Finanzen

China und Saudi-Arabien vertiefen Annäherung

Lesezeit: 4 min
12.10.2023 09:11  Aktualisiert: 12.10.2023 09:11
China und Saudi-Arabien untermauern ihre Annäherung auf den Finanzmärkten. Auch die Streitkräfte beider Staaten arbeiten verstärkt zusammen.
China und Saudi-Arabien vertiefen Annäherung
China und Saudi-Arabien vertiefen ihre Annäherung auf den Finanzmärkten. (Foto: istockphoto.com/Vitoria Holdings LLC)
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Die Volksrepublik China und das Königreich Saudi-Arabien vertiefen ihre bilateralen Beziehungen auf den Finanzmärkten und im militärischen Bereich.

Der Grundstein für die Annäherung wurde im vergangenen Dezember beim Besuch des chinesischen Staatspräsidenten Xi Jinping in Riad gelegt, in dessen Rahmen beide Seiten eine verstärkte politische Zusammenarbeit vereinbarten und Investitionsabkommen im Umfang von rund 30 Milliarden US-Dollar abschlossen.

Bank of China expandiert nach Saudi-Arabien

Angesichts der zunehmend engeren Beziehungen beider Länder expandiert die Bank of China nach Saudi-Arabien. Anfang Oktober hatte das Institut eine Filiale in der Hauptstadt Riad eröffnet. Deren rund 20-köpfiges Team soll Unternehmen und Privatpersonen fortan eine Reihe verschiedener Dienstleistungen anbieten und etwa Geschäftskredite und Hypotheken vergeben.

Der übergeordnete Geschäftszweck, den die Bank of China in Saudi-Arabien verfolgt, besteht darin, die Verwendung der chinesischen Landeswährung Renminbi („Yuan“) in der Wirtschaft des islamischen Königreiches zu propagieren.

Wie die South China Morning Post berichtet, nahmen an der Filialeröffnung nicht nur Chinas Botschafter, sondern auch der Gouverneur der saudischen Zentralbank und der stellvertretende Investitionsminister des Landes teil.

Im Rahmen der Filialeröffnung wurden von mehreren Unternehmen sowie dem Ministerium Absichtserklärungen unterzeichnet, die auf eine „Internationalisierung“ des Renminbi abzielen und sich insbesondere auf Projekte im Bereich der klimaneutralen Finanzierung beziehen.

Hinter dem Ziel, den Yuan in der Region aufzuwerten, stehen zwei strategische Überlegungen: Zum einen möchte die Regierung in Peking den Renminbi zu einer international akzeptierten Handelswährung aufbauen, wobei den Staaten der rohstoffreichen arabischen Halbinsel aufgrund beträchtlicher Öl- und Gasexporte und daraus abgeleiteter massiver Geldströme eine Schlüsselrolle zukommt.

Zum zweiten erlaubt es eine verstärkte Abwicklung von Geschäftstransaktionen in Renminbi zwischen China und Saudi-Arabien beiden Seiten, die Abhängigkeit vom US-Dollar im internationalen Zahlungsverkehr zu verringert. Dieses strategische Ziel erhält mehr Gewicht, seitdem die US-Regierungen vermehrt Sanktionen verhängen und diese auch an die Nutzung des Dollars koppeln.

Die Bank of China gehört zu den vier großen Banken Chinas und ist das zweite chinesische Finanzinstitut, das eine Niederlassung in Saudi-Arabien eröffnet. Bereits 2015 hatte die Industrial and Commercial Bank of China eine Filiale in Riad eröffnet.

Notenbanken rücken zusammen

Die Vertiefung der Finanzbeziehungen wird darüber hinaus vom Wunsch der saudischen Zentralbank reflektiert, ihre Beziehung zur Notenbanken Chinas auszubauen.

Man erhoffe sich, die Verbindungen zur Volksbank mithilfe internationaler Dialoge, der Zusammenarbeit in multilateralen Foren und Partnerschaften in internationalen Organisationen wie den G20 voranzubringen, zitiert die South China Morning Post den Gouverneur der Zentralbank des Königreichs, Mohammed Al Sayari.

„Indem sie in solchen Foren einen gemeinschaftlichen und konstruktiven Ansatz verfolgen, können beide Zentralbanken Herausforderungen angehen und gemeinsame Initiativen voranbringen“, sagte Al Sayari der Zeitung.

Es sei sowohl im Interesse Chinas als auch Saudi-Arabiens, so Al Sayari, Reformen und Initiativen anzustoßen, die den Bedürfnissen von Schwellen- und Entwicklungsländern gerecht werden.

Al Sayari rief chinesische Banken dazu auf, nach Saudi-Arabien zu kommen oder ihre bereits bestehenden Aktivitäten dort auszuweiten. Dahinter steckt der als „Vision 2030“ bezeichnete Wunsch, die vom Erdölgeschäft geprägte Volkswirtschaft zu diversifizieren, wobei dem Dienstleistungssektor du grünen Technologien Vorrang eingeräumt werden soll.

