Politik

Ungarns Orban will bis 2034 an der Macht bleiben

Der ungarische Ministerpräsident Viktor Orban hat angekündigt, dass er noch bis 2034 im Amt bleiben will. Seine Pläne bleiben eine Besonderheit in Europa.
Autor
10.09.2023 16:26
Aktualisiert: 10.09.2023 16:26
Lesezeit: 2 min

Der ungarische Ministerpräsident Viktor Orban befindet sich in seiner fünften Amtszeit und ist damit jetzt schon der dienstälteste Regierungschef in der Europäischen Union. Doch nun plant er, noch bis zum Jahr 2034 an der Macht zu bleiben, wie die ungarische Nachrichten-Website Telex am Sonntag unter Berufung auf mit seinen Plänen vertraute Personen berichtet.

Der 60-Jährige, der seit er 2010 ungarischer Ministerpräsident ist, sprach kürzlich bereits öffentlich davon, dass er bis zum Jahr 2030 an der Macht bleiben könnte. Sein neues Ziel 2034 enthüllte er nun am Wochenende bei seiner jährlichen Rede vor seinen Anhängern, die hinter verschlossenen Türen stattfand, berichtet Telex unter Berufung auf mehrere Personen, die an der Veranstaltung teilnahmen.

Das neue Zieldatum 2034 begründete Orban damit, dass der Ukraine-Krieg und die Coronavirus-Epidemie ihm vier Jahre genommen hätten. Zum Rückgang der Popularität seiner Regierung in letzter Zeit sagte er, dass dieser nicht so stark wie bei anderen europäischen Regierungsparteien. Als Beispiel nannte er Deutschland, wo die Popularität der Oppositionsparteien bereits größer ist als die der Regierungsparteien.

Als Hauptgrund für den Popularitätsverlust seiner Fidesz-Partei nannte der Ministerpräsident wirtschaftliche Schwierigkeiten: "Die Gesellschaft ist nicht daran gewöhnt, sondern an kontinuierliches Wachstum." Orban räumte ein, dass die Reallöhne zum ersten Mal seit zehn Jahren sinken, zeigte sich aber optimistisch, dass sich der Trend bis zum Jahresende umkehren werde und die Reallöhne wieder steigen würden.

Die Popularität seiner Partei sei deshalb weniger stark gesunken als in anderen Staaten Europas, weil die Wähler in Ungarn nicht nur wirtschaftliche, sondern auch politische und ideologische Aspekte berücksichtigten. Auch die schwache ungarische Opposition hat Orban zufolge zu der lang anhaltenden Führungsposition seiner Fidesz-Partei beigetragen.

Orban ist im Verlauf seiner Amtszeit immer wieder mit der EU und den USA aneinander geraten. Ein Kritikpunkt dabei ist seine bedrohliche Machtkonsolidierung. Er hat seinen Einfluss auf alle Bereiche des ungarischen Lebens ausgeweitet, von der Justiz über die Wirtschaft bis hin zu Kultur und Bildung. Zudem hat er eine gewaltige Propagandamaschine aufgebaut.

Die EU hat mehr als 30 Milliarden Dollar an Geldern, die für Ungarn vorgesehen waren, wegen Korruption und Bedenken hinsichtlich der Rechtsstaatlichkeit ausgesetzt. Auch die Beziehungen zu den USA, einem NATO-Verbündeten, haben sich verschlechtert, auch weil Orban Forderungen zurückgewiesen hat, die vertrauten Beziehungen seiner Regierung zu China und Russland abzubauen.

In seiner jüngsten Rede stellte Orban einen 15-Punkte-Plan zur Stärkung Ungarns vor, dessen Wirtschaft unter einer jahrelangen Rezession und einem schweren Arbeitskräftemangel leidet und stark von russischer Energie abhängig ist. Der Plan sieht unter anderem vor, die Geburtenrate zu erhöhen, das Militär zu modernisieren und das einzige Atomkraftwerk im Land, das unter russischer Führung ausgebaut wird, mit französischem Brennstoff zu bestücken.

