Politik

Gefechte zwischen pro-iranischen Milizen und US-Armee in Syrien und im Irak

Zwischen den amerikanischen Truppen in Syrien und pro-iranischen Milizen eskalieren die Gefechte. Derweil verlegt die Bundeswehr Kräfte nach Zypern.
28.10.2023 10:56
Aktualisiert: 28.10.2023 10:56
Lesezeit: 3 min
Gefechte zwischen pro-iranischen Milizen und US-Armee in Syrien und im Irak
US-Soldaten in Syrien beobachten im Februar 2018 die Umgebung von Manbij. (Foto: dpa) Foto: Susannah George

Die US-Armee verstärkt ihre Besatzungstruppen im Nordosten Syriens. Wie The Cradle berichtet, wurden Luftabwehrsysteme, Überwachungsgeräte, Waffen und Truppen zur Basis Kharab al Jir gebracht, welche einige Tage zuvor von Militanten beschossen worden war.

In den vergangenen beiden Wochen sollen US-Stützpunkte in Syrien und im Irak mehr als ein dutzend Mal mit Raketen angegriffen worden sein.

Die US-Armee hat zudem ein Raketenabwehrsystem vom Typ THAAD in der Region installiert.

Attacken auf US-Basen nehmen zu

Seit Beginn des Gaza-Kriegs zwischen Israel und der islamistischen Hamas haben pro-iranische Milizen mehr als ein Dutzend Angriffe im Irak und Syrien für sich beansprucht, berichtet die dpa. Sie trafen nach eigenen Angaben mit Drohnen und Raketen unter anderem vom US-Militär genutzte Stützpunkte.

Die in London ansässige sogenannte Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte zählte bis Donnerstag sieben Angriffe auf Ziele der US-geführten Koalition in Syrien. Die US-Denkfabrik Washington Institute kam in einer Zählung bis Donnerstag auf insgesamt 18 Angriffe, davon 11 im Irak.

Das US-Militär hat nicht jeden dieser Angriffe bestätigt oder kommentiert. Das Pentagon teilte kürzlich aber mit, dass es mehrere Drohnenangriffe oder versuchte Angriffe auf US-Militärstützpunkte in beiden Ländern gegeben habe. Bei den Drohnenangriffen auf die Basis Al-Tanf im Süden Syriens sowie die Basis Al-Asad im Westen des Iraks seien 24 US-Soldaten leicht verletzt worden, sagte ein Sprecher des zuständigen Regionalkommandos dem US-Sender NBC.

Ein Zerstörer der US-Marine im Roten Meer hatte auch drei Marschflugkörper und mehrere Drohnen abgeschossen, die nach US-Angaben von vom Iran unterstützten Huthi-Rebellen im Jemen gestartet worden sein sollen.

„Wir sind besorgt über eine mögliche Eskalation“, sagte US-Verteidigungsminister Lloyd Austin. Zu beobachten sei derzeit die „Aussicht auf eine erhebliche Eskalation der Angriffe“ auf US-Truppen in der gesamten Region. Ministeriumssprecher Patrick Ryder sagte, diese gehe von „iranischen Stellvertretern und letztlich vom Iran“ aus.

Zur Abschreckung haben die USA unter anderem weitere Waffensysteme sowie Kriegsschiffe und Luftwaffengeschwader ins östliche Mittelmeer verlegt und entsenden rund 900 Soldaten in den Nahen Osten zur Unterstützung der dortigen US-Einheiten.

Die von den USA genutzten Stützpunkte im Irak wurden in den vergangenen Jahren immer wieder mit Drohnen und Raketen beschossen. Meist richtete sich der Verdacht gegen pro-iranische Milizen, die den Abzug ausländischer Truppen aus dem Irak verlangen. Sie hatten den USA mit Vergeltung gedroht, nachdem Irans Top-General Ghassem Soleimani und der Anführer der Miliz Kataib Hisbollah, Abu Mahdi al-Muhandis, 2020 bei einem US-Raketenangriff in Bagdad getötet worden waren.

Luftangriffe auf pro-iranische Milizen

Die USA haben im Osten Syriens als Reaktion auf Angriffe proiranischer Milizen am frühen Freitag Luftangriffe geflogen. Ziele seien zwei Einrichtungen gewesen, die von Irans Revolutionsgarden sowie deren Verbündeten genutzt würden, teilte das US-Verteidigungsministerium in Washington am späten Donnerstagabend (Ortszeit) mit.

Die Angriffe seien ein Akt der Selbstverteidigung zum Schutz von US-Personal und hätten nichts mit dem derzeitigen Konflikt zwischen Israel und der islamistischen Palästinenserorganisation Hamas im Gazastreifen zu tun, betonte das Pentagon.

Europäer verlegen Soldaten nach Zypern

Die EU-Inselrepublik Zypern ist darauf vorbereitet, als Drehscheibe für mögliche Evakuierungsaktionen aus Israel und dem Libanon für Menschen aus der EU, den USA und anderen Staaten zu dienen. Das Land habe auf der Grundlage bilateraler Abkommen eine noch nie dagewesene Anzahl von Ersuchen um mögliche Evakuierungsmaßnahmen für Zivilisten erhalten und positiv darauf reagiert, hieß es am 25. Oktober aus Regierungskreisen, wie die dpa berichtet.

Die möglichen umfangreichen Evakuierungen könnten demnach mit Hilfe ausländischer Militärmissionen stattfinden, die in den vergangenen Tagen zu diesem Zweck auf Zypern eingetroffen seien. Bislang sind Einheiten der Bundeswehr und des niederländischen Heeres auf Zypern angekommen.

Die Bundeswehr hatte am 25. Oktober mitgeteilt, der „Aufbau der Führungs- und Planungsfähigkeiten des Einsatzverbandes für eine mögliche Option zur Evakuierung“ auf Zypern sei abgeschlossen.

Auch Großbritannien verstärkte seine Militär-Einheiten in den zwei souveränen Stützpunkten auf Zypern, wie der zyprische Rundfunk berichtete.

Zypern war bereits während anderer Krisen im Nahen Osten als nächstgelegener sicherer Ort Drehscheibe für Evakuierungsaktionen geworden.

Bundeswehr stationiert Einheiten

Die Bundeswehr hatte in der Nacht zum 21. Oktober wegen der wachsender Gefahren in Nahost weitere Kräfte nach Zypern für eine mögliche militärische Evakuierung deutscher Staatsbürger verlegt. Dies diene dazu, die eigene Reaktionsfähigkeit zu erhöhen, teilte das Verteidigungsministerium am Samstag auf der Plattform X (früher Twitter) mit.

Damit sei der Aufbau der Führungs- und Planungsfähigkeiten des Einsatzverbandes für eine mögliche Option zur Evakuierung abgeschlossen. Weitere Details nannte das Ministerium nicht. Es verwies zugleich darauf, dass eine kommerzielle Ausreise aus dem Libanon weiter möglich sei. Die Maßnahme diene der Vorbereitung, „um auch bei einer Lageverschärfung schnell handlungsfähig zu sein“.

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