Technologie

Hollywood-Stars zittern – Macht KI sie bald arbeitslos?

Der Umgang mit Künstlicher Intelligenz ist zentrales Thema bei Gagen-Verhandlungen in Hollywood. Denn Schauspieler könnten durch „digitale Zwillinge“ ersetzt werden. Die erste Gewerkschaft droht deshalb mit Streik.
01.06.2023 16:31
Aktualisiert: 01.06.2023 16:31
Lesezeit: 2 min
Hollywood-Stars zittern – Macht KI sie bald arbeitslos?
Eine Szene aus dem Film „Once Upon a Time in Hollywood“ mit Brad Pitt (li.) und Leonardo DiCaprio (re.). (Foto: dpa) Foto: Andrew Cooper

Eine Suche nach dem Regisseur Wes Anderson auf der Videoplattform YouTube spuckt zahlreiche Kinotrailer für Neuverfilmungen bekannter Streifen wie „Star Wars“, „Harry Potter“ oder „Herr der Ringe“ aus. Die Hauptrollen spielen darin Stars wie Bill Murray oder Scarlett Johansson. Allerdings ist keiner der Genannten direkt an diesen frei erfundenen Projekten beteiligt. Die Spots wurden ausschließlich mit Hilfe sogenannter Generativer Künstlicher Intelligenz (KI) erstellt.

Denn diese neue Art von Programmen, die durch ChatGPT weltweit bekannt gemacht wurde, erlaubt es, mit minimalen technischen und finanziellen Mitteln Drehbücher zu schreiben und komplette Filme zu produzieren. In denen können auch die „digitalen Zwillinge“ von Tom Hanks oder Angelina Jolie ohne deren Wissen auftreten.

Schauspieler Leland Morrill beschreibt, wie er bei manchen Dreharbeiten bereits von zahlreichen Kameras aus verschiedenen Perspektiven gefilmt wird. Mit diesem Material aus einigen wenigen Szenen könnten die Studios den restlichen Film erstellen. „Wir sind dann nicht mehr am Set und niemand wird bezahlt“, sagt Morrill.

Gewerkschaft fordert Lohn für „digitale Zwillinge“

Diese Umwälzungen überschatten die anstehenden Gagen-Verhandlungen der US-Schauspielergewerkschaft SAG-Aftra mit den Hollywood-Studios. „Der Name, das Aussehen, die Stimme und die Persönlichkeit des Künstlers sind sein Kapital und sein Geschäft“, sagt Gewerkschaftsboss Duncan Crabtree-Ireland.

„Es ist nicht fair, wenn Unternehmen versuchen, sich das zunutze zu machen und Künstler nicht fair entschädigen, wenn sie ihre Person auf diese Weise nutzen.“ Um ihren Forderungen Nachdruck zu verleihen, hat die Gewerkschaft eine Urabstimmung angestoßen. Die Mitglieder sollen grünes Licht für einen Streik geben, sollten die Gespräche scheitern. Der Verband der Filmstudios AMPTP wollte sich dazu nicht äußern.

Unter anderem über den Streit mit dem Umgang von KI sind die Mitglieder der US-Autorengewerkschaft WGA bereits seit rund einem Monat im Ausstand. Dadurch stehen zahlreiche Film- und Fernsehproduktionen still. WGA und SAG-Aftra fordern klare Richtlinien, bevor KI in großem Stil eingesetzt wird. Denn sie befürchten, dass die Studios die Software einfach mit alten Drehbüchern und Filmausschnitten füttern, damit diese zu einem Bruchteil der Kosten neue Inhalte ausspuckt.

KI in der Filmbranche: Fluch und Segen

So könnte mit Hilfe von KI eine neue Staffel der beliebten Serie „Familienbande“ aus den 1980er Jahren geschaffen werden, erläutert Justine Bateman. Diese Sitcom machte die Produzentin, Autorin und Schauspielerin an der Seite von Michael J. Fox bekannt. Sie hat außerdem einen Abschluss in Computer-Wissenschaften. Durch einen flächendeckenden Einsatz von KI werde zudem Kreativität erstickt und die Entwicklung neuer Genres verhindert, warnt Bateman. „In so einer Welt möchte ich nicht leben.“

Künstliche Intelligenzen wie ChatGPT oder Midjourney werden mit Milliarden von Texten, Bildern oder Videos gefüttert. Daraus mischen sie neue Inhalte zusammen. Kritiker bezeichnen dies als Präsentation von altem Wein in neuen Schläuchen.

Allerdings gewinnen Filmschaffende der neuen Technologie auch gute Seiten ab. So äußert sich Harrison Ford in Interviews begeistert über seine digitale Verjüngungskur im fünften Teil der „Indiana Jones“-Reihe. In einigen Szenen sieht der 80-jährige Schauspieler aus, als wäre er gerade einmal 40 Jahre alt. Dazu nutzte eine KI-Aufnahmen aus den ersten Filmen der 1980er. Einem Magazinbericht zufolge hat zudem James Earl Jones, der im Original von „Star Wars“ dem Bösewicht „Darth Vader“ die Stimme lieh, zugestimmt, sein unverwechselbares Timbre mit Hilfe von KI für die Nachwelt zu erhalten.

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