Unternehmen

Verbraucher im Winterschlaf: Umsatz der Möbelhersteller bricht ein

Bei der Anschaffung von Möbeln waren die Verbraucher 2023 sehr knauserig. Das Geschäft mit Wohnmöbeln lief deutlich schlechter als im Vorjahr. Die Branche blickt pessimistisch in die Zukunft, denn die Konsumzurückhaltung wird wohl noch länger anhalten.
28.02.2024 08:00
Lesezeit: 2 min

Die Kaufzurückhaltung der Verbraucherinnen und Verbraucher trifft die Möbelhersteller. Der Umsatz sank 2023 im Vergleich zum Vorjahr um 4,3 Prozent auf etwa 18 Milliarden Euro, wie die Verbände der deutschen Möbelindustrie (VDM/VHK) am Montag in Herford mitteilten. Den höchsten Rückgang verzeichnete die Branche im Bereich Wohn-, Ess- und Schlafzimmermöbel, wo der Umsatz 12,6 Prozent niedriger ausfiel. Bei Matratzen gab es mit 11,2 Prozent ebenfalls ein deutliches Minus.

"Unsere Branche leidet schon seit etlichen Monaten unter der Kaufzurückhaltung der Konsumenten, deren Ursachen wir in der Inflation, der eingebrochenen Baukonjunktur, der politischen Verunsicherung und den geopolitischen Krisen sehen", sagte Verbands-Geschäftsführer Jan Kurth. In Deutschland zählen 432 Firmen zur Möbelindustrie. 75 600 Menschen arbeiten in der Branche.

Besser liefen die Geschäfte im Jahr 2023 in anderen Segmenten. Hersteller von Laden- und sonstigen Objektmöbeln konnten ebenso zulegen (3,3 Prozent) wie Produzenten von Büromöbeln (2,6 Prozent). Bei Küchenmöbeln, die etwa ein Drittel des Umsatzes der Möbelhersteller ausmachen, gab es mit 0,3 Prozent nur ein leichtes Plus.

Besonders enttäuschend für die Gesamtbranche war die zweite Jahreshälfte. Zwischen Juli und Dezember lagen die Erlöse 8,4 Prozent unter dem Vorjahresniveau. Über das ganze Jahr 2023 gesehen gingen die Umsätze auf dem deutschen Markt etwas stärker zurück (minus 4,6 Prozent) als beim Auslandsgeschäft (minus 3,6 Prozent). Mehr als 33 Prozent der in Deutschland hergestellten Möbel werden exportiert.

Die Möbelhersteller schauen wenig optimistisch in die Zukunft. "Die Auftragslage bleibt auch zu Beginn des laufenden Jahres angespannt", sagte Kurth. Neben dem schwachen Konsumklima bereitet der Branche auch der stockende Wohnungsneubau Sorgen.

Die Verbraucher sind jedenfalls im Winzerschlaf und das macht dem Einzelhandel zu schaffen. Die Einzelhandelsumsätze sind 2023 inflationsbereinigt um 3,9 Prozent. Ein Jahr zum Vergessen - nicht einmal das Weihnachtsgeschäft lief gut.

Unsichere Zeiten: Konsumenten halten sich zurück

Die deutschen Verbraucher halten wegen der Konjunkturflaute ihr Geld zusammen und legen so viel auf die hohe Kante wie seit fast 16 Jahren nicht mehr. Das von der KfW berechnete Barometer für das Konsumklima verharrt auf niedrigen Niveaus, die Konsumenten sind versunsichert. Laut KfW ist die Sparneigung so hoch wie zuletzt vor knapp 16 Jahren.

"Die Laune der Verbraucher war mies, und sie ist mies geblieben", sagt Chefvolkswirt Alexander Krüger von der Hauck Aufhäuser Lampe Privatbank. Realeinkommensverluste, hohe Zinsen und die Wirtschaftspolitik sprächen gegen eine Stimmungswende. Zudem sorgten laut Krügee gestiegene Benzinpreise und geplante Preiserhöhungen von Firmen für neue Belastungen. "Der Konsum wird auch im Frühling noch Winterschlaf halten."

"Nach wie vor ist bei der Konsumstimmung kein Licht am Ende des Tunnels erkennbar", sagte Hauptgeschäftsführer Stefan Genth vom Handelsverband HDE. "Angesichts der vielen Unwägbarkeiten im Zusammenhang mit dem russischen Krieg in der Ukraine und dem Nahost-Konflikt gehen viele auf Nummer sicher und sparen ihr Geld lieber." Hier müsse die Politik Impulse für die Wirtschaft anschieben und dafür sorgen, dass das Wachstumschancengesetz rasch beschlossen werde.