Orban begann seine politische Karriere als antikommunistischer Studentenführer in den 1980-er Jahren und machte sich einen Namen, indem er noch vor dem Fall des Eisernen Vorhangs dreist den Abzug der sowjetischen Truppen aus Ungarn forderte. In seiner ersten Amtszeit als Ministerpräsident regierte er von 1998 bis 2002 als Mitte-Rechts-Konservativer.

Nach acht Jahren in der Opposition gewann Orban im Jahr 2010 eine erdrutschartige Wahl und kehrte als nationalistischer, prorussischer Führer zurück, der Ungarn in den letzten 13 Jahren in Richtung Osten lenkte. In seiner jüngsten Rede bekräftigte er erneut, dass er die Islamisierung Europas als eine ernsthafte Bedrohung betrachtet und dass er glaubt, dass die christlichen Gemeinden in absehbarer Zeit aus dem Westen nach Ungarn fliehen werden.

Mehr zum Thema
Bleiben Sie über das Thema dieses Artikels auf dem Laufenden Klicken Sie auf [+], um eine E-Mail zu erhalten, sobald wir einen neuen Artikel mit diesem Tag veröffentlichen
Anzeige
DWN
Finanzen
Finanzen Finanzielle Freiheit braucht einen starken Partner

Vermögen eröffnet Möglichkeiten – und bringt zugleich Entscheidungen mit sich: Wie lässt sich das Erreichte bewahren, gezielt...

X

DWN-Wochenrückblick

Weniger E-Mails, mehr Substanz: Der DWN-Wochenrückblick liefert 1x/Woche die wichtigsten Themen kompakt als Podcast. Für alle, deren Postfach überläuft.

E-mail: *

Ich habe die Datenschutzerklärung sowie die AGB gelesen und erkläre mich einverstanden.

DWN
Finanzen
Finanzen US-Märkte: Nasdaq und S&P 500 sacken ab, während Inflationssorgen steigen
14.10.2026

Welche Entwicklungen die Märkte jetzt erschüttern und wo sich überraschende Chancen auftun.

DWN
Politik
Politik Wie gewinnt man den nächsten Krieg? Ex-US-Verteidigungsminister Austin erläutert in Warschau die NATO-Strategie
14.10.2026

Der pensionierte General Lloyd Austin, der unter Präsident Joe Biden US-Verteidigungsminister war, hat beim Warsaw Security Forum die...

DWN
Finanzen
Finanzen Goldpreis aktuell unter Druck: Nach US-Inflationsschub blicken Anleger auf die Fed
14.10.2026

Der Goldpreis tendiert am Mittwochnachmittag in der Verlustzone, weil höhere US-Verbraucherpreise die Hoffnung auf eine Zinssenkung...

DWN
Politik
Politik Trumps Vereinbarung mit Putin dreht sich um weit mehr als Diesel
14.10.2026

Donald Trumps Diesel-Abkommen mit Wladimir Putin wirkt auf den ersten Blick widersprüchlich: US-Gesetze begrenzen russische...

DWN
Technologie
Technologie Starlink in der Ukraine: Streit um neue Geschwindigkeitsgrenze
14.10.2026

In der Ukraine wächst der Ärger über eine offenbar neue Einschränkung beim Satelliteninternet Starlink. Nach Angaben aus dem Umfeld von...

DWN
Politik
Politik Zuckersteuer beschlossen: Kabinett bringt Extra-Steuer auf den Weg
14.10.2026

Zwischendurch hatte das Kanzleramt sie gestoppt, das Finanzministerium musste nacharbeiten - jetzt ist die Zuckersteuer in der...

DWN
Politik
Politik Grüngasquote für private Haushalte ab 2028 sorgt für Kritik
14.10.2026

Die schwarz-rote Koalition hatte sich bei der Einigung auf das neue Gebäudemodernisierungsgesetz - als Nachfolger des...

DWN
Finanzen
Finanzen Bitcoin-Prognose: Warum die nächsten Tage alles verändern könnten
14.10.2026

Bitcoin steht vor einer entscheidenden Bewährungsprobe. Nach massiven Kapitalabflüssen aus Bitcoin-ETFs und einem Kursrutsch auf nahezu...