Politik

Migrationskrise: Jugendämter nehmen zehntausende Kinder in Obhut

Die schwere Migrationskrise in Deutschland ruft die Jugendämter auf den Plan.
26.06.2023 10:53
Aktualisiert: 26.06.2023 10:53
Lesezeit: 1 min
Migrationskrise: Jugendämter nehmen zehntausende Kinder in Obhut
Oktober 2022: Eingeschleuste Flüchtlinge sitzen auf der Ladefläche eines Kleintransporters. Nach den Ermittlungen der Bundespolizei handelte es sich um zwölf iranische, vier afghanische und zwei irakische Staatsangehörige im Alter zwischen fünf und 44 Jahren. Unter ihnen waren ein fünfjähriger Junge, ein zehnjähriges Mädchen und zwei unbegleitete Minderjährige. (Foto: dpa) Foto: ---

Die Zahl der Inobhutnahmen in Deutschland ist zuletzt deutlich gewachsen. So nahmen die Jugendämter im vergangenen Jahr über 66 400 Kinder und Jugendliche vorübergehend in Obhut, wie das Statistische Bundesamt in Wiesbaden am Montag mitteilte. Im Vorjahresvergleich stiegen die Zahlen um satte 40 Prozent (rund 18 900 Fälle).

Ein Hauptgrund für die Entwicklung sei auch die Zunahme unbegleitet eingereister Minderjähriger aus dem Ausland, erklärten die Statistiker. Die Zahl dieser Fälle kletterte im letzten Jahr sogar um 153 Prozent auf insgesamt 28 600.

Angaben zu den Herkunftsländern der unbegleitet eingereisten Minderjährigen lagen dem Bundesamt nicht vor. Die Behörde verwies aber auf Daten der Bundesregierung, wonach die meisten dieser unbegleiteten Kinder und Jugendlichen 2021 und 2022 aus Afghanistan und Syrien kamen. «Die Ukraine spielte demnach im Jahr 2022 als Herkunftsland offenbar eine eher untergeordnete Rolle», hieß es.

«Zum aktuellen Anstieg haben aber noch weitere Entwicklungen beigetragen», erklärten die Statistiker. Nach einem Rückgang in den Corona-Jahren 2020 und 2021 nahmen im letzten Jahr auch erstmals wieder die Inobhutnahmen wegen dringender Kindeswohlgefährdung zu (plus fünf Prozent). Insgesamt haben die Jugendämter damit 2022 die meisten Inobhutnahmen aus diesem Grund durchgeführt, nämlich rund 29 800. Knapp dahinter folgten die Inobhutnahmen nach unbegleiteten Einreisen und in 8000 Fällen hatten die Minderjährigen selbst um Inobhutnahme gebeten (plus vier Prozent).

Und was waren die häufigsten Anlässe? Mit Abstand am häufigsten genannt wurde - bei 13 möglichen Anlässen - die unbegleitete Einreise (43 Prozent), dahinter folgte die Überforderung der Eltern (26 Prozent) und Anzeichen für Vernachlässigungen (11 Prozent) sowie auf Platz vier Anzeichen für körperliche Misshandlungen (10 Prozent).

Laut den Angaben konnte fast jede zweite Inobhutnahme (48 Prozent) nach spätestens zwei Wochen, jede dritte (33 Prozent) nach einer Woche beendet werden. Mehr als jede zehnte Inobhutnahme war allerdings mit einer Dauer von mindestens drei Monaten relativ lang.

Mehr zum Thema
Bleiben Sie über das Thema dieses Artikels auf dem Laufenden Klicken Sie auf [+], um eine E-Mail zu erhalten, sobald wir einen neuen Artikel mit diesem Tag veröffentlichen
Anzeige
DWN
Finanzen
Finanzen Gold als strategischer Anker: Warum physische Substanz zählt

Wo sich die wirtschaftlichen Gewichte grundlegend verschieben, suchen Unternehmen sowie Privatanlegerinnen und Privatanleger nach...

DWN
Unternehmen
Unternehmen Wertvollste Marken 2026: Apple ist auf Platz eins, Tesla hat am meisten verloren
07.11.2026

Welche Unternehmen führen das Ranking der wertvollsten Marken 2026 an, welche gewinnen besonders stark und welche verlieren an Bedeutung?...

DWN
Politik
Politik Alterssicherung: Wie viele Ältere nutzen die umstrittene Frührente?
07.11.2026

Die meisten Menschen gehen laut einer neuen Untersuchung früher in Rente. Wie lange das noch in heutiger Form möglich ist, ist in der...

DWN
Politik
Politik Klimapolitik: Zehn Jahre Pariser Klimaabkommen – "unbeherrschbare Zukunft"
07.11.2026

Eigentlich gibt es einen Plan, um die Krise in den Griff zu bekommen: das Pariser Klimaabkommen, das nun seit zehn Jahren in Kraft ist....

DWN
Finanzen
Finanzen Brutale Woche für Tech-Branche endet mit kurzer Verschnaufpause, doch KI-Zweifel bleiben
06.11.2026

Erfahren Sie, wie Schnäppchenjäger die Märkte kurzzeitig stabilisieren und welche unberechenbaren Risiken die Börsen weiterhin bedrohen.

DWN
Politik
Politik Schweden bestätigt Taurus-Lieferung: Marschflugkörper erreicht mehr als 500 Kilometer
06.11.2026

Schweden hat erstmals bestätigt, bereits Taurus-Marschflugkörper erhalten zu haben. Die Waffe kann Ziele in mehr als 500 Kilometern...

DWN
Politik
Politik Nachfolge von Frank-Walter Steinmeier: Union und SPD für Ilse Aigner als Bundespräsidentin
06.11.2026

Ein Versorgungsposten zwischen den Unionsparteien und der SPD? Es herrscht anscheinend Einigung zwischen Union und SPD, dass Aigner...

DWN
Unternehmensporträt
Unternehmensporträt West Transport: Mit 22 Lastwagen gegen die Krise der Transportbranche
06.11.2026

Die Transportbranche kämpft mit steigenden Kosten, Fahrermangel und wachsendem Wettbewerbsdruck. Doch ein kleines Familienunternehmen aus...

DWN
Finanzen
Finanzen Gold vs. Bitcoin: Welcher Vermögenswert schützt in der Krise?
06.11.2026

Ende August bewegten sich Bitcoin und Gold so stark im Gleichlauf wie seit fast sechs Jahren nicht mehr. Dr. André Dragosch, Head of...