Politik

Südamerika setzt im Außenhandel auf Yuan statt Dollar

In Südamerika schreitet die Abkehr vom Dollar weiter voran. Nun verwendet auch Bolivien den chinesischen Yuan für die Abwicklung von Handelsgeschäften.
Autor
29.07.2023 17:46
Aktualisiert: 29.07.2023 17:46
Lesezeit: 4 min
Südamerika setzt im Außenhandel auf Yuan statt Dollar
In Südamerika setzen die Staaten zunehmend auf Yuan statt Dollar. (Foto: dpa) Foto: Diego Azubel

Bolivien ist damit das jüngste Land in Südamerika, das die chinesische Währung regelmäßig zur Bezahlung von Importen und Exporten verwendet. Zwischen Mai und Juli dieses Jahres tätigte Bolivien Finanztransaktionen in Höhe von 278 Millionen Chinesischen Yuan (38,7 Millionen Dollar), was 10 Prozent seines Außenhandels in diesem Zeitraum ausmachte, sagte Wirtschaftsminister Marcelo Montenegro am Donnerstag auf einer Pressekonferenz.

"Wir verwenden den Yuan bereits. Das ist eine Realität und ein guter Anfang", zitiert ihn das Magazin Time. "Exporteure von Bananen, Zink und Holzprodukten wickeln Transaktionen in Yuan ab, ebenso wie Importeure von Fahrzeugen und Investitionsgütern." Diese elektronischen Transaktionen werden über die staatliche Banco Unión abgewickelt. "Der Betrag, der in Yuan verwendet wird, ist noch relativ gering, wird aber mit der Zeit zunehmen", sagte Montenegro.

Mit der Nutzung des Yuan im Außenhandel schließt sich Bolivien anderen südamerikanischen Ländern an, vor allem Brasilien und Argentinien, die den Yuan verwenden. Die drei Länder werden von linken oder linksgerichteten Regierungen regiert. Die Entwicklung ist eine wachsende Herausforderung für die Vorherrschaft des Dollars bei internationalen Finanztransaktionen in der Region.

Handel und Investitionen: Chinas Einfluss in Südamerika wächst

In Lateinamerika und der Karibik nimmt die Verwendung des Yuan vor allem in den Ländern zu, "die eine stärkere Bindung an China anstreben und sich in gewisser Weise politisch auf dieses Ziel ausgerichtet sehen, um ihre Abhängigkeit vom Dollar und von den USA im Allgemeinen zu verringern", sagt Margaret Myers, Direktorin des Asien- und Lateinamerika-Programms beim Inter-American Dialogue in Washington.

"In Washington ist man sehr besorgt über die Bedrohung der besonderen Rolle des Dollars in Regionen wie Lateinamerika", sagte Benjamin Gedan, Direktor des Lateinamerika-Programms am Wilson Center in Washington. "Chinas neue Rolle als Kreditgeber letzter Instanz in Argentinien und die Verwendung des Yuan für den internationalen Handel durch Bolivien sind ein Zeichen der Zeit."

Anfang dieses Jahres stellte die argentinische Regierung einen Plan vor, den Yuan zur Bezahlung von Importen aus China zu verwenden, um ihre schwindenden Devisenreserven zu erhalten, und sie hat die Möglichkeit ins Spiel gebracht, Schulden beim Internationalen Währungsfonds mit der chinesischen Währung zu begleichen.

In Brasilien hat der Yuan Ende letzten Jahres den Euro als zweitwichtigste Währung in den Devisenreserven abgelöst. Bereits 5,37 Prozent der Bestände der Zentralbank entfielen auf die chinesische Währung, gegenüber 4,74 Prozent für den Euro. Bis zum Jahr 2018 war der Yuan in den brasilianischen Devisenreserven überhaupt nicht vertreten gewesen.

