Wirtschaft

Massive Öl-Exporte: Der Iran profitiert vom Ost-West-Konflikt

Der Iran verschifft so viel Rohöl wie noch nie seit Beginn der westlichen Sanktionen gegen das Land. Dies konterkariert die Bemühungen der OPEC+ um eine Reduzierung des Angebots. Die USA unterstützen ihren eigentlichen Feind.
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17.06.2023 12:24
Aktualisiert: 17.06.2023 12:24
Lesezeit: 4 min
Massive Öl-Exporte: Der Iran profitiert vom Ost-West-Konflikt
Ajatollah Ali Chamenei, seit 1989 Oberster Religionsführer. Der Iran hat seine Öl-Exporte stark erhöht. (Grafik: dpa/Iranian Supreme Leader's Office/Zuma Press) Foto: ----

Laut einer Reihe von Analysten, darunter Kpler, SVB Energy International, FGE und die Internationale Energieagentur, sind die Öl-Exporte des Iran auf den höchsten Stand seit dem Jahr 2018 gestiegen, als die USA ihre Sanktionen gegen die Islamische Republik wieder in Kraft setzten. Der überwiegende Teil des iranischen Öls fließt derzeit nach China, dem weltweit größten Öl-Importeur.

Die anziehenden Verkäufe verdeutlichen den Wiederaufstieg des Irans auf der geopolitischen Bühne. Denn obwohl das Land finanziell immer noch unter den jahrelangen Sanktionen des Westens leidet, hat es erfolgreich eine Verständigungen mit seinen regionalen Rivalen erreicht, seine Beziehungen zu China gepflegt und sogar eine diplomatische Annäherung an die USA begonnen.

Öl-Förderung im Iran massiv gestiegen

Doch die starken iranischen Ölexporte vereiteln die Bemühungen der OPEC+ um eine Stabilisierung der Rohölpreise, der bereits durch die schwache Weltwirtschaft und billige russische Exporte unter Druck geraten ist. "Die iranischen Rohölexporte haben den Markt im letzten Monat gesprengt", zitiert Bloomberg Homayoun Falakshahi, einen leitenden Analyst bei Kpler. "Iranisches Rohöl ist für diejenigen, die bereit sind, das Risiko einzugehen, äußerst interessant."

Die iranischen Rohölexporte haben sich seit dem letzten Herbst verdoppelt und erreichten im Mai 1,6 Millionen Barrel pro Tag, obwohl die US-Sanktionen weiterhin in Kraft sind. Die Produktion hat 2,9 Millionen Barrel pro Tag erreicht, den höchsten Stand seit Ende 2018, schätzt die IEA in Paris. Die Beratungsunternehmen SVB Energy, Petro-Logistics SA und FGE gehen davon aus, dass die Produktion noch höher ist und möglicherweise 3 Millionen Barrel pro Tag übersteigt.

Die Erholung der iranischen Öl-Förderung war im Jahr 2018 nach der Aufkündigung des Atomabkommens mit Teheran durch den damaligen Präsidenten Donald Trump stark gedrosselt wurden. Nun könnte der starke Anstieg der Förderung die Wirtschaft des Landes stärken, die durch eine galoppierende Inflation, eine fallende Währung und regelmäßige Unruhen gegen Präsident Ebrahim Raisi angeschlagen ist.

Iran erreicht Reihe von Erfolgen

Neben der Wiederbelebung der Ölgeschäfte konnte der Iran zuletzt eine ganze Reihe weiterer Erfolge verbuchen, darunter ein Abkommen mit dem regionalen Widersacher Saudi-Arabien im April, die Rehabilitierung des syrischen Verbündeten Baschar al-Assad und offenbar sogar geheime Gespräche zur Verringerung der Spannungen mit dem Weißen Haus.

Bei Verhandlungen zwischen Vermittlern in Oman und am Rande von Treffen der Vereinten Nationen haben die USA und der Iran eine Reihe von Vereinbarungen getroffen, berichtet Bloomberg mit Verweis auf Insider. Die USA erreichten dabei die Freilassung amerikanischer Gefangener und mögliche Beschränkungen für die iranische Nuklearforschung. Der Iran erreichte im Gegenzug mehr Spielraum beim Export von Rohöl.

Die starken iranischen Öl-Exporte Lieferungen belasten bereits die weltweiten Ölmärkte. Denn auch Russland und Venezuela, die ebenfalls mit Sanktionen belegt worden sind, haben ihre Exporte erhöht. Die Öl-Preise sind in diesem Jahr um 10 Prozent auf aktuell 75,23 Dollar pro Barrel in London zurückgegangen, was zu einer Reihe von Herabstufungen durch Prognostiker wie Goldman Sachs und JPMorgan geführt hat.

