seine Schätzungen für die Premiumbranche erschienen nun aber eher zurückhaltend, so Rokossa.

Mercedes sprach in der Mitteilung von einer gesunden Nettopreisgestaltung im Pkw-Geschäft, höheren Absätzen und einem guten Produktmix. Allerdings seien auch die Materialkosten gestiegen sowie höhere Forschungs- und Entwicklungsaufwendungen angefallen. Der Autobauer hatte im ersten Quartal mit 503 500 Pkw rund 3 Prozent mehr Autos abgesetzt, bei den besonders renditestarken und teuren Modellen gab es dabei ein überdurchschnittliches Plus. Bei den Elektroautos konnte das Unternehmen weiter hohe Zuwachsraten verbuchen.

Im Geschäft mit Transportern zog die Marge gegenüber dem Vorjahreswert deutlich an und übertraf ebenfalls die Markterwartungen. Vor Zinsen und Steuern verdiente der Konzern in den Monaten Januar bis März 5,5 Milliarden Euro und damit rund 5 Prozent mehr. Der für Investoren wichtige Barmittelzufluss - ohne die Finanzdienstleistungen gerechnet - lag mit 2,2 Milliarden Euro ebenfalls über den Schätzungen von Experten.

Der sogenannte Free Cashflow gibt Auskunft über die aktuelle Finanzkraft eines Unternehmens und kann ein Fingerzeig dafür sein, wie viel es an Dividende an die Anleger ausschütten kann. (dpa-AFX)

Mehr zum Thema
Bleiben Sie über das Thema dieses Artikels auf dem Laufenden Klicken Sie auf [+], um eine E-Mail zu erhalten, sobald wir einen neuen Artikel mit diesem Tag veröffentlichen
Anzeige
DWN
Finanzen
Finanzen Gold erlebt ein Comeback: Wie das MTS Money Transfer System Sicherheit und digitale Freiheit verbindet

Steigende Staatsverschuldung, Inflation und geopolitische Spannungen stärken die Bedeutung von Gold als Vermögenswert. Das MTS Money...

 

DWN
Technologie
Technologie Enthüllt: Diese US-Techkonzerne wollten den Stromverbrauch ihrer Rechenzentren geheim halten
29.10.2026

Google und Microsoft wollten zentrale Angaben zum Stromverbrauch ihrer irischen Rechenzentren unter Verschluss halten. Die Umweltbehörde...

DWN
Finanzen
Finanzen US-Marktbericht: Wall Street gibt nach – Alphabet, Amazon und Intel belasten Aktienmärkte
29.10.2026

Spannende Wende an der Wall Street: Erfahren Sie, welche überraschenden Faktoren die Kurse der Tech-Riesen ins Wanken bringen.

DWN
Politik
Politik Haushaltskrise der Länder: Kommunale Schulden steigen um fast zehn Prozent
29.10.2026

4.907 Euro je Einwohner: Die Verschuldung der Kommunen ist im vergangenen Jahr weiter gewachsen. Dabei fällt die Belastung regional sehr...

DWN
Politik
Politik „Gen Z regelt“ mobilisiert: Das ist für Samstag geplant
29.10.2026

In knapp 30 Städten sind Proteste angekündigt, organisiert von einer noch jungen Gruppierung. Nach den Ausschreitungen in Frankreich...

DWN
Politik
Politik Verteidigung des Baltikums: Heereschef Freuding fordert mehr Tempo
29.10.2026

Mehr als 70 Generale und führende Offiziere aus Deutschland und den Niederlanden haben mögliche Brennpunkte im Baltikum erkundet....

DWN
Politik
Politik Umfrage: Deutsche sehen USA ähnlich kritisch wie China
29.10.2026

Kurz vor den US-Zwischenwahlen fällt das Bild der Vereinigten Staaten in Deutschland überwiegend negativ aus. In einer aktuellen...

DWN
Technologie
Technologie Testbericht: Apples erstes faltbares iPhone ist ein kostspieliges, aber überzeugendes Debüt
29.10.2026

Ich erinnere mich noch gut an die Reue, die ich beim Kauf des iPhone 3GS im Jahr 2009 empfand. Bis dahin hatte ich ein BlackBerry Pearl...

DWN
Finanzen
Finanzen EZB-Zinsentscheid: Notenbanker belassen Leitzins der Eurozone bei 2,5 Prozent
29.10.2026

Die Europäische Zentralbank lässt die Leitzinsen am 29. Oktober 2026 unverändert. Der Einlagenzins bleibt bei 2,50 Prozent. Zugleich...