Immobilien

Sorgen auf dem Immobilienmarkt: Firmen wollen massiv Büros abbauen

Konzerne passen ihre Immobilienportfolios an veränderte Arbeitsmuster an. Das löst Sorgen vor allem im US-Markt aus. Welche Städte werden in zehn Jahren den größten Büroraum-Überschuss haben?
26.06.2023 21:11
Aktualisiert: 26.06.2023 21:11
Lesezeit: 2 min
Sorgen auf dem Immobilienmarkt: Firmen wollen massiv Büros abbauen
Die Skyline von San Francisco. Globale Konzerne streben eine Büro-Flächenreduzierung an. (Foto: dpa)  

Ungefähr die Hälfte der großen multinationalen Firmen plant in den nächsten drei Jahren ihre Büroflächen abzubauen - ein wachsender, globaler Trend angesichts den zunehmenden Homeoffice-Arbeitsoptionen, die Firmen nach der Pandemie für ihre Mitarbeiter bereitgestellt haben.

Eine Knight Frank-Umfrage unter leitenden Führungskräften, die in 350 Unternehmen weltweit für Immobilien zuständig sind und zusammen 10 Millionen Menschen beschäftigen, ergab, dass größere Konzerne ihre Büroflächen zwischen 10 Prozent und 20 Prozent reduzieren wollen.

Lee Elliott, ein Experte für Gewerbeimmobilien bei der einer britischen Immobilienfirma Knight Frank, sagte gegenüber der Financial Times: „Besserer, aber weniger Platz ist die Devise für die größeren Unternehmen“. Aktuell sei der US-Büromarkt gekennzeichnet von einer Verknappung des Angebots für erstklassige Gebäude. Die Mieten für diese Immobilien stiegen daher an.

Elliot zufolge haben viele Unternehmen Immobilienentscheidungen in den letzten drei Jahren pausiert, um Arbeitsgewohnheiten nach der Pandemie zu beurteilen. „Viele müssen noch den Auslauf ihrer Mietverträge abwarten, bevor sie Änderungen vornehmen können“, fügte er hinzu.

Sorge nach starken Marktschwankungen

Die Aussicht, dass große Konzerne ihren Fußabdruck im Büroimmobilienmarkt verkleinern wollen, hat Sorgen über die Zukunft älterer Gebäude und unbeliebter Standorte ausgelöst, berichtet die Financial Times.

Der US-Gewerbeimmobilienmarkt erlebt aktuell einen schmerzhaften Abschwung, der durch höhere Zinsen ausgelöst wurde. Investmentmanager warnten diesen Monat vor wachsenden Problemen in dem 5,6 Milliarden US-Dollar Gewerbeimmobilien-Sektor. Charlie Munger, stellvertretende Vorsitzender bei Berkshire Hathaway, sprach von einem „herannahenden Sturm“ auf dem Markt. Munger sagte, die Banken seien „voll mit faulen Krediten“ und es gäbe eine Menge Bürogebäude, Einkaufszentren und andere Immobilien, die problematisch wären.

Wo der Büro-Überschuss sein wird

Firmen verfolgen unterschiedliche Strategien für die Heimarbeit. Der Vermögensverwalter BlackRock hat im vergangenen Monat alle Mitarbeiter aufgefordert, vier Tagen in der Woche ins Büro zurückzukehren. JPMorgan hat im April beschlossen hatte, dass leitende Angestellte fünf Tage pro Woche im Büro arbeiten müssen.

Rund ein Drittel der Konzerne hat sich für eine vollständige oder überwiegende Präsenzarbeit entschieden und die Mehrheit für eine Mischform, so die Knight Frank-Umfrage.

Laut der Financial Times prognostiziert eine Savills-Studie, dass US-Städte wie San Francisco und Washington DC in den nächsten zehn Jahren den größten Überschuss an Büroflächen haben werden, während der asiatische Markt knapper sein wird und Europa "im Mittelfeld" liegen wird.

