Politik

EU bezahlt Impfstoff-Hersteller für Vorhalten von Kapazitäten

Die EU zahlt einer Gruppe europäischer Impfstoffhersteller eine dreistellige Millionensumme, damit sie Kapazitäten für die Impfstoffproduktion vorhalten. In der nächsten Pandemie dürfte das Impfen schneller beginnen.
Autor
02.07.2023 17:00
Aktualisiert: 02.07.2023 17:00
Lesezeit: 2 min
EU bezahlt Impfstoff-Hersteller für Vorhalten von Kapazitäten
Die Hersteller sollen große Produktionskapazitäten vorhalten, damit das Impfen in der nächsten Pandemie scheller starten kann. (Foto: dpa) Foto: Marijan Murat

Die Europäische Kommission hat einen Vertrag mit einer Gruppe von Impfstoffherstellern unterzeichnet, um bei künftigen Krankheitsausbrüchen Kapazitäten zur Produktion von Impfstoffen zur Verfügung zu haben. Dies teilte die Kommission am Freitag mit. Die Mitteilung der EU nennt neben den vier Vertragspartnern der EU auch die von ihnen angebotenen Impfstofftypen:

  • Pfizer Ireland Pharmaceuticals und Pfizer Manufacturing Belgium - mRNA
  • der spanische Impfstoffhersteller HIPRA - proteinbasierte Impfstoffe
  • CZ Vaccines, eine Unternehmensgruppe des spanischen Pharmakonzerns Zendal - proteinbasierte Impfstoffe
  • das spanische Pharmaunternehmen Laboratorio Reig Jofre - proteinbasierte Impfstoffe
  • das niederländische Unternehmen Bilthoven Biologicals - vektorbasierte Impfstoffe

Insgesamt reserviert sich die EU eine ausreichende Kapazität für 325 Millionen Dosen pro Jahr für 160 Millionen Euro pro Jahr. Dies sind allerdings lediglich die Kosten für das Vorhalten der Produktionskapazitäten, die selbst dann anfallen, wenn nichts produziert wird. Sobald aber eine Krankheit ausgemacht wird und eine entsprechende Produktion von Impfstoffen gestartet wird, fallen die weitaus höheren Kosten für die Produktion an.

Jedes der sechs beteiligten Unternehmen hat zugesagt, Produktionskapazitäten im Umfang von jährlich mindestens 50 Millionen Dosen für die EU zu reservieren. Diese Impfstoffdosen werden der Mitteilung zufolge von Anfang bis Ende in der EU hergestellt, nämlich in Belgien, Irland, den Niederlanden und Spanien.

Binnenmarkt- Kommissar Thierry Breton sagte: "Eine wichtige Lehre, die wir aus der COVID-19-Pandemie gezogen haben, ist die Erkenntnis, dass wir hohe Kapazitäten für die Herstellung von Impfstoffen in der EU benötigen, um ohne Verzögerung autonom auf die Nachfrage reagieren zu können. Im Rahmen von EU-FAB richtet die Kommission ein Netz von Impfstofffabriken in Europa ein, um sicherzustellen, dass die EU im Falle einer Gesundheitskrise ausreichend Impfstoffe herstellen kann. Dieses großartige Projekt wird die industriellen Kapazitäten der EU stärken, dafür sorgen, dass wir auf künftige Pandemien reagieren können, und die strategische Autonomie der EU stärken."

Der Vertrag sieht vor, dass die EU die beteiligten Unternehmen für ungenutzte Impfstoffkapazitäten bezahlt, damit bei Bedarf die Produktion schnell starten kann. Die EU hat bereits ähnliche Vereinbarungen mit GlaxoSmithKline und Seqirus getroffen, um Kapazitäten für Impfstoffe gegen die Vogelgrippe zu reservieren. Die Infektionskrankheit, die auch als Vogelgrippe bekannt ist, gilt laut einem Bericht von Politico als Hauptkandidat für die nächste Pandemie.