Irans Aufschwung hat die Bemühungen der OPEC untergraben, den Markt zu stabilisieren. Saudi-Arabien kündigte in diesem Monat eine neue Produktionskürzung um 1 Million Barrel pro Tag an, die jedoch kaum Wirkung zeigte. Wegen der Sanktionen wird iranisches Rohöl von einer sogenannten "dunklen Flotte" von Tankschiffen verschifft, die ihre Transponder deaktivieren, um nicht entdeckt zu werden.

Chinas Einfluss im Nahen Osten

Die Verfolgung der Tanker zeigt zwar, dass China nach wie vor der Hauptabnehmer von iranischem Öl ist, doch die offiziellen chinesischen Daten verzeichnen für das vergangene Jahr keine Importe aus der Islamischen Republik. Stattdessen sind die Käufe aus Malaysia stark angestiegen, wo iranische Ladungen oft auf ein anderes Schiff umgeladen werden, sodass die Herkunft der Ladung nicht mehr erkennbar ist.

Chinesische Raffinerien - vor allem kleinere, unabhängige Unternehmen in der Provinz Shandong - kaufen vermehrt iranische Ladungen, da die von Teheran angebotenen Preisnachlässe dazu beitragen, den jüngsten Einbruch der Gewinnspannen auszugleichen, so Kpler. Der Iran gibt starke Preisnachlässe auf sein Rohöl, da er mit billigem russischem Rohöl konkurrieren muss.

"Chinas Bereitschaft, den Iran durch die Abnahme seines sanktionierten Öls zu unterstützen, deutet auf eine leichte Verbesserung der iranisch-chinesischen Beziehungen hin", sagte Greg Brew, Analyst bei der Beratungsfirma Eurasia Group. "All dies unterstützt die Ansicht, dass sich die Position des Irans verbessert, zusammen mit seiner fortschreitenden Normalisierung mit anderen regionalen Staaten."

Tatsächlich war es China, das die beginnende Entspannung zwischen dem mehrheitlich schiitischen Iran und sunnitischen Saudi-Arabien vermittelte. Dies zeigt die wachsende Bedeutung Pekings und seine wachsende Nähe zu den beiden Ländern. Die beiden Rivalen im Nahen Osten bemühen sich derzeit auch, die jahrzehntelange Stellvertreterkonflikte wie den anhaltenden Krieg im Jemen zu entschärfen.

Am Samstag ist mit Faisal bin Farhan erstmals wieder ein saudischer Außenminister zu Besuch in Teheran eingetroffen, wie die Staatsagentur Irna berichtet. Im April kündigten die Regierungen an, wieder Flugverbindungen zwischen beiden Ländern anzubieten und die Visa-Vergabe zu erleichtern. Anfang Juni eröffnete der Iran wieder seine Botschaft in der saudischen Hauptstadt Riad. Wann die saudische Botschaft in Teheran wieder die Arbeit aufnimmt, ist noch unklar.

Die Beziehungen der beiden Regionalmächte am Golf waren über lange Zeit sehr angespannt. 2016 brach Riad nach einem Angriff von Demonstranten auf die saudische Botschaft in Teheran die diplomatischen Kontakte ab. Ihre Rivalität trugen beide Staaten auch bei militärischen Konflikten in der Region aus, beispielsweise im Jemen. Nach sieben Jahren diplomatischer Eiszeit nähern sie sich seit März dieses Jahres wieder aneinander an.

Wohin geht der Ölpreis?

Einige Analysten spekulieren, dass der Anstieg der iranischen Ölexporte von der US-Regierung stillschweigend geduldet wird, um die Benzinpreise in Schach zu halten und um die russischen Exporte unter Druck zu setzten. Beim Iran ein Auge zuzudrücken, könnte auch hilfreich sein, wenn die beiden Länder am Aufbau eines diplomatischen Kanals arbeiten.

Die Internationale Energieagentur erwartet, dass die globalen Ölmärkte für den Rest des Jahres ein deutliches Defizit aufweisen werden, da sich Chinas Erholung nach der Pandemie beschleunigen wird. Die Nachfrage wird der IEA zufolge das Angebot in der zweiten Jahreshälfte um etwa 2 Millionen Barrel pro Tag übersteigen. Rohölhändler hingegen erwarten - auch wegen der starken iranischen Exporte - keine Verknappung des Angebots.

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