Politik

EU-Behörde EFSA stuft Glyphosat als unkritisch ein

Die EU-Behörde EFSA schätzt das Herbizid Glyphosat als unbedenklich ein. Damit steht das umstrittene Gift kurz vor einer erneuten Zulassung. Die Krebsforschungsagentur IARC bewertete den Wirkstoff 2015 als „wahrscheinlich krebserregend“.
06.07.2023 14:44
Aktualisiert: 06.07.2023 14:44
Lesezeit: 2 min
EU-Behörde EFSA stuft Glyphosat als unkritisch ein
Ein Plastikcontainer mit der Aufschrift "Glyphosat" bei einer Blockade von Extinction Rebellion vor dem Eingang des Chemiekonzerns Bayer Monsanto. (Foto: dpa) Foto: Fabian Sommer

Die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA) sieht eine erneute Zulassung des umstrittenen Unkrautvernichters Glyphosat in der Europäischen Union unkritisch. Die EFSA habe in der Risikobewertung des Wirkstoffs in Bezug auf das von ihm ausgehende Risiko für Mensch und Tier sowie für die Umwelt keine kritischen Bereiche festgestellt, die Anlass zur Sorge geben, hieß es in einer am Donnerstag veröffentlichten Neubewertung von Glyphosat durch die Behörde.

Diese Einschätzung sei Ergebnis der über dreijährigen Arbeit von Dutzenden Wissenschaftlern der EFSA und der Mitgliedstaaten. „Sie basiert auf der Auswertung vieler Tausend Studien und wissenschaftlicher Artikel“, erklärte der Leiter der EFSA-Risikobewertung, Guilhem de Seze.

Behörde stuft Glyphosat als unbedenklich ein

Die EFSA verwies darauf, dass die Europäische Chemikalienagentur (ECHA) 2022 bei einer Gefahrenbewertung von Glyphosat zu dem Schluss kam, dass der Wirkstoff die wissenschaftlichen Kriterien für eine Einstufung als krebserregender, erbgutverändernder oder fortpflanzungsgefährdender Stoff nicht erfüllt. „Die EFSA verwendete die Gefahreneinstufung der ECHA für die EU-Risikobewertung von Glyphosat.“

Mit der Bewertung der EFSA tritt der Wiederzulassungsprozess von Glyphosat in der EU in seine finale Phase. Auf Grundlage der wissenschaftlichen Schlussfolgerungen der Behörde wird die Europäische Kommission einen Verordnungsentwurf über die Verlängerung oder Nichtverlängerung der Zulassung des Wirkstoffs ausarbeiten. Die Mitgliedsstaaten werden voraussichtlich im dritten Quartal darüber abstimmen. Die Zulassung von Glyphosat in der EU läuft noch bis zum 15. Dezember dieses Jahres.

Glyphosat zählt zu den weltweit am meisten eingesetzten Herbiziden und wurde vom US-Konzern Monsanto entwickelt, den der deutsche Pharma- und Agrarchemiekonzern Bayer übernahm. Das Leverkusener Unternehmen begrüßte die EFSA-Bewertung: „Diese abschließende wissenschaftliche Schlussfolgerung legt den Grundstein für die erfolgreiche Wiederzulassung von Glyphosat in der EU.“ Für Bayer sind seine glyphosathaltigen Roundup-Unkrautvernichter ein wichtiger Umsatzbringer.

Monsanto-Übernahme durch Bayer

Mit dem Monsanto-Zukauf holten sich die Leverkusener allerdings auch eine Klagewelle wegen der angeblich krebserregenden Wirkung des Herbizids ins Haus, die den Konzern schwer belastet. Behörden weltweit, darunter die US-Umweltbehörde EPA und die Europäische Chemikalienagentur, haben Glyphosat als nicht krebserregend eingestuft. Allein die Krebsforschungsagentur IARC bewertete den Wirkstoff 2015 als „wahrscheinlich krebserregend“. Auch andere Konzerne produzieren das Breitbandherbizid, das gegen jegliche Grünpflanzen wirkt.