Bolivien nutzt Yuan wegen Dollar-Knappheit

In Bolivien wurde der Yuan erstmals nach einer monatelangen schweren Dollarknappheit verwendet, die sich seit Februar auf die Wirtschaft des Landes auswirkte. Einige Analysten und Mitglieder der Opposition stellen die Verwendung des Yuan daher in Frage. "Es ist keine langfristige Lösung und scheint eher ein Versuch zu sein, die wirtschaftlichen Probleme zu vertuschen", sagte José Gabriel Espinoza, ein Wirtschaftsprofessor an der Katholischen Universität Boliviens.

Abgesehen von politischen Erwägungen sei die Suche nach Alternativen zum Dollar, der angesichts steigender Zinssätze teurer geworden ist, auch wirtschaftlich sinnvoll, sagte Rebecca Ray, leitende Wissenschaftlerin am Global Development Policy Center der Universität Boston. Der Dollar sei teuer und schwer zu bekommen. "Die Zentralbanken suchen überall nach Alternativen", wird sie von Time zitiert.

Boliviens Präsident Luis Arce sagte Anfang des Monats, das Andenland suche angesichts einer "Dollar-Liquiditätskrise" nach Alternativen. Während eines Besuchs in China im April stellte der brasilianische Präsident Luis Inácio Lula da Silva die Allgegenwärtigkeit des Dollars im Außenhandel in Frage. "Wer hat eigentlich beschlossen, dass der Dollar die Währung ist, nachdem der Goldstandard abgeschafft wurde", sagte er.

Peking setzt sich schon seit vielen Jahren für eine stärkere internationale Verwendung des Yuan ein. "China will eindeutig die globale Vorherrschaft des Dollars herausfordern, sowohl aus praktischen als auch aus symbolischen Gründen", so Gedan vom Wilson Center. Und nun zeigen sich im globalen Süden tatsächlich immer mehr Länder interessiert an der Yuan-Nutzung.

Doch wie wahrscheinlich ist ein groß angelegter Umstieg auf den Yuan in naher Zukunft? "Ich denke, es gibt eine Art natürliches Limit, an das die meisten Länder stoßen werden", so Myers. "So viele Transaktionen müssen immer noch mit dem Dollar abgewickelt werden". Das wichtigste Limit sei "die Tatsache, dass das chinesische Finanzsystem noch relativ geschlossen ist".

Der Dollar als Waffe

Die Freigabe von Konten in chinesischen Yuan durch die argentinische Zentralbank im argentinischen Bankensystem ist ein großer Fortschritt bei der Senkung der Wechselkurskosten, der Förderung der finanziellen Effizienz und der Währungsdiversifizierung, sagte der argentinische Botschafter in China, Sabino Vaca Narvaja, im Juni gegenüber der Global Times.

"Immer mehr Länder nutzen den chinesischen Yuan für die Handelsabwicklung, und dieses Phänomen wird immer häufiger auftreten", sagte Xi Junyang, Professor an der Shanghai University of Finance and Economics, am Samstag gegenüber der Global Times. China ist das größte Handelsland der Welt, was zu einer enormen Nachfrage nach Yuan als Zahlungsmittel führen werde, so das Blatt.

China hat die Öffnung seiner Finanzaktivitäten ausgeweitet, und die Wechselkurse des chinesischen Yuan waren im Vergleich zu anderen wichtigen Währungen relativ stabil, so Professor Xi. Zudem hätten immer mehr Länder erkannt, wie wichtig es ist, ein stärker diversifiziertes internationales Währungssystem anzustreben, da die USA ihre Währung weiterhin als Waffe einsetzen, insbesondere nach der Ukraine-Krise.

Während eines Treffens mit dem chinesischen Botschafter in Bolivien, Huang Yazhong, am 20. Juli sagte der Gouverneur der bolivianischen Zentralbank, Edwin Rojas Ulo, dass der Finanzsektor ein integraler Bestandteil der Zusammenarbeit zwischen China und Bolivien bei der Förderung der Neuen Seidenstraße (englisch: Belt and Road Initiative) sei.

