Politik

Erdogan verurteilt Entsendung von US-Flugzeugträger nach Israel

"Was macht der US-Flugzeugträger in Israel?", fragt der türkische Präsident Erdogan und warnt vor einem Massaker im Gazastreifen. Zudem berät er sich mit Putin.
Autor
11.10.2023 12:46
Aktualisiert: 11.10.2023 12:46
Lesezeit: 2 min

Der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan hat die USA dafür kritisiert, dass sie eine Gruppe von Kriegsschiffen ins östliche Mittelmeer entsandt haben, um ihre Unterstützung für Israel zu zeigen. "Was macht der US-Flugzeugträger in Israel?", fragte Erdogan am späten Dienstagabend bei einer gemeinsamen Pressekonferenz mit dem österreichischen Bundeskanzler Karl Nehammer in Ankara. In Richtung USA warnte er, dass sie ein "Massaker" im Gazastreifen riskieren würde.

Ein aus sechs Schiffen bestehender US-Marineverband, zu dem der Flugzeugträger USS Gerald R. Ford, ein Lenkwaffenkreuzer und Raketenzerstörer gehören, ist auf dem Weg ins östliche Mittelmeer, um "die regionalen Abschreckungsbemühungen zu unterstützen", wie US-Verteidigungsminister Lloyd Austin am Sonntag erklärt hat. Zusätzliche US-Ausrüstung und -Ressourcen, einschließlich Munition, werden in den kommenden Tagen eintreffen, zitiert ihn Bloomberg.

US-Präsident Joe Biden teilte dem israelischen Premierminister Benjamin Netanjahu am Sonntag per Telefon mit, dass zusätzliche militärische Unterstützung für Israel "jetzt auf dem Weg ist", heißt es in einer Erklärung des Weißen Hauses. Aber bisher gab es keine Andeutungen, dass amerikanische Kriegsschiffe tatsächlich in die Kämpfe eingreifen würden.

Die Türkei unterstützt das palästinensische Streben nach einem unabhängigen Staat und versucht, eine größere Eskalation mit Israel zu verhindern. Der türkische Staatschef warnte vor einem längeren Konflikt im Nahen Osten und kritisierte die Entscheidung Israels, die isolierte Enklave von Wasser und Strom zu trennen. Am fünften Tag des Krieges wurden bereits mehr als 2.000 Menschen getötet.

"Was werden die USA mit all ihren Booten und Flugzeugen auf dem Flugzeugträger machen, der hierher kommt?", fragte Erdogan. Seine Äußerungen erfolgten, nachdem die USA in der vergangenen Woche eine bewaffnete türkische Drohne abgeschossen hatten, die bei Luftangriffen gegen die von den USA unterstützten kurdischen Kämpfer in Syrien zu nahe an die amerikanischen Bodentruppen heran geflogen sein soll.

Israel hat die Türkei in der Vergangenheit beschuldigt, die Hamas zu unterstützen, die den Gazastreifen beherrscht. Die EU und die USA betrachten die Hamas als terroristische Vereinigung. Die Türkei tut dies nicht. Die USA und die Türkei sind NATO-Verbündete. Doch am späten Dienstagabend sprach Erdogan per Telefon mit dem russischen Präsidenten Wladimir Putin über Möglichkeiten, eine Ausweitung des Konflikts zu verhindern, wie die türkische Präsidentschaft mitteilte.

Die jüngsten Äußerungen Erdogans drohen, die gerade erst einsetzende Entspannung in den Beziehungen zwischen der Türkei und Israel schon wieder zunichte zu machen. Die Beziehungen waren im Jahr 2010 wegen eines tödlichen israelischen Angriffs auf eine zivile türkische Flottille, die pro-palästinensische Aktivisten nach Gaza brachte, auf einen Tiefpunkt gesunken.

