Politik

China bezahlt Öl-Import erstmals mit digitalem Yuan

Erstmals hat China einen Öl-Import mit e-Yuan bezahlt. Das Land sieht dies als Durchbruch auf dem Weg, seine digitale Zentralbankwährung zu internationalisieren.
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25.10.2023 16:23
Aktualisiert: 25.10.2023 16:23
Lesezeit: 4 min
China bezahlt Öl-Import erstmals mit digitalem Yuan
Die Nutzung des e-Yuan nimmt auch in Chinas Außenhandel an Fahrt auf. In den USA wächst die Sorge. (Foto: iStock/Dilok Klaisataporn) Foto: Dilok Klaisataporn

Am 19. Oktober hat der größte chinesische Ölkonzern PetroChina erstmals den digitalen Yuan (e-CNY) genutzt, um für den Import von Rohöl zu bezahlen. Nach Angaben der Handelsplattform Shanghai Petroleum and Natural Gas Exchange kaufte PetroChina eine Lieferung von einer Million Barrel Rohöl.

In der Mitteilung der Handelsplattform vom Freitag werden weder der genaue Wert des Geschäfts noch die Identität des Verkäufers bekannt gegeben. Bei einem Preis von 90 Dollar pro Barrel hätte das Geschäft einen Umfang von umgerechnet 90 Millionen Dollar und gehört damit wohl zu den bisher größten Zahlungen mit dem digitalen Yuan.

Nach Angaben des Shanghai Petroleum and Natural Gas Exchange ist das Geschäft Teil seiner Bemühungen, die Anordnungen des Parteikomitees und der Stadtregierung von Shanghai zu erfüllen, welche die Handelsplattform zur verstärkten Verwendung des e-CNY im grenzüberschreitenden Handel aufgefordert haben.

In den letzten Jahren hat der Shanghai Petroleum and Natural Gas Exchange den internationalen Öl- und Gashandel aktiv ausgebaut, „um einen schnelleren, stabileren und effizienteren Handels- und Zahlungsverkehrskanal für den Eintritt internationaler Ressourcen in den chinesischen Markt zu schaffen“, heißt es in der Mitteilung.

Bereits am 17. Oktober hatten der drittgrößte chinesische Ölkonzern China National Offshore Oil und der französische Energieversorger Engie auf derselben Handelsplattform ein Flüssiggasgeschäft mit Yuan-Abwicklung abgeschlossen. Wie die Plattform mitteilte, wird Engie im November eine Ladung von 65.000 Tonnen LNG an CNOOC liefern.

Dieses Geschäft folgt auf Chinas ersten Yuan-basierten Kauf von LNG über den Shanghai Petroleum and Natural Gas Exchange, der im März zwischen CNOOC und dem französischen Unternehmen TotalEnergies abgewickelt wurde. Allerdings erfolgten diese Deals mit Engie und TotalEnergies mit herkömmlichen Yuan, nicht mit e-Yuan.

Warum forciert China den e-Yuan?

Nach Ansicht der staatlichen chinesischen Zeitung China Daily hat der jünste Öl-Import mit digitalen Yuan durch PetroChina den Prozess der Internationalisierung der chinesischen Währung „einen weiteren großen Schritt“ vorangebracht.

Die Zeitung zitiert den Chefvolkswirt der chinesischen Investmentbank CITIC Securities, Ming Ming, demzufolge der e-Yuan in vollem Umfang genutzt werden sollte, um die grenzüberschreitende Abwicklung des Renminbi und die Internationalisierung der chinesischen Währung voranzutreiben.

Für China ist die Nutzung des e-Yuan deshalb so wichtig, weil das Land auf diese Weise seine Abhängigkeit vom SWIFT-System überwinden könnte. Wie riskant diese Abhängigkeit sein kann, haben die Sanktionen gegen Russland gezeigt, wobei russische Banken aus dem SWIFT-System ausgeschlossen.

Für China wäre das Problem jedoch um ein Vielfaches größer. Denn seine wichtige Exportwirtschaft nutzt weiterhin in großem Umfang SWIFT. Im September stieg der Anteil des Renminbi im weltweiten Zahlungsverkehr auf einen neuen Rekordwert von 3,71 Prozent, wie SWIFT letzte Woche mitteilte.