Die EFSA wies auch darauf hin, dass bei ihrer Bewertung Datenlücken festgestellt worden seien. So habe etwa eine Bewertung des ernährungsbedingten Risikos für Verbraucher wegen unvollständiger Daten über die Menge der Rückstände in Kulturen wie Karotten, Salat und Weizen nicht abgeschlossen werden können.

Allerdings werde nicht erwartet, dass dies zu einer Überschreitung der toxikologischen Sicherheitsniveaus führt, so dass es keine kritischen Bedenken gebe. Auch die Bewertung der Risiken für Wasserpflanzen habe mangels Daten nicht abgeschlossen werden können. Diese Datenlücken sollten die EU-Kommission und die Mitgliedstaaten in der nächsten Phase der Zulassungserneuerung berücksichtigen.

Mehr zum Thema
Bleiben Sie über das Thema dieses Artikels auf dem Laufenden Klicken Sie auf [+], um eine E-Mail zu erhalten, sobald wir einen neuen Artikel mit diesem Tag veröffentlichen
Anzeige
DWN
Finanzen
Finanzen Damit Sie sich auf Ihr Unternehmen konzentrieren können

Ein Unternehmen zu führen, bedeutet, täglich Verantwortung zu übernehmen und Entscheidungen zu treffen. Gleichzeitig soll möglichst...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Kingspan Group-Aktie unter Druck: EU greift nach geplatztem Deal durch
10.10.2026

Ein geplatzter Milliardendeal? Nein, ein gescheiterter Firmenkauf mit teuren Folgen. Weil der irische Baustoffkonzern Kingspan die...

DWN
Politik
Politik Marine Le Pen plant finanzpolitischen Kurs mit großen Einsparungen: Auf den Straßen wächst die Wut
10.10.2026

Frankreich steht finanziell mit dem Rücken zur Wand. Während Zehntausende junge Menschen gegen marode Schulen und fehlende Investitionen...

DWN
Unternehmen
Unternehmen Generation Z trifft auf Generation X: Wie ein Eiskaffee zum Karrierekiller werden kann
10.10.2026

Ein Eiskaffee beim Bewerbungsgespräch sollte eigentlich keine große Sache sein. Doch für manche Personalverantwortliche verrät der...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft EZB-Leitzinsen: Die Zinswende kommt anders als erwartet
10.10.2026

Erst schien die nächste Zinserhöhung der EZB fast sicher, jetzt rudern die Finanzmärkte zurück. Trotz hartnäckiger Inflation und...

DWN
Finanzen
Finanzen US-Marktbericht: Anleger wägen SpaceX-Schritt ab, während die Wall Street boomt
09.10.2026

Wie ein überraschender Deal die Kräfteverhältnisse an der Börse nachhaltig verschiebt.

DWN
Unternehmensporträt
Unternehmensporträt Finanz Informatik: Der unsichtbare Riese hinter der Sparkassen-Digitalisierung
09.10.2026

Vom Online-Banking bis zu Wertpapiergeschäften – die Finanz Informatik digitalisiert 338 Sparkassen und betreut rund 114 Millionen...

DWN
Politik
Politik Brüssel schlägt vor: weniger Kommissare, weniger Vetos, mehr Schutzklauseln und 15 Jahre Kontrolle neuer Mitglieder
09.10.2026

Die Europäische Kommission will in den bisherigen Mitgliedstaaten Unterstützung für die Erweiterung gewinnen, da dort Sorgen über die...

DWN
Finanzen
Finanzen Investor Felix: Sechs Gründe, warum die Micron-Aktie zum Kauf einlädt
09.10.2026

Das Problem besteht nicht darin, einen Grund für den Kauf zu finden, sondern sich zu vergewissern, dass man davon nicht bereits zu viel im...