Saudi-Arabiens Notenbank hatte Ende Juli bereits eine Absichtserklärung mit der Hongkonger Zentralbank für eine engere Kooperation und einen Wissensaustausch in den Bereichen Finanzregulierung, Recht und Finanzinnovation unterzeichnet.

Win-Win

Die verstärkte Kooperation im Finanzsektor bietet beiden Seiten Vorteile. Hongkong fungiert traditionell als Tor zum riesigen chinesischen Markt und ist der wichtigste Handelsplatz für chinesische Aktien, Anleihen und den Offshore-Yuan außerhalb Chinas sowie in dieser Rolle ein wichtiges Finanzzentrum für den gesamten asiatisch-pazifischen Raum.

Nicht zuletzt erhofft sich Saudi-Arabien vom Hongkonger Knowhow bei Finanzdienstleistungen und der Zusammenarbeit mit kapitalstarken chinesischen Investoren Impulse für seine „Vision 2030“. Die Bank of China wirbt bei ihren arabischen Partnern für eine verstärkte Verwendung des Yuan, weil dadurch weitere chinesische Investoren angelockt werden könnten, die zur angestrebten Diversifizierung beitragen, berichtet Arab News.

Saudi-Arabien ist Chinas wichtigster Öllieferant und China wiederum ist Saudi-Arabiens wichtigster Handelspartner. Sowohl Peking als auch Riad ist deshalb daran gelegen, die immensen und bislang auf Dollar lautenden Einnahmen aus dem Ölgeschäft zumindest teilweise auf den Renminbi umzustellen, um Ansatzpunkte für mögliche amerikanische Sanktionen gegen beide Länder zu reduzieren.

Chinas Entwicklungsbank in den Emiraten

Neben Saudi-Arabien vertiefen derzeit noch andere Länder des Mittleren Ostens ihre Finanzbeziehungen zu China.

So hatte die in Peking ansässige Asiatische Infrastruktur- und Investmentbank (AIIB) Ende September ihre erste Auslandsfiliale in den Vereinigten Arabischen Emiraten eröffnet.

„Die Eröffnung der Filiale der Asiatischen Infrastruktur- und Investmentbank in Abu Dhabi markiert einen Meilenstein in der strategischen Beziehung zwischen den Emiraten und der Bank“, zitiert Silk Road Briefing den Generaldirektor des Entwicklungsfonds von Abu Dhabi. „Sie ist Ausdruck der Ambition der Bank, ihre Operationen und Entwicklungsinitiativen im Mittleren Osten und in Nordafrika auszuweiten. Dies wird der nachhaltigen wirtschaftlichen Entwicklung in Schwellenländern neuen Schwung verleihen“.

Die unter chinesischer Führung stehende AIIB wurde im Jahr 2015 von über 50 Staaten gegründet und gilt als Antwort Asiens beziehungsweise der Entwicklungsländer auf Finanzinstitutionen wie die Weltbank oder den Internationalen Währungsfonds, in denen die USA und westeuropäische Staaten großen Einfluss ausüben.

China hat rund 30 Prozent zum Einlagenkapital der AIIB beigetragen und kontrolliert 26,6 Prozent der Stimmrechte, womit dem Land ein Vetorecht zusteht. Die AIIB hat seit 2016 bislang 232 Projekte im Gesamtumfang von mehr als 44 Milliarden US-Dollar finanziert. Derzeit hat sie 109 Mitglieder.

Die Vereinigten Arabischen Emirate haben sich in den vergangenen Monaten mehrfach damit hervorgetan, bei der Umstellung internationaler Transaktionen weg vom Dollar behilflich zu sein.

Militärübung Blue Sword 2023

Die Annäherung zwischen Peking und Riad beschränkt sich nicht nur auf die Finanzmärkte, sondern entfaltet sich auch in der Sicherheitspolitik. Am Montag begannen die Streitkräfte beider Länder eine gemeinsame Militärübung.

Unter dem Schlagwort „Blue Sword“ sollen maritime Einsätze gegen terroristische Bedrohungen geprobt werden. Konkret geht es um die Bedienung verschiedener Waffentypen, das Abseilen von Helikoptern, das Steuern von Schiffen, die Suche nach und Neutralisierung von Sprengstoffen unter Wasser, das Entern gekaperter Schiffe sowie das Üben bewaffneter Rettungseinsätze auf hoher See.

Bei „Blue Sword 2023“ handelt es sich um die zweite gemeinsame Übung der Seestreitkräfte Chinas und Saudi-Arabiens. Die erste fand im Jahr 2019 im Roten Meer statt. „Das gemeinsame Training der Sondereinheiten der beiden Seestreitkräfte ist äußerst bedeutsam, um die pragmatische und freundschaftliche Zusammenarbeit zwischen beiden Armeen zu vertiefen und das Trainingsniveau der Truppen zu verbessern“, zitiert die South China Morning Post einen namentlich nicht genannten Sprecher der chinesischen Marine.


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