Die Menschen in Deutschland beurteilten immerhin ihre künftige finanzielle Lage wieder etwas besser. Das GfK-Barometer der Einkommenserwartungen kletterte auf den höchsten Wert seit Februar 2022 - also vor Ausbruch des Ukraine-Kriegs. Denn deutliche Lohn- und Rentenerhöhungen dürften mit weniger stark steigenden Preisen zu einem spürbaren realen Einkommensplus führen. Dies jedoch wirkt sich derzeit kaum auf die Bereitschaft zu größeren Einkäufen aus.

Die Menschen erwarten jedoch auch Anfang 2024 keine Signale, dass es mit der schwächelnden deutschen Wirtschaft deutlich bergauf gehe, erklärten die Marktforscher. Wirtschaftsminister Robert Habeck hat jüngst die Prognose der Ampel-Koalition für das Wachstum 2024 massiv von 1,3 auf 0,2 Prozent gesenkt. Ende 2023 war das Bruttoinlandsprodukt bereits um 0,3 Prozent gesunken und könnte nach Einschätzung von Ökonomen auch im laufenden ersten Quartal fallen. Damit wäre Deutschland per Definition in einer Rezession. (mit Material von dpa und Reuters)

Mehr zum Thema
Bleiben Sie über das Thema dieses Artikels auf dem Laufenden Klicken Sie auf [+], um eine E-Mail zu erhalten, sobald wir einen neuen Artikel mit diesem Tag veröffentlichen
Anzeige
DWN
Technologie
Technologie Wie Verbraucher mit Risiko umgehen – zwischen Finanzentscheidungen und digitaler Unterhaltung

Risiko ist ein Begleiter fast jeder wirtschaftlichen Entscheidung. Mal ist es größer, mal kleiner. Mal offensichtlich, mal schwer...

 

X
DWN-Wochenrückblick

Weniger E-Mails, mehr Substanz: Der DWN-Wochenrückblick liefert 1x/Woche die wichtigsten Themen kompakt als Podcast. Für alle, deren Postfach überläuft.

E-mail: *

Ich habe die Datenschutzerklärung sowie die AGB gelesen und erkläre mich einverstanden.

DWN
Finanzen
Finanzen US-Börsenbericht: Wall Street gibt nach und Ölpreis schießt in die Höhe, da die Spannungen um Hormus steigen
23.04.2026

Ein turbulenter Handelstag wirft Fragen auf: Erfahren Sie, welche treibenden Kräfte die globalen Märkte aktuell in Atem halten.

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Neue Energiepläne der EU: Unsicherheit im Markt für Solaranlagen und Wärmepumpen
23.04.2026

Die EU-Energiepolitik setzt verstärkt auf Förderprogramme für Wärmepumpen und Solaranlagen, doch in der Installationsbranche wächst...

DWN
Politik
Politik Stopp von kasachischem Öl: Russland stoppt Lieferung zur PCK-Raffinerie in Schwedt
23.04.2026

Ab kommender Woche wird kein Öl aus Kasachstan mehr durch die Pipeline Druschba nach Deutschland und zur PCK-Raffinerie in Schwedt...

DWN
Politik
Politik Iran-Krieg belastet Energiemarkt: EU reagiert mit Krisenpaket
23.04.2026

Die EU reagiert auf steigende Energiepreise infolge des Iran-Kriegs mit einem ersten Krisenpaket und bereitet sich auf politische...

DWN
Politik
Politik Milliardenschwere Ukraine-Hilfe: EU bricht Blockade und verschärft Sanktionen
23.04.2026

Nach dem Ende des wochenlangen Widerstands aus Ungarn hat die Europäische Union den Weg für ein massives Unterstützungspaket...

DWN
Finanzen
Finanzen VW-Aktie: Konzern drosselt China-Ziele – Fokus auf Rendite statt Volumen
23.04.2026

Der Volkswagen-Konzern zieht Konsequenzen aus dem schwierigen Marktumfeld in Fernost. Angesichts eines verschärften Preiskampfes und...

DWN
Unternehmen
Unternehmen Stellenmarkt in Deutschland: Ghosting bei Bewerbungen nimmt zu
23.04.2026

Bewerber erhalten einer Umfrage zufolge oft nicht einmal eine Rückmeldung auf ihre Bewerbungen. Das führt zu Frust und dazu, dass...

DWN
Unternehmen
Unternehmen Elektro-SUV Cupra Tavascan im Test: Viel Leistung, solide Reichweite und hoher Preis
23.04.2026

Der Cupra Tavascan positioniert sich als sportlicher Elektro-SUV mit viel Komfort und starker Reichweite. Doch trotz überzeugender Technik...