Am Mittwoch hat Erdogan die israelischen Angriffe auf den Gazastreifen als Massaker bezeichnet. Selbst im Krieg gebe es eine Moral, doch gegen diese sei seit den Angriffen am Wochenende verstoßen worden, sagt Erdogan vor seiner AK Partei im Parlament. "Menschen ihrer Grundbedürfnisse zu berauben und Häuser zu bombardieren, in denen Zivilisten leben, kurzum sich jedes schändlichen Mittels zu bedienen - das ist kein Krieg, das ist ein Massaker."

Erdogan und seine Regierung haben sich angeboten, in dem Nahostkonflikt zu vermitteln. Der israelische Botschafter in Ankara erklärte jedoch, dafür sei es zu früh.

Mehr zum Thema
Bleiben Sie über das Thema dieses Artikels auf dem Laufenden Klicken Sie auf [+], um eine E-Mail zu erhalten, sobald wir einen neuen Artikel mit diesem Tag veröffentlichen
Anzeige
DWN
Technologie
Technologie Festkörperbatterien lassen auf sich warten – könnte die Halbfestkörper-Technologie zur Brückentechnologie der Energiespeicherung werden?

Die Batteriewirtschaft befindet sich derzeit in einer bemerkenswerten Übergangsphase. Während nahezu alle großen Hersteller langfristig...

X
DWN-Wochenrückblick

Weniger E-Mails, mehr Substanz: Der DWN-Wochenrückblick liefert 1x/Woche die wichtigsten Themen kompakt als Podcast. Für alle, deren Postfach überläuft.

E-mail: *

Ich habe die Datenschutzerklärung sowie die AGB gelesen und erkläre mich einverstanden.

DWN
Politik
Politik Staatskrise Deutschland: Minderheitsregierung oder Neuwahlen - was wäre denkbar?
28.06.2026

Die schwarz-rote Regierung unter Kanzler Merz geht dem Ende zu - trotz aktueller Durchhalteparolen vor der Sommerpause mit möglichen...

DWN
Politik
Politik Ben Wallace war einer der wichtigsten Verbündeten der Ukraine: Nun prognostiziert er Putins nächsten Schritt
28.06.2026

Der ehemalige britische Verteidigungsminister Ben Wallace ist der Ansicht, dass sich die NATO auf einen russischen Präsidenten einstellen...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Minijob 2026: Rückkehr in die Rentenversicherung möglich – was zu beachten ist
28.06.2026

Wer sich als Minijobber von der Versicherungspflicht befreien ließ und bislang keinen Eigenanteil für die Rentenversicherung zahlt, kann...

DWN
Finanzen
Finanzen Die schwankende Adobe-Aktie wird immer attraktiver
28.06.2026

Die Adobe-Aktie ist stark gefallen und wirkt im Vergleich zu vielen Tech-Werten günstig bewertet. Doch Anleger fragen sich, ob Adobe seine...

DWN
Finanzen
Finanzen Experteninterview: Welche Finanzierungsalternativen Unternehmen kennen sollten
28.06.2026

Für viele Mittelständler ist Finanzierung zunehmend eine strategische Herausforderung. Besonders kritisch wird es, wenn Investitionen gar...

DWN
Unternehmen
Unternehmen Betriebsbedingte Kündigung wegen Stellenabbau: Die wichtigsten Fakten
28.06.2026

Aufgrund der angespannten wirtschaftlichen Lage erleben viele deutsche Arbeitnehmer derzeit eine Kündigungswelle. Häufig begründen...

DWN
Politik
Politik Deutschlands Ziel: Europas stärkste Armee aufbauen
28.06.2026

Nach dem Scheitern der Zusammenarbeit bei Kampfflugzeugen steht nun das nächste Prestigeprojekt für Deutschland und Frankreich vor dem...

DWN
Finanzen
Finanzen Dell, Oracle und Co.: Gewinnrausch bei alten Tech-Stars
28.06.2026

Derzeit werden Hunderte von Milliarden Dollar in die nächste Technologiewelle investiert. Server sollen installiert, Datenbanken ausgebaut...