Ein Ausschluss aus dem SWIFT-System könnte China und seine Wirtschaft daher schwer schädigen. Der e-Yuan und möglicherweise auch andere verbundene digitale Zentralbankwährung bieten nicht nur eine gangbare Alternative, sondern wären in der Abwicklung auch deutlich schneller und effizienter als SWIFT.

Dass digitale Zentralbankwährungen wahrscheinlich der Weg der Zukunft ist, zeigte letzte Woche das dritte Belt and Road Forum for International Corporation. Dort hat die First Abu Dhabi Bank eine Vereinbarung über digitale Währungen mit der Bank of China unterzeichnet, wie die größte Bank der Vereinigten Arabischen Emirate mitteilte.

USA fürchten um nationale Sicherheit

China und die Vereinigten Arabischen Emirate sind neben Thailand, Hongkong und der Bank für Internationalen Zahlungsausgleich (BIZ) Teilnehmer an der Blockchain-Plattform mBridge. Diese ermöglicht es den angeschlossenen Geschäftsbanken in den vier Teilnehmerstaaten, grenzüberschreitende Echtzeit-Transaktionen durchzuführen.

In einer Rede am 22. September sagte der Zentralbankchef von Hongkong, Eddie Yue, dass das Projekt mBridge bald erheblich erweitert werden könnte. „Unser jüngster Pilotversuch hat gezeigt, dass diese digitale Zentralbankwährung für Großkunden grenzüberschreitende Zahlungen beschleunigen kann, zu geringeren Kosten und mit besserer Transparenz.“

Bereits im nächsten Jahr soll eine funktionsfähige Version auf den Markt kommen. „Wir erwarten, dass sich weitere Zentralbanken dieser offenen Plattform anschließen werden. Und schon bald werden wir ein so genanntes Minimum Viable Product auf den Markt bringen, das den Weg für die schrittweise Kommerzialisierung von mBridge ebnen soll.“

Diese Blockchain-basierte SWIFT-Alternative setzt im Übrigen nicht unbedingt voraus, dass ein teilnehmender Staat über eine eigene digitale Zentralbankwährung verfügt. Das Projekt mBridge dürfte aufgrund der Nutzung von Blockchain-Technologie in jedem Fall effizienter sein als SWIFT, weshalb es in den USA bereits als mögliche Gefahr angesehen wird.

Die demokratische Abgeordnete Maxine Waters, das ranghöchste Mitglied des Finanzdienstleistungsausschusses im US-Repräsentantenhaus, äußerte am 20. September die Sorge, dass mBridge zur Umgehung von Wirtschaftssanktionen missbraucht werden könnte. Sie drängte daher auf eine führende Rolle der USA bei Zentralbankwährungen.

Water sagte, mBridge „würde die Abkehr vom US-Dollar als globaler Reservewährung und vom SWIFT-System erleichtern. Sollte es zu einer solchen Entwicklung kommen, würde dies unserer nationalen Sicherheit erheblich schaden, anstatt die USA als weltweit führenden Innovator in der Welt der digitalen Währungen und Finanzen zu etablieren.“

Die unaufhaltsame Internationalisierung des Yuan

Die neuesten Daten der chinesischen Zentralbank zeigen, dass sich der Wert der grenzüberschreitenden Yuan-Zahlungen in den ersten drei Quartalen dieses Jahres auf 10,16 Billionen Yuan (1,3 Billionen Euro) belief, was einem Anstieg um 35 Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum entspricht.

Die trotz aller Währungsschwankungen in diesem Jahr stetig sich vollziehende Internationalisierung des Renminbi zeigt nach Ansicht von Wang Youxin, einem leitenden Forscher der staatlichen Bank of China, dass die chinesische Währung bei den Unternehmen weltweit ein wachsendes Ansehen genießt.

Dies sei vor allem auf die Maßnahmen zur Erleichterung grenzüberschreitender Renminbi-Zahlungen zurückzuführen, die in letzter Zeit eingeführt wurden, sowie auf die stabile Geldpolitik Chinas, so Wang. Die breitere Verwendung des Yuan in den Schwellenländern sei ein weiterer wichtiger Faktor für die Internationalisierung des Renminbi.

Die argentinische Zentralbank gab am 29. Juni bekannt, dass sie Renminbi-Einlagen im argentinischen Bankensystem zulassen wird. Die brasilianische Zentralbank gab Ende März bekannt, dass der Yuan den Euro überholt hat und nun die zweitgrößte internationale Reservewährung des Landes ist.

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