China ist der zweitgrößte Handelspartner Boliviens und die wichtigste Importquelle des Landes. In der ersten Jahreshälfte belief sich der bilaterale Handel auf 8,42 Milliarden Yuan und stieg damit im Vergleich zum Vorjahr um 77,4 Prozent, wie aus den chinesischen Zolldaten hervorgeht. Die Zusammenarbeit umfasst Sektoren wie Infrastruktur, Luft- und Raumfahrt, Informationstechnologie sowie die Erschließung von Öl- und Gasvorkommen.

Chinesische Experten sagten, dass die aggressive Zinserhöhung der US-Notenbank viele Entwicklungsländer unter zunehmenden Druck setze, durch Kapitalabflüsse, Währungsabwertung und steigende Kosten für den Schuldendienst. Auch deshalb ist Nutzung des Yuan im globalen Handel zuletzt stark angestiegen. Der Yuan ist inzwischen die fünftgrößte Zahlungswährung der Welt, die drittgrößte Handelsfinanzierungswährung und die fünftgrößte internationale Reservewährung.

Mehr zum Thema
Bleiben Sie über das Thema dieses Artikels auf dem Laufenden Klicken Sie auf [+], um eine E-Mail zu erhalten, sobald wir einen neuen Artikel mit diesem Tag veröffentlichen
Anzeige
DWN
Finanzen
Finanzen Digitaler Impuls versus reale Werte

Am Montag hat ein einzelner Social-Media-Beitrag von Donald Trump die Finanzmärkte um 1,7 Billionen US-Dollar bewegt – und zwar nicht...

DWN
Finanzen
Finanzen Prediction Markets: Der Machtkampf um ein neues Finanzsystem eskaliert
28.03.2026

Ein digitaler Milliardenmarkt wächst rasant und entzieht sich klassischen Regeln. Prediction Markets verbinden Wetten und Finanzgeschäfte...

DWN
Immobilien
Immobilien Wohnimmobilienmarkt: Wo Investoren jetzt und in Zukunft Rendite finden
28.03.2026

Der deutsche Wohnimmobilienmarkt stabilisiert sich spürbar. Preise steigen wieder, Transaktionen nehmen zu und Kapital kehrt zurück. Doch...

DWN
Technologie
Technologie Neuer Skoda Epiq im Check: City-SUV mit cleveren Details kommt im Herbst
28.03.2026

Der Skoda Epiq will ab Herbst den Markt der günstigen Elektro-SUVs aufmischen. Mit viel Platz, cleveren Details und moderner Technik...

DWN
Politik
Politik Krieg im Iran: Rückenwind oder Risiko für Netanjahu?
28.03.2026

Israel steht erneut im Krieg mit dem Iran, während im Inland politische Spannungen wachsen. Viele Bürger unterstützen die Angriffe, doch...

DWN
Unternehmen
Unternehmen EU Inc.: Neue EU-Unternehmensform soll Binnenmarkt stärken
28.03.2026

Europas Start-up-Branche wird von unterschiedlichen Rechtsvorschriften der einzelnen Mitgliedsstaaten ausgebremst. Jetzt hat die...

DWN
Politik
Politik Grüne EU-Industrie: Von der Leyen plant Milliarden-Investitionen – Streit um ETS-Zertifikate
28.03.2026

Mit einem milliardenschweren Programm will Brüssel die grüne EU-Industrie stärken und Investitionen ankurbeln. Doch Uneinigkeit über...

DWN
Panorama
Panorama Zeitumstellung: Sommerzeit verlängert den Abend – wie Sie die Extra-Stunde optimal nutzen
28.03.2026

Mit der Zeitumstellung beginnt die Sommerzeit und die Tage wirken spürbar länger. Mehr Licht am Abend klingt verlockend, doch viele...

DWN
Finanzen
Finanzen Matt Cooper: Neues Buch eines Ex-Goldman-Chefs wirft eine drängende Frage zu Trump und diesem Wall-Street-Titel auf
27.03.2026

Zwischen Selbstinszenierung und Machtanalyse: Lloyd Blankfein erzählt seine Karriere als Aufstieg aus einfachen Verhältnissen – und...