In Deutschland befinden sich offene Immobilienfonds aktuell in unruhigem Fahrwasser: Denn diese Fonds investieren zu einem überwiegenden Teil in gewerblich genutzte Immobilien in Westeuropa wie Einkaufscenter, Hotels oder Büros. Nur 4,3 Prozent der angelegten Gelder stecken laut dem Fondsverband BVI in Wohnimmobilien. Die Preise von Gewerbeimmobilien sind aber in Deutschland aufgrund der steigenden Leitzinsen deutlich gefallen. Außerdem gibt es weniger Nachfrage nach Büros aufgrund des Trends zum Homeoffice.

Mehr zum Thema
Bleiben Sie über das Thema dieses Artikels auf dem Laufenden Klicken Sie auf [+], um eine E-Mail zu erhalten, sobald wir einen neuen Artikel mit diesem Tag veröffentlichen
Anzeige
DWN
Finanzen
Finanzen Finanzielle Freiheit braucht einen starken Partner

Vermögen eröffnet Möglichkeiten – und bringt zugleich Entscheidungen mit sich: Wie lässt sich das Erreichte bewahren, gezielt...

X

DWN-Wochenrückblick

Weniger E-Mails, mehr Substanz: Der DWN-Wochenrückblick liefert 1x/Woche die wichtigsten Themen kompakt als Podcast. Für alle, deren Postfach überläuft.

E-mail: *

Ich habe die Datenschutzerklärung sowie die AGB gelesen und erkläre mich einverstanden.

Vera von Lieres

Vera von Lieres gehört seit September 2022 zum DWN-Team und schreibt als Redakteurin über die Themen Immobilien und Wirtschaft. Sie hat langjährige Erfahrung im Finanzjournalismus, unter anderem bei Reuters und führenden Finanzmedien in Südafrika. Außerdem war sie als Kommunikations- und Marketing-Spezialistin bei internationalen Firmen der Investment-Branche tätig.

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Elektroautos sollen Strom verkaufen: Neuer Markt für Fahrer und Energieversorger
05.10.2026

In Deutschland wird die gesetzliche Grundlage für eine breite Einführung des V2G-Systems vorbereitet. Elektroautos sollen künftig nicht...

DWN
Finanzen
Finanzen KI-Portfolio übernimmt das Depot: Kann Claude den S&P 500 schlagen?
05.10.2026

Ein Redakteur überlässt 1.000 Euro echtem Geld einer künstlichen Intelligenz. Claude darf Aktien kaufen und verkaufen, Risiken eingehen...

DWN
Politik
Politik Das Land, das blutiges Gold über die Welt verteilt
05.10.2026

Die Vereinigten Arabischen Emirate sind ein Drehkreuz für einen bedeutenden Teil des weltweiten Goldhandels. Das hat Dubai den Spitznamen...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Niedriglohnland Deutschland: Wo es millionenfach niedrige Löhne gibt
05.10.2026

Wenn Arbeit nicht vor Armut schützt: In der drittgrößten Volkswirtschaft der Welt arbeiten Millionen Menschen an der Schwelle zum...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Lexus ES: Dieser Japaner greift Audi, BMW und Mercedes an
05.10.2026

Der Lexus ES will dort angreifen, wo Audi, BMW und Mercedes seit Jahrzehnten den Ton angeben. Die neue japanische Luxuslimousine setzt...

DWN
Politik
Politik BND-Chef Jäger warnt vor Russlands "Schattenkrieg" gegen Deutschland
05.10.2026

Sabotage, Desinformation und Einflussnahme auf Wahlen: Deutschlands Geheimdienste zeichnen ein beunruhigendes Bild russischer Aktivitäten....

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Gasspeicher nur zu 58 Prozent gefüllt: Was das für den Winter bedeutet
05.10.2026

Deutschland startet mit ungewöhnlich niedrigen Gasvorräten in die Heizperiode. Die Speicher sind nach Angaben der Bundesnetzagentur nur...

DWN
Finanzen
Finanzen Anthropic-IPO: Warum Anleger trotz Claude-Boom vorsichtig sein sollten
05.10.2026

Anthropic wächst in atemberaubendem Tempo und könnte zu den wertvollsten Technologiekonzernen der Welt aufsteigen. Doch hinter dem...