Die jüngste Vereinbarung wurde im Rahmen des FAB-Programms der EU getroffen, das von der Europäischen Behörde für die Krisenvorsorge und -reaktion bei gesundheitlichen Notlagen (HERA) verwaltet wird. Die Behörde wurde eingerichtet, um die Fähigkeit Europas zu verbessern, rasch auf solche Krisen zu reagieren und den Bürgern Impfstoffe zur Verfügung zu stellen.

Mehr zum Thema
Bleiben Sie über das Thema dieses Artikels auf dem Laufenden Klicken Sie auf [+], um eine E-Mail zu erhalten, sobald wir einen neuen Artikel mit diesem Tag veröffentlichen
Anzeige
DWN
Finanzen
Finanzen Finanzielle Freiheit braucht einen starken Partner

Vermögen eröffnet Möglichkeiten – und bringt zugleich Entscheidungen mit sich: Wie lässt sich das Erreichte bewahren, gezielt...

X

DWN-Wochenrückblick

Weniger E-Mails, mehr Substanz: Der DWN-Wochenrückblick liefert 1x/Woche die wichtigsten Themen kompakt als Podcast. Für alle, deren Postfach überläuft.

E-mail: *

Ich habe die Datenschutzerklärung sowie die AGB gelesen und erkläre mich einverstanden.

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Kappa Rus: Wie Putin einen Unternehmer um sein Lebenswerk bringt
20.10.2026

Jahrelang baute ein schwedischer Unternehmer in Russland ein millionenschweres Geschäft auf. Nun nimmt ihm Wladimir Putin per Dekret die...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Leere Lager, stockende Bänder: Die deutsche Industrie im Würgegriff neuer Materialengpässe
20.10.2026

Elektronikkomponenten und chemische Rohstoffe werden zur Mangelware. Die neuesten ifo-Daten zeigen, wie fragil der Standort Deutschland im...

DWN
Finanzen
Finanzen Altersvorsorgedepot: Sozialverband warnt vor staatlich geförderter Kostenfalle
20.10.2026

Maximal ein Prozent Gebühren pro Jahr darf das neue Altersvorsorgedepot ab dem 1. Januar 2027 kosten. Dennoch warnt der Sozialverband vor...

DWN
Finanzen
Finanzen SpaceX-Aktie: Musk verspricht jedem US-Kind eine Aktie seiner Weltraumfirma
20.10.2026

Jedes Kind in den USA soll von Elon Musk eine Aktie seiner Weltraumfirma SpaceX bekommen. Wie genau das passieren soll, ist noch unklar....

DWN
Finanzen
Finanzen Staatsverschuldung: Wie teuer Deutschlands Schulden jetzt werden
20.10.2026

Deutschlands Staatsschulden wachsen, während die Zinsen an den Anleihemärkten steigen. Der Bund muss immer mehr Geld aufnehmen und...

DWN
Politik
Politik Sonntagsumfrage: AfD bleibt stärkste Kraft
20.10.2026

Die AfD liegt in der YouGov-Umfrage weiter vorn, während sich bei mehreren Parteien kaum etwas bewegt. Welche Verschiebungen es im...

DWN
Finanzen
Finanzen Vier Jahre Kursentwicklung an der Wall Street: Jetzt wird der Aufschwung auf die Probe gestellt
20.10.2026

Der US-Aktienmarkt hat sich in vier Jahren mehr als verdoppelt. Doch hohe Zinsen und Finanzierungssorgen für den KI-Boom haben nun für...

DWN
Finanzen
Finanzen Buffer-ETFs: Warum der Airbag fürs Depot vor allem Rendite kostet
20.10.2026

Buffer-ETFs versprechen Aktienrenditen ohne die schlaflosen Nächte. In den USA ist daraus ein 78-Milliarden-Dollar-Business geworden, in...